REISEBERICHTE SPANIEN- VESPATOUR IN ZENTRALSPANIEN

Reisedauer: 7 - 10 Nächte
Anreise:  
Rückreise: 
Personen:
    Kinder:
      Abflughafen: 
      Reiseziel: 
      HLX
      Weiter

      Von einer Vespatour, Eselswandern, Geiern und einsamen Landschaften

      Parque Natural de las Hoces del Duratón

      Parque Natural de las Hoces del Duratón. Fotos: Hans-Joachim Franzen

      von Hans-Joachim Franzen

       

      Um heutzutage bei Freunden, Verwandten und Kollegen beim Thema Urlaub für echte Aufmerksamkeit zu sorgen bedarf es einiges, vor allem einer originellen Idee. Irgendwann im Frühjahr 2009 bekam ich ein interessantes Angebot auf den Schreibtisch und zwar von der kleinen spanischen Reiseagentur „Away from the crowds“. Das Angebot lautete mit einer 125er Vespa die einsame Bergwelt nördlich von Madrid in den autonomen Regionen Kastilien y León, Kastilien-La Mancha und Comunidad de Madrid zu erkunden.

      Im Gegensatz zu Deutschland darf in Spanien jeder, der seit mehr als drei Jahren einen PKW-Führerschein besitzt, auf eine 125er Vespa oder ein anderes Leichtmotorrad schwingen, auch Ausländer.

      Da ich für den Juni 2009 sowieso eine Reise nach Toledo geplant hatte, schob ich die Vespa-Tour einfach davor, verlegte den Flug vor und landete mit dem Iberiaflug 3523 eines Samstags wohlbehalten in Madrid.

      Nicht unbedingt typisch für die Jahreszeit: Dunkle Wolken bei Castroserna de Arriba

      Nicht unbedingt typisch für die Jahreszeit: Dunkle Wolken bei Castroserna de Arriba. Fotos: Hans-Joachim Franzen

      Es dauerte etwas länger als gewöhnlich, bis die Maschine ihre Parkpostion erreicht hatte, und auch das Marschieren bis zum Gepäckband ist auf dem Flughafen Madrid-Barajas nicht in drei Minuten erledigt. Aber insgesamt ging doch alles sehr flott und so war ich recht schnell am Ausgang vier, wo mich Javier Bartolomé, einer der beiden Brüder, die Eigentümer der Agentur sind, abholte.

      Unterwegs erzählte er von den Vespatouren, aber auch von den Eselswanderungen, den Radtouren, die die Agentur organisiert und auch vom harten Winter in der Region Kastilien-León. Der kalte und nasse Winter hatte zu vielen Frostschäden auf den Straßen geführt hatte und obwohl es wenige Tage vorher noch fast heiß war, die Wetteraussichten für die nächsten Tage waren nicht so berauschend: Kalt und nass.

      Die ersten Kilometer meiner Vespatour

      Die Eselin Manchega ist bereit zur Eselswanderung

      Die Eselin Manchega ist bereit zur Eselswanderung

      Schließlich hielten wir nach etwa einer Stunde Fahrt vor der Zentrale der Firma in der kleinen Ortschaft Siguero, die in einem restaurierten 300 Jahre alten Haus untergebracht war: Sehr urig und gemütlich. Vor dem Haus bekam ich dann auch die Einweisung in die125er Vespa, die sich bei einer längeren Proberunde unproblematisch fahren ließ. Trotzdem war es für jemanden wie mich, der nur als Jugendlicher etwas Moped gefahren war, recht ungewohnt.

      Die ersten Kilometer fuhr ich dann auch nur so etwa 30- 40 Stundenkilometer langsam, aber bald hatte ich mich an die Vespa und ihr Verhalten gewöhnt. Viertel vor fünf ging es von Sigueruelo aus richtig los. Am Ortsausgang links auf die N-110. Einige Kilometer blieb ich auf der wenig befahrenen Hauptstraße bis Prádena. Schon vorher schaute ich wenig begeistert auf die dunkle Wolkenfront vor mir.

      Leider hatte ich es versäumt, eine Regenjacke anzuziehen, obwohl mir bewusst war, dass es auch in Spanien einmal regnen kann. Ich hätte auf der N-110 bleiben können und in etwa 20 Minuten wäre ich in meinem Hotel in Navafria gewesen, wo mein Gepäck auf mich wartete. Ich bog trotzdem ab und hoffte, dass es nur ein Schauer werden würde, hoffte auf eine Unterstellmöglichkeit und wollte zudem nicht als Weichei aus der Großstadt gelten. Aus der Unterstellmöglichkeit wurde leider nichts, ich wurde bei dem heftigen Schauer auch kräftig nass, aber nicht bis auf die Haut und es ging weiter.

      Nur sehr wenige Autos überholten mich auf den folgenden 25 Kilometern oder kamen mir entgegen. Die Fahrt ging in Richtung Norden an Castroserna de Arribe und Castroserna de Abajo vorbei. Die Landschaft war vegetationsreich und grün. Es gab viele Trockenmauern, wilde Wiesen, lockere Baumgruppen und Hecken. Außerdem roch es streckenweise sehr intensiv nach Fliederblüten. Mein Weg führte durch ein Tal, dessen östliches Talufer aus felsigen Steilwänden mit vielen Höhlen bestand.

      Zwei Überraschungen: Geier und das mittelalterliche Pedraza

      Die Burg von Pedraza

      Die Burg von Pedraza

      Der Schauer war im Wesentlichen vorbei, ich fuhr so vor mich hin, als ich plötzlich einen großen Schatten über mir sah. Keine fünf Meter über mir schwebte ein Riesenvogel. Ich hatte wohl einen großer Geier mit dem Vespa-Geknatter aufgeschreckt. Bei der nächsten Parkmöglichkeit hielt ich an, um einige Landschaftsfotos zu machen und hoffte auch auf ein Geierfoto. Beim ersten Stopp gelang es mir nicht, aber beim zweiten, zwei Kilometer weiter, sah ich mehrere der imposanten Vögel und konnte auch einen fotografieren.

      Auf der Höhe von Villafranca bog mein Weg dann wieder nach Süden ab. Langsam wurde mir durch den Fahrtwind recht kalt und der eine oder andere Tropfen blies mir ins Gesicht und ich sehnte mich nach einer warmen Dusche. Trotzdem legte ich noch einen Stopp ein, da auf meiner Karte der Ort Pedraza als Sehenswürdigkeit eingezeichnet war. Der Ort liegt auf einem Berg und sah mit seiner alten Stadtmauer nett, aber aus meiner Richtung kommend nicht unbedingt spektakulär aus. Ich fuhr trotzdem hoch, der Asphalt hörte auf und ein Straßenbelag aus recht groben Steinen ersetze ihn, und zwar in der gesamten Stadt.

      Blick aus dem Hotelfenster im Hotel El Chorro in Navafria

      Blick aus dem Hotelfenster im Hotel El Chorro in Navafria

      Der Ort war voller Menschen, was mich nach knapp zwei Stunden Fahrt durch die Einsamkeit überraschte. „Wo kommen die den alle her?“ war mein Gedanke. Ich überlegte, ob ich hier überhaupt fahren darf, aber am Ende des mittelalterlichen Gassenlabyrinths landete ich am Rande eines langgestreckten Parkplatzes mit vielen Dutzenden von Autos. Es war Samstagnachmittag und die Besucher kamen zum großen Teil aus Madrid. Pedraza ist ein komplett mittelalterlicher Ort, die Mauern der Häuser besten fast alle aus Natursteinen, alten und manchmal neuen. Auch die Dächer sind noch mit alten Schindeln gedeckt. Da sich der Ort augenscheinlich großer Beliebtheit erfreute, erstaunte es mich nicht weiter, dass es viele Andenkenläden gibt, ebenso Hotels und Restaurants. Und so war es auch keine Überraschung, dass an einem so beliebten und schönen Ort eine Hochzeit standfand, wie eine Pferdekutsche und Hochzeitsgäste vor der Kirche bewiesen.

      Ich aber hatte für heute genug gesehen und machte mich auf den Weg in mein Hotel El Chorro in der Ortschaft Navafria. Dort wurde ich freundlich empfangen, besichtigte mein schönes Zimmer, duschte ausgiebig, aß lecker zu Abend und legte mich ziemlich müde ins Bett.



       
      © 2011 Travelimpulse GmbH    Sitemap | Impressum | AGBs der Urlaub-im-web.de |  AGBs unserer Reiseveranstalter