FERNWANDERWEGE - TIROLER HÖHENWEG
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Tiroler Höhenweg - der Weg neben den Wegen
Es ist noch möglich, ein großes Stück Tirol für sich alleine zu haben.
Der Tiroler Höhenweg beginnt und endet in den touristischen Zentren Mayrhofen und Meran - und dazwischen liegen 130 Kilometer einer atemberaubend schönen, oft beeindruckenden und fast immer einsamen Bergwelt. Viele Etappen der Elf-Tage-Tour sind nie so recht "in Mode" gekommen. Der Wanderer nimmt's erstaunt zur Kenntnis - und genießt es. Denn die "vergessenen" Winkel stehen den Tourismus-Magneten in nichts nach. Bergregionen unterschiedlichster Charakteristik ziehen an dem Wanderer vorbei, so als ob sie sagen wollten: "Schaut her, was wir alles haben".
Das beginnt mit den Eisriesen der Zillertaler Alpen und den dunklen Bergen des Alpenhauptkamms. Das geht weiter mit den bleichen Dolomit-Zacken der Tribulaune. Und das endet erst mit dem Abstieg durch die Apfelgärten Merans, nach weiteren fünf Tagen über die hohen Wandergipfel entlang des Passeirer Timmelstals und durch die seenreiche Texelgruppe.
Neu ist der Tiroler Höhenweg und so neu auch wieder nicht. Mehr als zwei Jahre haben die Verantwortlichen auf beiden Seiten der österreichisch-italienischen Grenze an der Wegführung getüftelt, bestehende Wege kombiniert, neue Wege eingerichtet. Was herausgekommen ist: Ein Wanderweg europäischer Dimension (und auch gefördert von der EU), der in seiner Eigenart ein neues Kapitel im großen Führerbuch der Fern- und Weitwanderwege darstellt.
Die Streckenbilanz ist nüchtern: 130 Kilometer Wegstrecke, 9000 Höhenmeter im Aufstieg und 10.000 Höhenmeter im Abstieg, knapp zwei Dutzend Gipfel, Scharten und Joche. Die "Erlebnis-Bilanz" dagegen sieht ganz anders aus: Die empfohlene, durchgängig und einheitlich markierte Wegführung beginnt in Mayrhofen im Zillertal und führt über Schlegeisspeicher, Pfitscher Joch, Landshuter Europahütte und Wolfendorn zum Brennerpass. Ihn kann man meiden oder - mutiger - sein spannendes Schicksal bewusst kennenlernen. Weiter geht's über die Joche nach Obernberg und zu den Tribulaunen (Hier - und nicht in den Dolomiten - hat der französische Geologe Dolomieu übrigens das nach ihm benannte Gestein entdeckt.)
Fast immer zwischen 1 600 bis 3 000 Meter Höhe
Die Berge von innen sehen: Zu einem Rasttag laden die Etappen vorbei an den ausgedehnten, geschickt restaurierten Bergwerksanlagen im Ridnauntal und am Schneeberg ein, bevor der Weg sich nach Süden wendet und zwischen Ötztaler Alpen und Passeier Tal der Texelgruppe und weiter Meran zustrebt.
Der Weg bewegt sich fast immer zwischen 1600 und 3000 Metern Höhe. Es gibt fünf Hütten-Übernachtungen und fünf Übernachtungen in kleinen Talorten. Das zeigt, dass der Tiroler Höhenweg nicht nur im Rahmen einer alpinistischen Großunternehmung begangen werden kann. Eine ganze Reihe Zu- und Abstiegsmöglichkeiten machen es möglich, Einzeletappen auszuwählen. "Hintertürchen" zu einzelnen Etappen sind unter anderem: der Brennerpass und das Obernberger Tal, Pflerscher Tal und Ridnauntal, Passeirer Timmelstal und Pfelderer Tal.
Doch wer sich das ganze Erlebnis Tiroler Höhenweg gönnen möchte, sollte sich mindestens elf, besser zwölf oder 13 Tage Zeit nehmen. Der gesamte Weg ist ein Wanderweg - auch wenn auf einigen Etappe bis in den Sommer hinein Schneefelder zu finden sind (Grödel oder Leichtsteigeisen!) und das eine oder andere Drahtseilgeländer ausgesetzte Pfade sicherer macht. Höhenweg-Aspiranten müssen die nötige Kondition haben, trittsicher sein und mit der Karte umgehen können. Dann macht der Höhenweg am meisten Spaß. (In den nächsten Monaten wird es übrigens eine eigene "Kompass"-Karte "Tiroler Höhenweg"geben.) Ganz Ambitionierte können dann auch einzelne Etappen verlängern, weitere Gipfel mitnehmen oder die Tribulaun-Etappe mit Klettersteig oder Kletterroute würzen.
Einer, der an den Tribulaunen Klettergeschichte geschrieben hat, ist der Sterzinger Bergführer Hanspeter Eisendle. Der Extrembergsteiger und Ausnahmekletterer ist begeistert vom Tiroler Höhenweg. Eisendle schätzt die Einsamkeit der Touren, die Ruhe des Weges neben den Wegen. Und er hat noch einen ganz persönlichen, tiefen Bezug zu diesen Wegen: "Das sind die Berge, die ich als Kind oder Jugendlicher mit dem Rad erreichen konnte und erkundet habe.", sagt Eisendle, "immer dann, wenn es zu Hause zu eng geworden ist..."


