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Zypern. Geschichte für Einsteiger (Teil 2)
Zypern, die Gegenwart
Auf der südlichsten und östlichsten Mittelmeerinsel leben heute knapp eine Millionen Menschen. Auf dem westlichen Teil rund 730.000 griechische Zyprer. Im weiterhin besetzten Nordteil der Insel leben rund 220.000 Zypern-Türken. Darunter über 80.000 Festlandtürken, die nach 1974 angesiedelt wurden. Hinzu kommen etwa 40.000 türkische Militärs und knapp 1.000 UN-Blauhelme – früher bestand die Friedenstruppe sogar aus über 6.000 Soldaten. UN-Fahrzeuge erkennt man übrigens an den blauen Nummernschildern, die Einheimischen fahren Autos mit weißen und gelben Nummernschildern. Rot deutet hingegen auf einen Touristen im Mietwagen hin. (Diese Frage nach den Nummernschildern wird laut Reiseführerin Androula übrigens häufiger gestellt, als die nach der Ikonostase.)
Eine Ikonostase ist eine mit Ikonen geschmückte Wand in der orthodoxen Kirche. Sie hat drei Türen und steht zwischen dem inneren Kirchenschiff und dem Allerheiligsten. So werden die orthodoxen Gläubigen vom Altar getrennt. Dort zelebriert der Pope die Messe. Männer und Frauen sitzen in der Kirche häufig noch getrennt. Nahezu jeder griechische Zyprer ist griechisch-orthodoxen Glaubens.
Die alten Griechen hinterließen zudem noch griechische Säulen und unterirdische Totenstädte auf der Insel. Die Römer viele (leere) Amphoren und das Odeon in Neo Pafos. Von den Osmanen bleiben Badehäuser und Moscheen. (Nahezu jeder türkische Zyprer ist Muselman.) An die Venezianer erinnern balkonverzierte Fassaden, der Karneval von Limassol – und Ravioli! Die Kreuzritter hinterließen Burgen und Zitadellen, wie den berühmten Othello-Turm (heute auf dem türkischen Teil). Viel Vergangenheit, die den Besuchern jedoch keine Magenverstimmung bereiten dürfte.
Und die Engländer?
Natürlich fahren die Autos weiterhin links, die Briefkästen sind rund und die Sonntagsruhe wird eingehalten. Alle Straßenschilder sind auf Englisch. Mit Englisch kommt man überall durchs Land und die Währung heißt noch immer Pfund. Das wird sich im nächsten Jahr ändern. Dafür scheint es eine Art schleichende Re-Kolonisierung zu geben.
Der zyprische Immobilienmarkt boomt, er explodiert geradezu. Und immer mehr Engländer entdecken die Insel als Langzeittouristen oder für ihren Altersruhesitz. Die Zyprer versuchen gegenzusteuern, indem sie ihren Orten neue alte griechische Namen geben. Die Hauptstadt Nikosia wird zu Lefkosía. Limassol wird Lemesos. Und Paphos heißt nun Pafos.
Dennoch: Drei Prozent der gesamten Landfläche Zyperns sind nach wie vor britisch. Über 6.000 britische Staatsbürger – mit und ohne Uniform – tummeln sich auf den beiden Militärbasen Akrotiri und Dhekelia. Hier gilt britisches Recht. Achtung! Dies gilt auch für Geschwindigkeitsübertretungen auf vermeintlich zyprischen Strassen durch das britische Hoheitsgebiet. Blaue, weiße, gelbe und vor allem rote Nummernschilder sollten die britischen Radarkontrollen fürchten!
Zypern: Geschichte Internet
Wer sich für die Geschichte Zyperns, vom Neolithikum bis zum EU-Beitritt interessiert, sollte sich den folgenden Artikel bei http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Zyperns anschauen.
Auch zum Zypernkonflikt gibt es dort einen guten Beitrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Zypernkonflikt .
Seit dem Konzil von Ephesos (431) ist die Kirche von Zypern für autokephal. Sie hat also ein eigenes Oberhaupt. Einzelheiten unter: http://www.pro-oriente.at/?site=ok20041102213555
Wer sich für Erzbischof Makarios III. und überhaupt detaillierter für Zypern interessiert, sollte beim Institut für Interdisziplinäre Zypern-Studien (Uni Münster) vorbeischauen: www.uni-muenster.de/ZypernInstitut/



