REISEBERICHTE ASIEN - URLAUB IN INDONESIEN

Suchen und buchen - Aktuelle Angebote Indonesien/Bali 

Banana Pancake - der lange Weg nach Sumatra

von Stefan Raake


Die Fernlust war wieder einmal groß, die Rucksäcke längst geschnürt und die Flugtickets gekauft. Eine Reiseroute war bereits lose abgesteckt. Uns hatte schlicht, einmal mehr, das Reisefieber gepackt.


Die Kulisse von Singapur. Fotos: S. Raake

Der erste Eindruck der Stadt am südlichsten Zipfel des asiatischen Kontinents ist gar nicht so asiatisch: Shopping-Center, gläserne Hochhäuser und Schnellstraßen prägen das Stadtbild von Singapur. Parallelen zu deutschen Großstädten drängen sich auf. Von den alten malerischen Stadtteilen ist nur wenig übriggeblieben. Was noch an ein- und zweistöckigen Gebäuden im Stadtzentrum steht, wird nach und nach abgerissen. Der Verlust der Identität ist spürbar.


Die kleine Halbinsel an der Südspitze Malaysias benötigt jeden Quadratmeter Boden, denn wachsen kann Singapur nur noch nach oben. Der Expansionsdrang wird mit dem Verlust von so manchem erkauft, was ein Europäer vielleicht mit Asien verbinden mag. In den Anlagen der U-Bahn ist essen, trinken und rauchen verboten. Zuwiderhandlungen werden mit 500 Singapur $ (etwa 250,- €) geandet. Die Produktion von Kaugummi ist den Fabriken untersagt.

 

Holzhütten auf Bintang

Unsere Suche nach dem in Reiseprospekten beschworenen Idealbild - unberührte Landschaft, »natürliches« Leben (»Mit der Bambushütte auf Du und Du«) - welches letztlich natürlich nur ein stereotypes Bild der asiatischen Lebensweise vermittelt, bleibt fürs erste unerfüllt. Zwei Tage Singapur reichen uns dann auch. Von unserem eigentlichen Reiseziel, Sumatra, der fünftgrößten Insel der Welt, trennt uns nur noch die Straße von Malakka. Sie ist schon seit Jahrhunderten wichtiger Seehandelsweg und stark befahren. Was nicht heißt, dass die Fähre nach »drüben« auf uns wartet, denn eine direkte Verbindung zwischen Singapur und Sumatra gibt es zumindest für Touristen nicht.

Zuerst führt uns die Reise zu den Inseln des Riau-Archipels; südlich von Singapur gelegen. Nach der offiziellen Einreise in Indonesien auf der Insel Batam fahren wir per Schnellboot zur Insel Bintang. Von deren Hauptort Tanjung Pinang soll die richtige Fähre ablegen, die uns nach Sumatra bringen wird. Aber nicht heute oder morgen, frühestens in zwei Tagen. Kein Problem für uns. Ein bekanntes Phänomen: Urlaub entspannt, die Bedeutung von Zeitmessern nimmt ab. Zeit selbst wird relativer denn je.

 

 

 

An den Stränden Bintangs entspannen wir zwei Tage. Nach dem geschäftigen Treiben in Singapur nutzen wir die Auszeit in der Bambushütte. In Äquatornähe fällt die Sonne gegen sechs Uhr nachmittags fast ruckartig vom Himmel und lässt sich die nächsten zwölf Stunden nicht wieder sehen.

 

Die Abende werden recht beschaulich. Außer ein paar Hütten, Strand, Palmen, unseren Vermietern und vielleicht zehn anderen Rucksacktouristen gibt es nicht viel in unserer Bucht. Wir sind der Idylle schon ein gutes Stück näher gekommen. Wo genau auf Bintang wir diese zwei Tage verbracht haben, werden wir wohl nie erfahren. Freundliche Einheimische haben uns in einem Minibus eine gute Stunde über die Insel gefahren. Orientierungslos in der Fremde zu sein, ist ungewohnt, aber hier zumindest nicht unangenehm.

 

 

Die Fähre vor der Überfahrt

Die Fähre soll mittags ablegen. Der Minibus kommt erst nach elf, leichte Nervosität macht sich bei uns bemerkbar. Auch der recht zügige Fahrstil unseres »Drivers« beruhigt uns nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Gerade noch pünktlich, erfahren wir, dass die Fähre noch gar nicht angelegt hat.


Erst spätnachmittags, nach diversen Cokes und Sate-Stäbchen sehen wir dann endlich eine Silhouette am Horizont. Eine Bezeichnung für das sich nähernde Objekt ist schnell gefunden: Seelenverkäufer. Wir meinen nun zu ahnen, wie sich Boat-People fühlen. Auf diesem Kahn über das offene Meer? Einen Rückzieher gibt es nicht mehr, wir haben ja schließlich bezahlt!


 

Kochen an Deck der Fähre

Wieviele Menschen auf dem »Schiff« nun letztlich Platz finden, wage ich nicht zu schätzen, voll ist es jedenfalls. Kabinen gibt es nicht, nur Hochgestelle aus Holz. Die Liegeflächen - etwa 1,90 mal 0,80 Meter groß, für zwei Personen inklusive Gepäck - sind mit PVC überzogen. Alternativ besteht die Möglichkeit, unter Deck auf dem Boden einen Platz zu ergattern. Kakerlaken und sonstige Schabentiere sind unsere treuesten Begleiter. Außer uns sind noch ein paar andere Reisende aus Europa an Bord, die sich mit der Lage ebenso schnell zurechtfinden und sich in ihr Schicksal fügen.


Die Waschgelegenheit stellt ein Eimer mit Meerwasser dar. Bei der Fahrt auf dem offenen Meer mag dies noch angenehm sein. Aber der größte Teil unserer Reise geht durch ein Flussdelta im Inneren Sumatras und das Wasser dort macht keinen sehr erfrischenden Eindruck. Bei Anbruch der Dämmerung fahren wir raus aufs offene Meer, wo wir auch die Nacht zubringen. An Schlafen ist nicht zu denken. Stunden später ein plötzlicher Ruck, einer der beiden Motoren scheint ausgesetzt zu haben. Kurz darauf legt ein anderes Boot neben uns an - wenig später können wir weiter. Es war nicht zu erkennen, was sich abspielte. Auch Piraten gibt es in der Straße von Malakka. Sie haben sich jedoch auf große Schiffe spezialisiert, viel gibt es auf dieser Kleine-Leute-Fähre nicht zu holen.

Mitreisende während der Fahrt

Einen Tag sollte die Fahrt dauern, über zwei wurden es schließlich. Froh, nach der Fahrt übers offene Meer wieder festes Land in Schwimmweite zu haben, entschädigt uns die Aussicht nur wenig. Mangrovensümpfe links und rechts des Ufers beeindrucken nur ein paar Stunden. Wirklich erstaunlich sind die Holzhütten, die vereinzelt am Ufer zu sehen sind. Hier sollen Menschen leben?


Sumatra ist trotz seiner Größe nur sehr dünn besiedelt. Haupteinnahmequelle neben der Landwirtschaft sind die Ölfelder, für die noch mehr Arbeiter benötigt werden. Doch die Indonesier verlassen nur sehr ungern ihre Heimatinsel. Auf Java, der dichtbevölkertsten Insel Indonesiens mit der Hauptstadt Jakarta, wohnen über 80 Millionen Menschen. Arbeit gibt es längst nicht für alle, aber Besiedlungsprojekte auf Sumatra scheiterten bislang dennoch.

 

 

Der Siak River

Weiter geht die Fahrt durch das Delta des Siak-Rivers, hin und wieder ist ein Bohrturm zu sehen, bis wir schließlich in den Siak selbst hineinfahren. Der zweite Abend an Bord ist schon entspannter. Wir haben uns eingelebt. Die Hitze des Tages schwindet, das langsame Dahintreiben und die Geräusche des Dschungels schaffen eine ungewohnte Atmosphäre. Ich bin lange auf Deck, schlafen kann ich auch diese Nacht nicht. Am nächsten Morgen sollen wir in Pekanbaru, dem Ziel unserer Reise, ankommen.

Noch vertrauen wir hoffnungsvoll darauf - die Angabe bewahrheitet sich nicht. Unsere Mitreisenden nehmen die Verlängerung der Reisezeit mit Gelassenheit hin. Vielleicht ist eine solche Tour nur gewöhnungsbedürftig. Früher Nachmittag wird es dann, bis wir erschöpft und duschbedürftig in der Ölmetropole landen und uns eilig nach einem Bus umsehen, der uns ins einige Stunden entfernte Bukittinggi bringen soll, wo es uns dann wirklich gefällt, und wir uns ein paar Tage erholen.

Im Nachhinein fällt das Tönen leicht: Welch einmaliges Erlebnis, lasst uns morgen noch mal zurückfahren. Für den weiteren Verlauf unserer Reise waren wir gut gerüstet; egal was noch kommen sollte. »Denk an das Boot!«, ging die Rede, wenn es später auf der Speisekarte keinen »Banana Pancake« gab oder die Unterkunft keinen Ventilator hatte. Ein Schnellboot soll es übrigens auch geben, es schafft die Strecke in zwölf Stunden; klimatisiert natürlich.


ALLE URLAUBSTHEMEN

Alle Themen
ANZEIGE
ANZEIGE
 
© 2011 Travelimpulse GmbH    Sitemap | Impressum | AGBs der Urlaub-im-web.de |  AGBs unserer Reiseveranstalter