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Bilbao & Bizkaia – Pintxos, Guggenheim und Abendessen bei Tante Emma
Daniela Hesse
Vom schwülheißen Sommer Deutschlands fliegen wir ins kühlere aber ebenso schwüle Bilbao. In dicke Nebenwolken eingehüllt liegt die Stadt am Ufer des Rio Nervión, der nur wenige Kilometer entfernt in den Atlantik mündet. Von der Nähe des Meeres ist in Bilbao auf den ersten Blick wenig zu sehen. Der Blick fällt auf grüne Bergkuppen, die hinter den Häusern mehrere hundert Meter in die Höhe ragen. „El bocho“ (Kessel) nennen die Einwohner das Stadtgebiet. Böse Zungen übersetzen den Ausdruck aber auch gerne mit „das Loch“, was auf Bilbaos industrielle Vergangenheit anspielt. Rund 350.000 Einwohner zählt Bilbao im Stadtgebiet. Mit den Außenbezirken sogar 900.000.
So breitet sich bei der Anfahrt ein Meer aus roten Ziegeldächern vor uns aus. Zu unserer Rechten taucht eine bekannte Fassade auf, die das Stadtbild seit 1997 wesentlich prägt: das Guggenheim-Museum. Doch zunächst bleibt es beim Blick aus der Ferne. Über kurvige Straßen, die uns zum Fluss Nervión führen, fahren wir in die Altstadt. An der Plaza San Nicolas, an dem die gleichnamige Fischerkirche San Nicolas De Bari steht, steigen wir aus. Hier sehen wir einige restaurierte Fischerhäuser, die über für die Region typischen, verglasten Balkone verfügen.
Pintxos an der Plaza Nueva
Es ist Mittagszeit und wir haben Hunger. Daher machen wir uns direkt auf den Weg zu einer Pintxo-Bar. Seit Bilbao nicht mehr so stark von der Schwerindustrie geprägt ist, lockt die Stadt mit Architektur, Kultur und der berühmten baskischen Küche. An der Plaza Nueva, die Ende des 18. Jahrhunderts angelegt wurde, gibt es viele gute Lokale. In den Sommermonaten stehen auf der ganzen Plaza Nueva Tische und Stühle. Bis es soweit ist, bleibt der Platz jungen Kickern vorbehalten.
Wir setzen uns in die Bar Casa Pedro. An der Theke bietet sich uns direkt eine Auswahl an leckeren Pintxos (Pintschos gesprochen). Pintxos sind die baskische Form der spanischen Tapas. Auf einem Stück Baguette türmen sich die unterschiedlichsten Zutaten, die von einem Zahnstocher zusammengehalten werden. Daher rührt der Name Pintxo, der sich mit „Spieß“ übersetzen lässt. Wir probieren Pintxos mit Pilzen, kleinen Tintenfischen, Paprika, Käse, Fleisch, Schinken und zum Nachtisch mit Frischkäse, Nussstücken und Preiselbeere – eine besonders leckere Pintxos-Spezialität der Casa Pedro.
Altstadt – Pilgern in den Siete Calles
Danach machen wir einen Spaziergang durch die Altstadt, durch die auch ein Teil des Jakobsweges (Camino de Santiago) führt. Der Altstadt-Komplex ist auch als Siete Calles (sieben Straßen) bekannt, da hier sieben Straßen direkt zum Ufer des Nervión führen. Überall in der Altstadt sieht man die typischen verglasten Balkone. Im Erdgeschoss befinden sich allerlei kleine Geschäfte, verlockende Schilder mit dem Aufdruck „Rebajas“ (Schlussverkauf) im Fenster. Doch unser Shopping-Fieber wird direkt gebremst: Es ist Siesta.
So bleibt uns Zeit, die Sehenswürdigkeiten Bilbaos zu entdecken. Wir passieren die Catedral de Santiago, die ein wichtiger Anlaufpunkt für Pilger ist. Die imposante Markthalle Mercado de Ribera am Nervión-Ufer, die als die größte überdachte Markthalle Europas gilt, versteckt sich leider hinter Bauplanen. Wir setzen unseren Rundgang fort und entdecken jede Menge kleiner Bars, in denen man Pintxos in allen Variationen bekommt. Doch das Wetter wird immer schwüler und kurz darauf beginnt es zu regnen. In einer Halle suchen wir Unterschlupf. Es ist allerdings keine gewöhnlich Halle, sondern eine Sporthalle für Jai Alai. Bei dem traditionell baskischen Ballspiel schlagen sich die Sportler mithilfe von Korbschlägern den Ball mit bis zu 300 Stundenkilometern um die Ohren.
Spaziergang zum Guggenheim-Museum
Wegen des Regenschauers beenden wir unsere Altstadttour und fahren ins Hotel. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, geht es in die Bar, wo erneut leckere Pintxos sowie exzellente Weine auf uns warten. Mit vollem Bauch mache ich mich auf zu einem Spaziergang Richtung Guggenheim-Museum. Der Regen hat aufgehört, aber es ist immer noch sehr schwül. Ich überquere die Zubi Zuri Brücke des valencianischen Architekten Santiago Calatrava, die an ein aufgeblähtes Segel erinnert. Nach zehn Minuten erreiche ich das Guggenheim Museum. Als allersterstes springt mir Jeff Koons‘ „Puppy“ ins Auge, eine riesige Hundefigur, die mit echten Blumen bestückt ist und wie ein Haushund das Museum bewacht.
Ich spaziere zur Puente de la Salve und schreite unter dem roten Bogen des französischen Künstlers Daniel Buren hindurch, den in der Dunkelheit ein schwarz-weißes Lichtmuster ziert. Von hier oben habe ich eine gute Aussicht auf das Guggenheim-Museum und mache ein paar Fotos. Gut, dass in diesem Moment auch die Sonne durch die Wolkendecke blinzelt. Aber jetzt muss ich mich beeilen, um rechtzeitig zur Casa Rufo zu kommen, wo wir uns zum Abendessen verabredet haben.
Casa Rufo: die spanische Version von Tante Emma
Schon beim Betreten sind wir beeindruckt. Das Ambiente ist einfach, aber einmalig. Inmitten eines spanischen Tante-Emma-Ladens, der bis oben hin mit Spezialitäten gefüllt ist, wurde für uns ein großer Tisch aufgebaut. Vor dem Regal mit Linsen, Erbsen, Nüssen & Co. nehme ich Platz und freue mich auf das Essen. Passend zum Ambiente gibt es typisch baskische Spezialitäten. Als Tapas reicht man uns Eierkroketten, gebratene Paprikaschoten und einen Tomaten-Thunfisch-Salat, der zwar schlicht aussieht aber dank der frischen Zutaten unvergleichlich gut schmeckt. Bevor es mit dem Hauptgang weitergeht, schaue ich mir den Rest der Casa Rufo an. Das Haus wurde 1895 gebaut. Seit 1955 gibt es das Geschäft, das José Luis Perez und seine Frau Cristina von Josés Vater übernommen haben und vor 15 Jahren um das Restaurant erweitert haben. Im hinteren Teil befinden sich in gemütlichen Nischen weitere Tische und die offene Küche, die mit einer geschätzten Größe von zehn Quadratmeter gut in jede Studentenbude passen würde. Hier ist das Reich von Küchenchef Miguel, der mir die riesigen Koteletts zeigt, die er für uns auf dem Grill zubereitet.
Das Rindfleisch wird in einem großen Stück auf einem heißen Keramikteller gereicht. Wer es nicht so blutig mag, kann es noch auf dem heißen Teller garen lassen. Die Portion ist mächtig, aber unschlagbar lecker. Doch damit ist das Verwöhnprogramm noch nicht zu Ende. Als Nachtisch gibt es typisch baskisches Gebäck: Tejas y cigarillos (Ziegel und Zigarren) und Trüffelpralinen – einfach lecker!













