WANDERREISE NACH KATALONIEN
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Wandern an Kataloniens Küste: Eine Reise von der Costa Brava zum Ebro-Delta
von Dagny Riegel
Die Küste Kataloniens kennen verbinden die meisten nur mit Bade- und Partyurlaub. Dass man hier aber auch wunderbar wandern und stille Naturparadiese entdecken kann, zeigt dieser Reisebericht, der von der Costa Brava im Norden Kataloniens über die Costa Dorada bis ins südliche Ebro-Delta führt. Sogar die Party-Hochburg Lloret de Mar entpuppt sich bei näherem Betrachten als ein Ort der Stille.
Stil und Stille: Lloret ganz erwachsen
„Jugendreisen“, „Busreisen“, „Partyurlaub“, Abifahrten“... die Google-Suche verrät das größte Problem von Lloret de Mar: seinen Ruf. Längst eilt er dem Ort an der Costa Brava nicht mehr nur voraus, er verfolgt ihn und ist dabei ziemlich laut. Wie Eltern, denen die Jugend zu viel Krach macht, versuchen auch hier die Hausherren für Ruhe zu sorgen. Broschüren über Nordic Walking, Wanderrouten und Museen dienen nicht nur dazu, Junggesellenabschiede abzuschrecken und den Namen Lloret wieder aus dem Kakao zu ziehen. Sie zeigen auch eine andere Wahrheit über den Ort, denn es gibt sie tatsächlich, die Ruhe nach dem Sturm.
An einem Sonntag im September etwa liegt sie wie Balsam über dem Zentrum der 32.000-Einwohner-Stadt, die noch einmal genau so viele Betten für Gäste hat. Folkloregruppen aus Sizilien und Osteuropa warten im Schatten vor der Kirche Sant Romà auf ihren Einsatz, im Café sitzen ältere Spanier bei einem Cortado, Touristen bummeln durch die Gassen. Auf der Strandpromenade, die zum alten Rathaus führt, steht ein Dutzend Maler, die Staffeleien vor sich. Mit flinken Pinselstrichen vervielfältigen sie die Postkartenansicht von einem der wenigen historischen Gebäude in der ersten Reihe. Die alten Häuser der Indianos – der Auswanderer, die reich aus Südamerika zurückkehrten – wurden fast alle abgerissen und durch Hotels ersetzt, als in den fünfziger und sechziger Jahren die ersten Touristenwellen über den einst ruhige Fischerdorf rollten.
Eines, das dem Ansturm getrotzt hat, ist die Casa Garriga. Das prunkvolle Haus an der Promenade beherbergt heute ein Meeresmuseum. Didaktisch gut aufbereitet erzählt es die Geschichte der Stadt, ihre geografischen und kulturellen Besonderheiten und verknüpft sie anschaulich mit dem alles bestimmenden Meer. Die Mosaikböden des Baus von 1887 und die alten Möbel harmonieren mit Projektionen und Klangeffekten.
Fortschrittlich geht es auch am Strand zu. Die blaue Flagge zeigt an, dass die strengen europäischen Gütekriterien eingehalten werden, Mülltonnen sorgen für Abfalltrennung. Dazu stehen an sämtlichen Duschen Sitzgelegenheiten für Behinderte bereit, die hier auch im Meer baden können, weil es spezielle Badestühle mit Rollen gibt. Über den Riera, den Fluss aus Regenwasser hinweg, geht es auf dem gut ausgebauten Felsweg der Route GR 92. Unterwegs füttern drei alte Damen die Fische mit Brot, es herrscht reges Treiben, das sich Richtung Westen verläuft. An der Cala Banys lässt sich eine Handvoll Menschen den Wind um die Nase wehen und schaut bei einem Weißwein auf das Meer hinunter. Die gleichnamige Cocktailbar hat zwei wunderschöne Terrassen mit Lounge-Atmosphäre unter Palmen.
Der einzige Ort, an dem man die Seele wohl genauso frei baumeln lassen kann, sind die Gärten der Santa Clotilde, noch einmal zwei, drei Kilometer westlich. Das grüne Paradies am Steilhang will ausdrücklich kein Botanischer Park sein und dem Besucher irgendetwas beibringen. Es geht um den Ausblick aufs Meer, ums bloße Schönsein. Das gelingt dem fast 27.000 Quadratmeter großen Areal spielend. Sogar die vielen Treppenstufen, die durch die Terrassen führen, sind begrünt, dazu plätschern Brunnen, zieren Büsten Wege und Plätze. Der Marquis von Roviralta ließ den Park 1919 nach dem Vorbild der italienischen Renaissance für seine Frau anlegen. Die Familie nutzt die Villa im Park noch heute.
Ausflugstipp Costa Brava: Mit dem Boot von Palamòs die Küste entlang

Der Kapitän macht's vor
Kapitän Joan Santolaria fährt in den Sommermonaten jeden Tag mit seinem Segelboot Rafael raus, das 1915 zum Fischen gebaut wurde. Mit dem urigen Boot geht es die „wilde Küste“ auf den Spuren des Seeräubers Barbarossa entlang, an der Küste von Castell und den Inseln Formigues oder der nächtlichen Costa Brava. Wer will, darf das Boot steuern, und jeder bekommt einen Schluck Cava, katalanischen Sekt - wenn man es bei Seegang schafft, die traditionelle Borron-Flasche im richtigen Winkel vor den Mund zu halten. Die Touren kosten für Erwachsene zwischen 15 und 27 Euro. Mehr Infos im Fischmuseum, direkt am Moll Pesquer oder unter Telefon . Weitere nützliche Adressen gibt es am Ende des Reiseberichts.







