URLAUB IN UNGARN

Reisedauer: 7 - 10 Nächte
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      Archaische Maskerade in Mohács

      Karneval in Mohács

      Jugendliche bei der Maskerade in Mohács. Fotos: Zoltán Furák

      Unter stahlblauem Himmel ziehen schon am Morgen Scharen von Menschen in dicken Mänteln, die Mützen tief ins Gesicht gezogen, ins Stadtzentrum. Alle wollen den wilden Aufmarsch der „Buschos“ von Anfang an miterleben. Davon kann sie auch Väterchen Frost nicht abhalten.

      Es ist der siebte Sonntag vor Ostern. Um die gleiche Zeit, wenn sich im rund 1300 km entfernten Rheinland Straßen und Plätze mit Narren und Närrinnen füllen, erwachen auch die Menschen in Mohács aus der winterlichen Starre zu neuem Leben. Und sie verwandeln für einen Tag ihre beschauliche, keine 23.000 Einwohner zählende Stadt in einen brodelnden Hexenkessel.

      Wir befinden uns in Ungarn, der alten Donaustadt Mohács, deutsch Mohatsch, unmittelbar an der südlichen Landesgrenze zu Serbien und Kroatien.

      Während der Maskerade in Mohács

      Während der Maskerade in Mohács

      Das Stadtbild prägen kleine, meist nur zweigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser sowie die prächtigen Repräsentationsbauten des Rathauses und der Votivkirche am zentralen Széchenyi-Platz. Für Urlauber ein Grund den Ort auch im Sommer zu besuchen, ist die alte Autofähre, für eine 50 km lange Strecke, die einzige Möglichkeit die Donau zu überqueren.

      Zielstrebig bewegen sich Menschen aus allen Richtungen dem Hauptplatz zu, um sich dann auf dem Handwerkermarkt und in den Seitengassen wieder zu verlaufen. Ein freundlicher alter Herr mit dem leicht nach oben gezwirbelten Schnauzbart der „ungarischen Bilderbuchopas“ weiß Auskunft zu geben. Der Treffpunkt der „Buschos“ befindet sich am kleinen Donauanleger, wo Boote Horden von Narren von der zur Gemeinde gehörenden Insel herüberbringen.

      Am Treffpunkt lodern einige Feuer, dazwischen wimmelt es nur so von Maskierten. Ihre dicken, zotteligen Schafspelze haben sie sich mit einem Ledergürtel oder Hanfseil um den Leib geschnürt, woran eine dicke Viehglocke befestigt ist, die jede Bewegung lautstark untermalt. Unter den traditionell mit Stroh ausgestopften knielangen Hosen tragen sie bunte gestrickte Strümpfe und Sandalen. Manche haben ihre Füße auch in schwere Schaftstiefel gesteckt. Zu den beliebtesten Accessoires gehören sowohl riesige Holzratschen, Keulen, geflochtene Peitschen, Skelette von Widderköpfen als auch kleine mit Wein gefüllte Kalebassen.

      Beim Schminken in Mohács

      Beim Schminken in Mohács

      Das Wesentliche aber, was jemanden erst zum „Buscho“ kürt, ist die aus Weidenholz geschnitzte, mit Hörnern verzierte und nach alter Sitte mit Tierblut bemalte Maske. Manche sind sogar noch von den Urgroßvätern vererbt. Die dazugehörige Schaffellkaputze lässt jeden Hinweis auf einen menschlichen Träger verschwinden.

      Kein Wunder, dass die Menge wie Funken auseinanderstiebt, wenn eine Gruppe wilder „Buschos“ unter Getöse auf sie zustürmt. Die starren Gesichter mit den übergroßen Augen und Mündern wirken wahrlich Furcht einflößend. Ihre beliebtesten Opfer sind Frauen, die sie dann im Kreis herumwirbeln.

      Die genaue Herkunft des Mohácser „Buschogangs“ – ungarisch Busójárás – ist nicht eindeutig geklärt. Seinen Ursprung sieht man bei der balkanischen Volksgruppe der Schokazen, die zur Zeit der Wintersonnenwende mit dem „Buschofest“ den Winter austrieb. Anklänge an die heidnisch-schamanistische Glaubenswelt lassen sich auch nicht von der Hand weisen; lange Zeit war die Gegend bekannt für ihre Wünschelrutengänger. Eine weitere Erklärung liefern die Heldengeschichten liebenden Ungarn, indem sie diesen alten Brauch auf die erfolgreiche Vertreibung der Türken im Jahr 1687 zurückführen.

      Furchterregend: Karneval in Ungarn

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      Demzufolge sollen die einst auf die Mohácser Insel geflohenen Schokazen die Mücken sowie die osmanischen Eroberer satt gehabt haben. In ihrer Not seien sie mit grässlichen Masken unter viel Getöse des Nachts auf das andere Ufer übergesetzt und hätten die Türken so aus ihrer Stadt verjagt.

      Eine schöne Geschichte, aber ohne historischen Hintergrund: Die Schokazen wurden nämlich zusammen mit Serben, Kroaten und Schwaben erst nach der Vertreibung der Türken in dem derzeit nahezu entvölkerten Landstrich angesiedelt und die ersten Berichte über den Mohácser „Buschogang“ stammen vom Ende des 18. Jahrhunderts. Nichts desto Trotz wird jedes Jahr die abenteuerliche Bootsfahrt von einst nachgespielt.

      Viele Schaulustige verfolgen dann unter freudigem Johlen das Übersetzen der wilden Gesellen, als seien sie noch heute ihre Befreier.

      Vom Fähranleger ziehen die „Buschos“ und ihr Gefolge dann in einem bunten Zug zum Hauptplatz. Mit von der Partie sind geschmückte Wagen, Eselskarren, Musikgruppen, Teufelsräder und Kanonen.

      Am Ziel angekommen übernehmen sie kurzerhand das Kommando und platzieren ihre Kanonen vor dem Rathaus. Mit ungeheuerer Wucht und einem ohrenbetäubenden Donnerschlag werden immer wieder alte Stofffetzen über die Menge geschleudert. Wer sich aktiv am Vertreiben des Winters beteiligen möchte, kann an einem der vielen Stände handgefertigte Ratschen, Peitschen und sogar Masken erwerben.

      Trotz allen Lärmens hilft zum Aufwärmen jedoch nur ein Gläschen Glühwein bis schließlich der riesige Scheiterhaufen auf der Platzmitte entzündet wird. Still wird es unter den Zuschauern, wenn die Flammen vor dem dämmrigen Abendhimmel emporzüngeln und einen Funkenregen nach dem anderen produzieren.

      In der Gewissheit, dem Winter Paroli geboten zu haben, wird dann privat weitergefeiert bis der Morgen graut.

       

      Text: Anne Kotzan

      Informationen:

      Das ungarische Städtchen Mohács liegt 200 km südlich von Budapest an der Donau und ist am besten über Budapest zu erreichen.

      Termin: Der Busójárás wird jedes Jahr am Karnevalssonntag gefeiert.

      Anreise: Alle großen Fluglinien sowie auch einige Billig-Airlines wie German Wings bieten täglich Flüge nach Budapest an. Von der Hauptstadt kann man Mohács mit dem Auto bzw. Mietwagen bequem erreichen oder man fährt mit der Bahn zuerst nach Pécs, von wo es Überlandbusse nach Mohács gibt. Falls man vor Ort oder im nahen Weinort Bóly übernachten will, empfiehlt sich eine Zimmerreservierung über das Ungarische Tourismusamt vorab, da der Ort in dieser Zeit meistens schon vorab ausgebucht ist.

      Mietwagen: Außer den internationalen bekannten Mietwagenfirmen ist Fox Autorent besonders zu empfehlen. Vorbestellte Wagen werden zum gewünschten Ort gebracht, Tel. 0036-1-3829000, e-Mail: fox@fox-autorent.com, www.fox-autorent.com

      Ungarisches Tourismusamt: Bei Fragen und Reservierungen hilft das Ungarische Tourismusamt weiter, www.ungarn-tourismus.de, berlin@ungarn-tourismus.de, Tel: 030-243146-0


       
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