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Valencia - Urlaub in einer Stadt mit bewegter Geschichte

Kathedrale

Ehemaliger Wohnsitz eines Adligen in der Nähe der Kathedrale. Fotos: Kerstin Juchem

Valencia ist ein Dorado für Kunst- und Kulturinteressierte. Überall trifft man auf Zeugnisse der bewegten Geschichte der Stadt (siehe die "Eckdaten" unten) und auf die Hinterlassenschaften bedeutender Kulturvölker. Aber auch Paella, Sonne, Strand und Meer erwarten den Urlauber.

 

Römer, Goten und Mauren - um nur einige zu nennen - hinterließen in der Region und auch in der Stadt Valencia ihre Spuren. Entsprechende Stile sind überall vorzufinden.

 

Die Kathedrale, das imposanteste Bauwerk Valencias, steht auf dem damaligen Platz der Hauptmoschee. Drei Zugänge hat die Kathedrale und drei unterschiedliche Bauweisen sind alleine an diesen Zugängen vorzufinden, da sie alle aus verschiedenen Epochen stammen. Die Grundsteinlegung im Jahre 1262 zeigt die Erinnerung an die nicht lange vergangene arabische Herrschaft - das Osttor wurde im romanischen Stil gebaut. Ein weiteres Tor repräsentiert die Gotik und das Haupttor steht für die Architektur des Barock. Hinter dem Hauptaltar wurden im Jahre 2004 Gemälde aus dem Jahr 1498 gefunden: "Els Frescos de la Catedral de Valencia", diese werden derzeit restauriert. In der Kathedrale wurde insgesamt der gotische Stil wieder hergestellt. Die Steine der Kathedrale sind in perfektem Zustand, da neoklassizistische Verputzungen die Steine über 200 Jahre schützten. Eine Kapelle wurde im 14 Jahrhundert ursprünglich als Studierzimmer gebaut. Seit dem 15 Jahrhundert ist diese mit der Kathedrale verbunden. Sie beherbergt eine Reliquie, die vom heutigen Papst anerkannt wurde und heißt "Heilige Gral Kapelle".

 

Die Lonja (Seidenbörse) liegt an einem zentralen Platz mitten in Valencia. Sie gilt als das bedeutendste Gebäude in Valencia ohne religiösen Hintergrund und wurde zum Weltkulturerbe erklärt. Der bei der UNESCO geläufige Name für das in Valencia nur Seidenbörse genannte Gebäude ist Handelsbörse. Nicht nur mit Seide sondern auch mit Korn und Keramik wurde nämlich seinerzeit hier gehandelt. Die Handelspreise für entsprechende Güter wurden in der Lonja festgelegt. Genutzt wird die Lonja heute für Konzerte und noch heute wird hier an Sonntagen gefeilscht, allerdings dreht sich nun alles um Münzen und Briefmarken.

 

Die Markthalle von Valencia

Die Markthalle von Valencia

Die im Jugendstil erbaute Markthalle, die der Seidenbörse gegenüber liegt, ist nicht nur wegen ihrer äußeren Gestalt sehenswert. Von Valencianischen Einwohnern meist täglich besucht um die heimischen Vorräte zu vervollständigen, bietet die Markthalle zudem den interessierten Touristen Einblicke in das vielfältige und regionale Angebot. Täglich außer Sonntags werden hier unter anderem frisches Fleisch, Fisch, Schinken, Gemüse, Gewürze, Nüsse und Obst angeboten.

 

Einen entspannten Urlaubstag kann man durchaus an Valencias Strand erleben, doch auch in der Stadt lässt sich die Sonne in Ruhe samt Wohlgefühl erleben. Inmitten Valencias, angelegt in einem ehemaligen Flussbett (des Turia-Flusses) finden sich die Turia-Gärten. Sie erstrecken sich über zehn Kilometer von dem westlichen Teil der Stadt fast bis zum Hafen und bieten Erholungssuchenden vielfältige Möglichkeiten. Eine Überschwemmung der Ortsteile die in direkter Umgebung des Flusses lagen fügte seinerzeit großen Schaden an. Heute wird der Turia um Valencia herum geleitet. Sein altes Flussbett lädt heute zum Spazieren, zum Sport, zum Sonnen und zu kulturellen Erlebnissen ein.

 

Die Stadt der Künste und Wissenschaften

l'Hemisfèric in der "Stadt der Künste und Wissenschaften".

Die Stadt der Künste und Wissenschaften im Südwesten Valencias gelegen und zugleich Teil der Turia-Gärten lässt Besucher schlichtweg staunen. Santiago Calatrava heißt der Architekt der aus Valencia stammt und seine Ideen unter anderem in dieser Stadt hat verwirklichen können. Auch das Olympia-Stadion des Jahres 2004 in Athen wurde nach seinem Entwurf gebaut. Moderne Architekturen in strahlendem Weiß bieten Besuchern etwa ein Planetarium, ein Museum sowie das Oceanographic – Europas größtes Aquarium (Werk des Architekten Felix Candela).

Besucht man Valencia nun und möchte die Stadt und die Kultur auch in vollen Zügen auskosten, führt kein Weg an Valencias delikatem Speiseplan vorbei. Tintenfisch, Thunfisch, Muscheln, Salate, Schnecken und vieles mehr warten als Vorspeisen (Tapas) auf den neugierigen Besucher.

Ein Teller valencianischer Paella nach dem Genuß

Doch Vorsicht! Nicht von dem üblichen heimatlichen Essverhalten leiten lassen – in Valencia öffnen die meisten Tapas-Bars erst nach 21 Uhr. Die typisch valencianische Paella als Hauptgang ist ein wahrer Gaumenschmaus und kann je nach Vorlieben auf einem Teller angerichtet, aber auch in der Pfanne in der Tischmitte platziert serviert werden. Für diese Paella wird der Reis in dem direkten Umland Valencias angebaut. Die Vorstellung eine Paella mit Fisch und Muscheln zu erhalten, sobald man eine für diese Region typische Paella bestellt hat trügt – eine typische Paella Valencias ist eine Paella mit Kaninchen und Hühnchenfleisch – und sehr zu empfehlen!

 

Text: Kerstin Juchem

 

Eckdaten zur Geschichte Valencias

  • 134 vor Christus wurde Valencia (Valientes: geschützter Rückzugsort) von den Römern gegründet
  • Im Jahre 327 nach Christus wurde Valencia durch seine Zugehörigkeit zum Römischen Reich christlich
  • Völkerwanderung im fünften Jahrhundert – das Römische Reich wurde durch germanische Stämme überrannt, im Bereich Valencia waren es die Westgoten, diese kamen ursprünglich aus dem Baltischen Raum
  • Westgoten arrangierten sich zunächst mit den Römern und übernahmen später die Herrschaft über Spanien
  • Religiös ordneten sich die Westgoten unter und wurden christlich, auch die Sprache wurde übernommen (Latein, aus dem später Spanisch wurde)
  • 476 n. Chr. Untergang des Weströmischen Reiches
  • 7 Jahrhundert: in Arabien wurde der Islam gegründet, diese Religion verbreitete sich schnell innerhalb der arabischen Stämme
  • um 700 kam der Islam durch die Araber (Mauren) nach Spanien
  • die Araber besiegten die in Valencia ansässigen Westgoten sehr schnell und versuchten daraufhin von Spanien aus Europa zu erobern
  • 714 wurden die Araber in Frankreich geschlagen ( von Franken unter Karl Martell)
  • die Araber setzten sich in Spanien fest, die Pyrenäen waren die Grenze
  • Araber haben alle Reste der christlichen Religion vernichtet, die Christen wurden versklavt, die Kirchen in Moscheen umgebaut, die Krypta in Valencia wurde als arabisches Bad genutzt
  • um 800: Versuche der Franken Spanien von Arabern und zugleich moslemischem Glauben zu befreien
  • Karl der Große (König der Franken, Enkel von Karl Martell) überquerte die Pyrenäen um Spanien zu befreien doch der Versuch misslang
  • 10 Jahrhundert: Christliche Königreiche in Spanien: Katalonien, Aragonien
  • diese begannen im 12 Jahrhundert mit der christlichen Rückeroberung Spaniens: La Reconquista
  • 1238: Valencia wurde endgültig von Christen erobert: König Jaime I (Katalanischer König)
  • Mauren wurden unterdrückt, ihre Moscheen vernichtet, mussten das Land verlassen
  • in Valencia wurden Mauren geduldet, sofern sie nicht offiziell den Islam praktizierten
  • Eroberung abgeschlossen etwa im Jahre 1450
  • 1609: alle Muslime und Juden wurden komplett aus Spanien ausgewiesen, Juden hatten in Spanien ihr „geistiges Zentrum“ – Wirtschaft, Wissenschaft, Künste, Intelligenz brach zusammen
  • in einsamen Bergdörfern gab es weiterhin moslemische Gemeinden, Einwohner dieser Orte stellten sich als Christen dar, doch es gab keine Kirchen
  • 18. Jahrhundert: langsamer Aufschwung der Wirtschaft und Wissenschaft
  • 1805: Napoleon belagerte Valencia, Valencias Stadtmauern mussten weichen da Valencia größer wurde
  • Aufschwung im 19 Jahrhundert: Industrialisierung – Spanien hat sich am ersten Weltkrieg nicht beteiligt, der Handel florierte: Markthallen im Jugendstil wurden gebaut
  • 30 er Jahre: Bürgerkrieg in Spanien – Sozialistische Republik (Spanische Regierung) gegen faschistische Truppen General Francos, der heimlich von deutschen Truppen unterstützt wurde
  • 1936: Franco gewann und war bis 1974 (zu seinem Tod) der faschistische Diktator Spaniens
  • Franco ernannte Juan Carlos zum König, führte damit die Monarchie wieder ein – in der Hoffnung den autoritären Staatsstil zu bewahren, Juan Carlos allerdings unterstützte die Demokratiebewegung
  • 60 er Jahre: Landflucht, Dörfer im Landesinneren wurden verlassen, heute werden diese mehr und mehr wieder bevölkert: Telefonleitung, Kabelfernsehen werden verlegt, sollen Anreiz bieten das Landesinnere weiterhin zu bevölkern, Solaranlagen auf den Hausdächern werden vom Land finanziert

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