URLAUB IN ÄGYPTEN - MOSESBERG
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Nachtwanderungen auf den Mosesberg - unterwegs auf heiligen Pfaden
Auf dem Gipfel des Berges Sinai nahm Moses von Gott die beiden Steintafeln mit den eingemeißelten zehn Geboten in Empfang - so berichtet es das Alte Testament.
Das Christentum und die anderen monotheistischen Weltreligionen haben den Berg Sinai bzw. Mosesberg (Gebel Musa) in späteren Jahrhunderten zur Pilgerstätte gemacht. Bis heute besteigen Christen und Juden aus aller Welt den Mosesberg, um diverse Schauplätze des biblischen Geschehens mit eigenen Augen zu sehen. Moslems ist der Berg deshalb heilig, weil ihn Mohammeds Pferd Buraq bei der Himmelsreise des Propheten als letzte Stufe gen Himmel berührt haben soll.
Heutzutage wird der Mosesberg freilich vornehmlich von "normalen" Ägypten-Touristen besucht, die sich nicht allein für die biblischen Stätten interessieren. Ihre Hauptattraktion ist der - wie es heißt - "schönste Sonnenaufgang der Welt", den man morgens vom Gipfel (2283 Meter) aus erleben kann. Manche Wanderer übernachten für dieses Naturschauspiel auf dem Berg. Andere unternehmen eine Nachtwanderung, die kurz vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel endet.
Die zweite Variante ist die populärere und soll hier etwas näher beschrieben werden.
Mosesberg - zwei Wege führen zum Ziel
Die nächtlichen Wanderer sammeln sich in der Regel gegen 2 Uhr nachts am Fuße des Mosesberges vor dem Katharinenkloster. Die Klosteranlage soll an jener Stelle stehen, an der Gott aus dem brennenden Dornbusch zu Moses sprach. Die Mönche zeigen den Touristen ein Gewächs, das sie für einen Ableger des biblischen Busches halten.
Für dem Aufstieg wählt man meist den längeren, aber bequemeren "Weg des Paschas" (Wanderzeit etwa zweieinhalb Stunden). Der Pfad wurde im 19. Jahrhundert vom ägyptischen Herrscher Abbas Pasha angelegt, der auf dem Mosesberg einen Palast errichten wollte. Man kann für einen Teil der Strecke ein Kamel samt Führer mieten. Da die Wanderung bei stockfinsterer Nacht erfolgt, sollte man unbedingt eine starke Taschenlampe mitnehmen.
Hat man die ersten zwei Drittel des Weges bewältigt, trifft man auf eine weitere biblische Stätte: Das Elias-Plateau, eine Senke, wo Moses damals seine Begleiter zurücklassen musste. Hier stehen einige kleine Kapellen, darunter die aus Kalkstein erbaute Eliaskirche.
Oberhalb des Elias-Plateaus schließt die recht steile Mosesstiege an - der andere der beiden Wege zum Gipfel. Dieser Treppenpfad (2 700 Stufen) wird allerdings meist nur für den Abstieg genutzt, da er die Kondition der Wanderer auf eine recht harte Probe stellt. Ein Mönch hat den Weg im 6. Jahrhundert in den Berg gehauen.
Auf dem Gipfel-Plateau findet man in der Regel ein starkes Gedränge vor. Oft warten hunderte Schaulustige auf den Sonnenaufgang. Ein Kampf um die besten Plätze zum Fotografieren bleibt nicht aus. Erwischt man einen akzeptablen Standort, wird man allerdings für alle Unpässlichkeiten entschädigt: Es eröffnet sich ein atemberaubender Blick über den "versteinerten Ozean" der Sinai-Gebirgslandschaft, dessen Felsen ihre Farben in der Morgendämmerung fast minütlich wechseln. Bei guter Fernsicht kann bis hinüber zum Golf von Aqaba sehen. Freitags und sonntags geht es auf dem Berg etwas ruhiger zu, da das Katherinenkloster dann geschlossen hat.
Auch auf dem Berggipfel findet man natürlich eine Reminiszenz an das Alte Testament: die Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit. Sie soll dort stehen, wo sich Gott dem Moses in einer Feuerwolke offenbarte.
Beim Abstieg über die Mosesstiege kann man die herrliche Landschaft des Sinai genießen. Wer mag, legt auf dem Elias-Plateau unter einer tausendjährigen Zypresse eine kleine Rast ein. Weiter unten trifft man auf das Tor des Glaubens. Früher mussten Pilger hier um Vergebung ihrer Sünden bitten, bevor sie von den Mönchen zum Gipfel hinaufgelassen wurden. Sehr schön ist die Aussicht herunter auf das Katharinenkloster.


