REISEBERICHT AUS NEPAL

Reisedauer: 7 - 10 Nächte
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      Trekking in Nepal: Helambu/Langtang - zu den heiligen Seen von Gosainkund

      Kathmandu, Durbar Square

      Kathmandu, Durbar Square

      Die Wandertouren im Helambu-Langtang-Gebiet in der Nähe von Kathmandu zählen seit vielen Jahren neben der Annapurna- und der Everest-Base-Camp-Tour zu den beliebsteten Trekking-Touren in Nepal. Wer nur zwei Wochen Zeit hat oder wem die dreiwöchigen Wandertouren zu teuer oder zu anstrengend sind, dem sei folgende Route empfohlen:

       

      Bellende Hunde, die einen nachts nicht zur Ruhe kommen lassen – das ist unser erster Eindruck von Nepals Hauptstadt Kathmandu. Der kommende Morgen entschädigt mit angenehmen Temperaturen und viel Sonne. Mitte April ist es tagsüber 25 bis 30 Grad warm. Nach einem ersten Rundgang durch den historischen Stadtkern am Durbar Square erleben wir den befürchteten Smog der 1.300 Meter hoch gelegenen Stadt nicht so schlimm wie erwartet. Der übliche asiatische Verkehrslärm (sinnfreies Hupen) ist dafür wie immer dabei.

       

      Nepal zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Seine Wirtschaft basiert auf dem Agrarsektor und wird durch wachsende Armut, Analphabetismus und unterentwickelte Ressourcen charakterisiert. Mehr als 60% der erwachsenen Bevölkerung können weder Lesen noch Schreiben. 80% der Nepalesen leben von der Landwirtschaft.

       

      Von Dunche über Gosainkund zum Laurebina-Pass

      Unterwegs nach Gosainkund

      Auf 3900 Meter unterwegs nach Gosainkund

      Tags darauf reisen wir weiter nach Dunche. Von hier startet die Trekking-Tour. Für knapp 100 km benötigt der Jeep sechs Stunden (!). Entsprechend holprig ist der Weg durch die Berge. Dunche liegt auf gut 2.000 Metern, die Unterkunft ist sehr einfach, wie auch die anderen Hütten in den nächsten zehn Tagen, die das Lodge-Trekking dauern wird. Die Route führt von Dunche über Gosainkund zum Laurebina-Pass auf 4.600 Meter. Von dort aus geht es talwärts durch den ShivaPari-Nationalpark bis in die Nähe von Kathmandu.

       

      Während anfangs der Ausstieg auf über 3.000 Meter durch wunderbare Wälder führt und die 7.000 Meter hohen schneebedeckten Berge des Langtang-Himalaya-Massivs zum Greifen nah scheinen, stapfen wir am vierten Tag bereits durch hohen Schnee. Dies macht die Wanderung so abwechslungsreich. 30 Grad in Kathmandu, bis -10 Grad in den Bergen. Wir sind eine kleine Gruppe, insgesamt zu sechst mit einem Führer und zwei Sherpas, die das Hauptgepäck tragen. Und dafür sind wir mehr als einmal sehr dankbar. Ob 5 oder 15 Kilo auf dem eigenen Rücken ist selbstredend ein gewaltiger Unterschied. Die Sherpas tragen 30 bis 40 Kilo bei vielleicht 65 Kilo Eigengewicht auf die Hütten hinauf, nicht nur das Gepäck vieler Wanderer. Denn geliefert werden muss alles zu Fuß: Holz, Lebensmittel, Geschirr, Bettzeug.

       

      Sherpas

      Gosainkund

      Gosainkund

      Gezahlt werden 20 Rupien pro Kilo nebst Übernachtung und Verpflegung. Mit 600 Rupien pro Tag (ca. 7 bis 8 Euro) ist das für nepalesische Verhältnisse kein schlechtbezahlter Job. Mit 50 Millionen Euro bringt der Tourismus etwa 30 Prozent der Devisen. Jedes Jahr reisen etwa 300.000 Menschen nach Nepal. Als Träger einer Trekkingmannschaft verdient ein Sherpa in der Regel etwas mehr.

      Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Nepal liegt bei 200 Euro, das heißt die Sherpas zählen trotz kurzer Saison von Oktober bis April zu den „Besserverdienern“. Die Sherpa sind ein tibetischer Volksstamm, der in den vergangenen 500 Jahren nach Nepal eingewandert ist. Es gibt etwa 60.000 Sherpas. Unser Respekt wächst täglich: Bisweilen sehen wir Menschen, die mit Badelatschen die Berge hinauf laufen, ein alter Mann war sogar barfuss unterwegs.

       

      Im April ist die Gegend, in der wir unterwegs sind, erfreulicherweise nicht so überlaufen, wie es uns andere Wanderer, die wir treffen, von der Annapurna-Runde berichten. Im Langtang-Gebiet sind sehr viele junge Israelis unterwegs, die Trekking und Kiffen gekonnt verbinden. Na ja, wer es mag. Wir treffen täglich vielleicht 30 bis 40 Leute, abends in den Hütten sind es in der Regel 10 bis 15 andere Gäste.

       

      Die heiligen Seen von Gosainkund

      Gosainkund

      Gosainkund

      Am vierten Tag erreichen wir die heiligen Seen von Gosainkund und genießen den spektakulären Blick über den Himalaya-Hauptkamm bis nach Tibet. Jährlich zum Vollmond zwischen Juli und August pilgern Tausende Hindus zu den Seen, um im kalten Gebirgswasser ein rituelles Bad zu nehmen. Obwohl es erst April ist, begegnen uns „heilige Männer“ aus Südindien, gekleidet in ein paar dünne orangefarbene Baumwolltücher, in Socken mit einfachen Latschen, die durch den Schnee laufen.

       

      In einem Talkessel befinden sich mehrere kleine Seen, am Ufer befinden sich einige sehr einfache Unterkünfte. Hier verbringen wir auf 4.400 Meter zwei Nächte in bitterer Kälte. Durch die fingerbreiten Spalten der Fenster weht ein eisiger Wind. Draußen herrschen Minustemperaturen, die den Weg zum eingefrorenen und eingeschneiten Stehklo zu einer ungern angenommenen Herausforderung machen.

      Die zahnstocherdicken Wände, die die kleinen Schlafkammern trennen, hätte man sich sparen können. Wenn gegen 20 Uhr das letzte Stück Holz im Ofen verglüht, wird es Zeit in den Schlafsack zu steigen. Dank Stirnlampe ist Lesen zwar möglich, aber kein Vergnügen, schnell werden die Hände kalt. Egal: Die traumhafte Landschaft entschädigt für fast alles.

       

      Surya Peak und Laurebina-Pass

      Laurebina-Pass

      Laurebina-Pass, 4600 Meter

      Am fünften Tag versuchen wir uns an der Besteigung des Surya Peak, 5.150 Meter hoch und gut zwei Stunden Fußmarsch von den Gosainkund-Seen entfernt. Bei 4.900 Meter kehren wir um, zuviel Schnee und wohl nicht der optimale Weg nach oben, wie uns unsere Sherpas im Nachhinein gestehen. Konditionell gelangen wir an unsere Grenzen uns sind uns einig: Dies ist vielleicht das anstrengendste, was wir in unseren bisherigen 40 Lebensjahren gemacht haben.

       

      Nach langer und doch kurzer Nacht geht es um sechs Uhr weiter, um durch tiefen Schnee den Laurebina-Pass zu überqueren. Gegen Mittag liegt die Kälte hinter uns. Die faszinierende Bergwelt des „Dachs der Welt“ geniessen wir nur noch aus der Ferne, dafür in T-Shirt und Shorts. Auch nicht schlecht. Glücklicherweise bleiben wir von der Höhenkrankheit verschont. Bis auf leichte Kopfschmerzen und Schlafstörungen ist alles bestens, auch das Essen hat uns nicht ernsthaft zugesetzt.

       

      Die kommenden Tage haben es noch in sich. Es geht stetig bergauf und bergab, über Geröll und Gestein, zu beiden Seiten des Weges blicken wir auf die Terrassen der Bauern, die an den Berghängen in mühevoller Arbeit angelegt wurden. Am neunten Tag erreichen wir Nagarkot auf knapp 2.000 Metern und blicken ein letztes Mal auf das überwältigende Panorama des Langtang/Helambu-Himalaya, welches sich halbkreisförmig vor der Terrasse des Hotels ausbreitet. Jetzt sind wir wieder bereit für Kathmandu – bellende Hunde hin oder her. Hoffentlich reicht die frische Luft in unseren Lungen bis zum Abflug.

       

      Fazit: Wer karge Kost und eine einfache Bleibe nicht scheut, wird durch freundliche Menschen und großartige Natur mehr als entschädigt. Wir kommen wieder - vielleicht zur Annapurna-Runde beim nächsten Mal?

       

      Mehr Informationen: www.diamir.de (Rundreisen, Termine, Preise)

       

      Text u. Fotos Stefan Raake

       


       
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