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Budapest: Vörösmarty-Platz

Wer in der Adventszeit in Budapest ist, findet am Vörösmarty tér noch einen schönen Weihnachtsmarkt, der ungleich höhere Geschenkfund-Chancen bietet als die Markthalle. Man erreicht ihn in einer halben Stunde Fußweg von der Zentralen Markthalle aus. Unterwegs kann man beobachten, wie die Häuser der trist beginnenden Váci utca immer heller und schmucker werden. Bis sie an ihrem oberen Ende mit denen der Kärntner Straße in Wien mithalten können – dem Vorbild für diese Fußgängerzone.

Am Vörösmarty tér, auf den die Váci utca mündet, zeigen im Sommer gewöhnlich Straßenkünstler wie Gaukler, Portraitisten und Musiker, was sie können. Jetzt ist aber nicht Sommer und der Platz wird von den kleinen Buden des Weihnachtsmarkts in Beschlag genommen. Am Wochenende muss man sich den Weg zu ihnen mit Geduld bahnen, aber heute am Montag ist es menschenmengenmäßig angenehm ruhig. Das mag auch damit zusammenhängen, dass es wettermäßig alles andere als ruhig ist. Gerade scheint die Sturmphase des Tages angebrochen zu sein.

An manchen Ständen empfiehlt es sich, ein Auge auf schwere oder kantige Ware zu haben, die Platz sparend außen ans Dach gehängt wurde und nun bei einem plötzlichen Windstoß frei umher schlagen kann. Aber wir lassen uns nicht abschrecken, haben wir doch den festen Vorsatz, Weihnachtsgeschenke zu finden. Die Voraussetzungen sind – abgesehen von dem kleinen Orkan – bestens. Ramsch darf hier nicht angeboten werden. Dafür sorgen spezielle Auflagen.

So finden sich traditionelle Blaufärberei, Kunst aus Eisen – live hergestellt vom vollbärtigen Schmied Márton -, Körbe, Wollsachen und unzählige Töpferwaren. Darunter immer wieder modernere Stücke wie knallbuntes Emailgeschirr mit staksigen Tierfiguren, Windspiele oder eigenwillig gestaltete Kerzenständer. Teuer kann man nichts nennen. Ich kaufe eine große bauchige Tasse mit blauem Blumenmuster für knapp 3 Euro und ein armdickes Aststück für circa 8 Euro, das sich nicht als extrem traditionelle Flöte, sondern Stifthalter entpuppt.

Plötzlich konzentriert sich die Aufmerksamkeit aller Marktbesucher auffällig Richtung Café Gerbeaud. Richtig, es ist fünf Uhr - Adventskalender-Stunde. Jeden Tag wird feierlich ein Türchen bzw. Fenster des Riesen-Kalenders an der verzierten Fassade geöffnet. Lichter- und Glockenspiel begleiten die Zeremonie. Es treten drei Musikanten mit Trompeten auf den Balkon und bieten ein italienisches Weihnachtslied dar.

Nach Beendigung gibt es Beifall (der ein wenig in den Handschuhen stecken bleibt) und eine so starke Böe, dass es einem Spieler das Notenblatt aus der Hand zieht und über die Brüstung herunterrauschen lässt.


 
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