URLAUB AN DER NORDSEE - WANGERLAND

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Unterwegs im Wangerland

Schaf-gepunkteter Strand von Hooksiel. Fotos: Dagny Riegel

Wenn man nach Jever und weiter hoch Richtung Nordsee fährt, kriegt man Bierdeckel-Slogans à la "Wie das Land, so das Jever" nicht nur in den Kopf, sondern da auch schwer wieder raus. Dafür muss man sich dann schonmal eine Weile von der Gastfreundschaft, deren Grad sich oft in Prozenten messen lässt, freimachen und das weite, windige Land wörtlich ganz nüchtern betrachten: Es lohnt sich.

 

Endlose Weite, dauernder Wind machen den robusten Charme des Landstriches in direkter Nähe zur Nordsee aus, vor der er mit langen, gras-grünen und schaf-weiß gepunkteten Deichen geschützt werden muss. So etwas ähnliches wie einen Deich zum Wehren der Fluten wünscht man sich mitunter auch schon einmal, wenn man mit den Einheimischen in ein Gespräch, den Genuss ihrer Gastfreundschaft oder die Kneipe kommt.

 

Aber wofür eigentlich Kneipe? Wir kommen auf dem Bauernhof im Küstenort Hooksiel an. Bei dem noch eher vorfrühlingshaften Wetter zur Zeit gibt es erstmal heißen Tee, der den Kandis ("Kluntjes" heißt das ja eigentlich) in der Tasse zum Knacken bringt - für die Frauen; sämtliche Männer lädt der Bauer selbstredend auf ein Bier und in unmittelbarem Anschluss zur regionalen Spezialität "Bohnsopp" ein. Die hat mit Bohnensuppe inhaltlich eher wenig zu tun, besteht sie doch aus Rum und eingelegten Rosinen, die ihren natürlichen Zuckergehalt im Alkohol wirkungsvoll umsetzen. Traditionell ist die "Bohnsopp" auf Familienfesten beliebt und zwar durchaus auch bei Frauen im ländlichen Ostfriesland, das übrigens Wert darauf legt, hier "Wangerland" zu sein. Wie auch immer: Für unsere städtischen Männer aus milderem Klima ist der Ankunftstag vorerst und - wie sich im weiteren Verlauf zeigt - auch nachhaltig beendet.

 

Mühle auf dem Weg nach Jever.

Dieses Schicksal ereilt uns erst gegen Abend. Der Chef des Hofes - ein rotblonder Mensch mit ebenso rotblondem Bart und sicherlich knapp 1,95 Metern Größe - ist schließlich noch sehr fit. Ihm ist auch nicht ganz klar, wieso man das nicht sein sollte nach dem kleinen Begrüßungsumtrunk. Er will wissen, wo die anderen sind. Jetzt sollten wir uns doch mal alle gemütlich beisammensetzen und einen Klaren trinken, wie er mit seinem norddeutschen Akzent ohne viele Worte meint.

 

Damit ist dann auch für uns der Tag beendet. Besonders beendet scheint er aber für Frau Nachbarin aus Ferienwohnung C zu sein: Ihr kleines Töchterlein teilt am nächsten morgen freimütig mit, die Mama sei ein bisschen auf allen Vieren zurück zur Wohnung gegangen. Wir murmeln was von Ostern und bald Eiersuchen und so und fühlen uns vergleichsweise sehr standhaft und solide. Außerdem machen wir uns im Nachhinein Sorgen, weil der Hof ja wie jedes ordentliche Haus hier von einem Wassergraben umgeben ist, der im übrigen "Graft" heißt und abends bestimmt zur Falle werden könnte - auch wenn er nicht wirklich auf direktem Weg zu Ferienwohnung C liegt.

 

 

Tief bei Hooksiel.

Bei einer Radtour zum Strand, den man netterweise mit Sand angereichert hat, stellen wir fest, dass es nicht nur um die Häuser (tatsächlich fast alle aus rotem Klinker) herum Gräben gibt, sondern man ständig über ein Siel oder Tief fährt und in den Feldern überall "Vorsicht Düker"-Schilder vor kleinen Kanälen warnen. Gut, dass wir bei der frischgemolkenen Milch geblieben sind, die uns die Bäuerin angeboten hat, und dem Tee. Das sind schließlich auch regionale Spezialitäten und noch dazu bedenkenlos in den gleichen Mengen genießbar, wie die Leute von der Küste sie zu sich nehmen. Daran halten wir uns bis zum abendlichen "Vorglühen", Einleitung eines Disco-Besuchs oder ähnlichem und Gegenstück zum "Nachglühen", das dann wiederum gemeinschaftliches Pegelsenken vor dem Nach-Hause-Gehen bedeutet.

 

Die Gegend am Meer ist nämlich wirklich einen klaren Blick wert. Die grünen Wiesen und Felder, in denen die neuen Windräder der Energieparks surren und immer wieder auch alte Mühlen.


Text: Dagny Riegel


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