REISEBERICHE TRANSSIBIRISCHE EISENBAHN
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Lebenstraum Transsibirische Eisenbahn
Auf der Fahrt in Breschnews Sonderzugwaggon durch Sibirien. Von Irkutsk nach Moskau. Legendärer geht’s nicht: 8.000 km Eisenbahnromantik pur!
von Werner G. Stoss
„Die Eisenbahn, das ist noch so eines der letzten Abenteuer. Einmal im Leben muss man da drauf. Auf die Transsibirische Eisenbahn“ – so Schauspieler und Weltenbummler Hardy Krüger. Und Eric Newton ergänzt: „Die Transsibirische Eisenbahn ist die Bahnreise auf der ganzen Welt. Alles andere sind Peanuts.“
Mehr als 100 Jahre "Transsib“
Ob das Jahr 2001 oder 2005 als 100-jähriges Jubiläum gefeiert wird – die Auffassungen über die endgültige Fertigstellung dieser Meisterleistung der Ingenieurkunst mit 9.288 Kilometern Gesamtlänge gehen weit auseinander. Egal – der Mythos Transsibirische Eisenbahn ist auch ein Jubiläum über einen Zeitraum von 5 Jahren wert! Mit dem Einsetzen einer höheren politischen Stabilität für die Touristik in Russland und China können wir uns guten Gewissens für dieses grandiose Bahnabenteuer entscheiden.
Es ist möglich auf verschiedenste Art diese Zugfahrt zu erleben. Individuell können wir unseren eigenen Fahrplan zwischen Moskau und Wladiwostok zusammen stellen und entscheiden dann selbst, an welchen Stationen wir die Fahrt unterbrechen wollen. Die Fahrt in diesen Regelzügen ist eigentlich mehr für robuste Reisende geeignet, denn meist sind die Wagen überheizt, bereits 15 Minuten vor Eintreffen auf den Bahnhöfen werden die Toiletten abgesperrt und uns überraschen auch andere für uns ungewohnte Praktiken. Dafür taucht man aber ein ins „pralle russische Leben“ und schließt Wodka-selige Freundschaften…
Für weniger geübte Reisende, vor allem ohne russische Sprachkenntnisse, eigenen sich dann eher Kleingruppenreisende in solchen Regelzügen. Diese Fahrten sind besonders authentisch und besonders nah‘ an Land und Leute.
Wir aber entscheiden uns für eine spezielle Sonderzugreise mit dem „Zarengold“ – vom Baikalsee im fernen Sibirien bis nach Moskau. Diese Reiseart ist besonders sicher, interessant und komfortabel. Und mit dieser Streckenwahl bringen wir den Langstreckenflug am Anfang hinter uns und reisen anschließend gemütlich und entspannt nach Westen. Der Zug besteht aus zwei unterschiedlich ausgestatteten Waggons: Vorne die Nostalgiewaggons und nach dem stilvollen Speisewagen einige Wagen aus der Regelzug-Kollektion. In den vorderen Wagen des „Zarengold“ erwartet uns die plüschige Aura, in der die sowjetische Politprominenz in der Zeit des Kalten Krieges zu reisen pflegte. In den Nostalgieabteilen werden die Sessel ergänzt durch zwei übereinander liegende aufklappbare Betten. Jede Kabine hat eine separate Toilette und teilen sich einen Waschraum mit Dusche, während die preisgünstigeren hinteren Wagen jeweils für alle dortigen Gäste an den Wagenenden zwei Waschräume und Toiletten aufweisen.
Wir freuen uns besonders auf eine Bahnfahrt auf der stillgelegten Ur-Trasse der Transsib direkt am Baikalsee, die von den Regelzügen nicht mehr befahren wird, mit ausgiebigem Fotostopp und romkantischer Grill-Party am Ufer. Wir freuen uns aber auch auf die Kaviar- und Wodka-Proben an Bord während der Fahrt und auf die typischen Spezialitäten der „Zarentafel“ im nostalgischen Speisewagen. Auf der Strecke werden wir in den wichtigen Städten Irkutsk, Novosibirsk, Jekaterinburg und Kasan Station machen, wo die Küchencrew ihre Vorräte durch das lokale Angebot ergänzt. Unterhaltsam und informativ werden die Vorträge während der Fahrt über Kultur, Land und Leute sein, denen wir – bequem auf den Liegeflächen ausgestreckt – interessiert folgen.
Einige Worte zur Geschichte der Bahn
Die ersten Pläne für den Eisenbahnbau in Sibirien tauchen um 1850 auf. Es sind die Amerikaner, die eine solche Zugverbindung vorschlagen, um Sibirien für den amerikanischen Handel zu öffnen. Eine Verbesserung des Zugriffs auf die Rohstoffe Sibiriens und die Möglichkeit mit diesem Transportkorridor stärker am Welthandel partizipieren zu können stoßen bei russischen Politikern und Militärs auf fruchtbaren Boden. Aber auch das drastische Anwachsen der bäuerlichen Bevölkerung, welche sich einen Weg nach Osten sucht, drängt auf eine baldige Realisierung. Und so machen sich 1981 mehr als 100.000 Arbeiter daran, einen ingenieurtechnischen und wirtschaftlichen Kraftakt der Superlative anzugehen. Denn die kaum vorstellbare Größe Sibiriens mit seinen klimatischen Extremen erfordert den Einsatz aller Kräfte: Gilt es doch im Osten Seen, Sümpfe, Moore, tiefe Täler und im Westen einen Durchbruch der Gebirge und eine Überquerung breiter Flüsse zu meistern. Bereits 1904 gibt es dann einen durchgängigen Schienenweg zwischen St. Petersburg und Wladiwostok mit 9.288 km Länge. Führen wir nonstop durch, wären dies 7 Tage und Nächte auf den Schienen.
Auch Sonderzüge werden heute nur noch von E-Loks und Dieselloks gezogen. Leider auch unser Nostalgiezug. Dampfloks gehören heute nur noch zur eisernen Militärreserve, darunter viele amerikanische Loks aus dem Hilfsprogramm während des 2. Weltkriegs und auch deutsche Loks aus den Reparationszahlungen. Fast alle Reisezugwagen Russlands stammen aus der DDR: Zunächst als Reparationszahlung, dann aber gegen „Micky-Maus-Währung“ (vom „großen Bruder“ willkürlich festgelegter Wechselkurs) im Rahmen des COMECON produziert.
Weiter zu Teil 2: Baikalsee, Taiga, Wodka- und Kaviarprobe...




