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Donnerstag: Fronleichnam - Festtagsstimmung und fluchende Mädchen

Andächtige Gesichter bei der Prozession

Andächtige Gesichter bei der Prozession. Fotos: Hans-Joachim Franzen

Am nächsten Morgen ging es für uns recht gemütlich los, schließlich wollten wir erst um 10.30 Uhr oben in der Stadt sein.

Bereits der Spaziergang zur Stadt hoch war ein Vergnügen. Die Sonne schien, aber brannte noch nicht vom Himmel, die Straßen und Häuser waren geschmückt.

Polizisten riegelten die Straßen ab und eine Kompanie Soldaten und Soldatinnen marschierte auf und verteilte sich pärchenweise entlang des Prozessionsweges. Auf der Plaza Zocodóver waren entlang des Prozessionsweges Stuhlreihen aufgestellt.

Für uns waren Stühle reserviert, sogar im Schatten, und so konnten wir recht bequem auf die Dinge warten, die da kamen. - Für mich als Protestant war es die erste Prozession, die ich erlebte. Zwar kannte ich Fotos und Filmaufnahmen, trotzdem ist das hautnahe Erleben immer noch etwas ganz anderes.

Monstranz

Die Monstranz

Das farbenfrohe Geschehen wurde durch Aromen von Kräutern wie Lavendel, Rosmarin und Salbei und vor allem die erwartungsfrohe Stimmung der Menschen noch verstärkt, ebenso durch die salbungsvollen Ansprachen und die kirchlich-festliche Musik, die über Lautsprecher, für Spanien untypisch, mit moderater Lautstärke das Geschehen begleitete. Um 12 Uhr, mit nur einer Stunde Verspätung begann die eigentliche Prozession.

Wir waren mitten im Geschehen, da unsere Stuhlreihe die letzte war und hinter uns viele Menschen standen, in unserem Fall ältere Damen, die bereits seit Stunden hier warteten. Da ein Stuhl unserer Gruppe unbesetzt blieb, konnten wir einer der Damen einen Sitzplatz verschaffen, was uns natürlich die Sympathien der Umstehenden einbrachte. Fünf Meter weiter musste sich allerdings Frau Montserrat Cañamero Lopez das pausenlose, recht unflätige Gefluche zweier junger Mädchen anhören.

Szene während der Prozession

Szene während der Prozession

Neben den ergriffenen Gesichtern der Prozessionsteilnehmer war die permanente Arbeit der Damenhände im Publikum, die die kunstvollen Fächer betätigten, irgendwie witzig anzuschauen: Spanien wie aus dem Bilderbuch.

Der Höhepunkt der Prozession, das würdevolle Vorbeitragen der Monstranz, war auch gleichzeitig ihr Ende und so erhoben wir uns von unseren Plätzen und stürzten uns in die Menschenmasse. Alle Zuschauer und Teilnehmer strebten gleichzeitig zu ihren jeweiligen Zielen, was stellenweise zu einem unbeschreiblichen Gedränge führte. Irgendwann hatten auch wir unser Ziel, den Bus, der außerhalb der Stadt parkte, erreicht und fuhren schnell ins Hilton-Hotel etwas außerhalb der Stadt. Das erst zwei Jahre alte Hotel befindet sich in den Gemäuern eines Palastes aus dem 16. Jahrhundert und liegt nur fünf Autominuten von der Altstadt entfernt. Das Luxushotel bietet speziell in den Sommermonaten erstaunlich günstige Angebote, da die üblichen Geschäfts- und Messegäste in dieser Zeit fehlen, ideal für alle, die nicht nur Toledo kennenlernen möchten, sondern auch den Spabereich des Hilton-Hotels ausgiebig nutzen möchten.

Blick vom Hilton Hotel in Richtung Toledo

Blick vom Hilton Hotel in Richtung Toledo

All dies erfuhren bei einer Hotelführung bzw. konnten dies bei einem Besuch im Spa- und Wellnessbereich selber erleben. Danach ging es ins Hotel-Restaurant zum Lunch, bei dem wir uns von der Qualität der Küche überzeugen sollten.

Allerdings war die Mehrzahl unserer Gruppe nicht restlos begeistert: Das Vorspeisenbufett war zwar okay, wies aber keine echten Highlights auf, der Thunfisch zum Hauptgang war etwas trocken und nur die Desserts überzeugten wirklich. Eine echte Überraschung war allerdings das hoteleigene Museum.

Ein kleines Museum mit großen spanischen Meistern aus den letzten 400 Jahren. Einfach überwältigend. Damit war unser Besuch beendet und wir machten uns auf den Weg zurück in unser Hotel Hesperia.

Im Museum des Hilton

Im Museum des Hilton

Abends war dann ein weiterer kleiner Stadtbummel angesagt, vor allem deshalb bemerkenswert, weil viele der berühmten Innenhöfe Toledos geöffnet hatten; Innenhöfe, die normalerweise für Besucher geschlossen bleiben. Anschließend ging es in das Fünf-Sterne-Hotel Palacio Eugenia de Montijo zum Essen.

Das angeschlossene Restaurant servierte angenehm unaufdringlich und freundlich ein sehr leckeres kleines Menü bestehend aus einem Salat mit Ziegenkäse und Entenfilet, Kartoffelpraline und Lachs auf Tomatencoulis und einem kleinen Dessertteller.

Vor allem der aromatisch-saftige Lachs begeisterte absolut alle Reiseteilnehmer, so dass sich eine andächtige Stille ausbreitete: Etwas, das auf einer Pressereise sehr selten vorkommt!

Das leichte Menü war das Richtige für den Abend, sehr lecker, genau die passende Menge und auch die Weine passten gut dazu. Hinterher wurde noch ein Kaffee gereicht und ich ließ mir einen 1982er Bas-Armagnac in der stilvollen Hotelhalle schmecken.

 

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