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Unterwegs auf Sri Lanka - ein Reisebericht (II)
Am Strand
Die touristisch erschlossenen Strände zeichnen sich durch ihre Sauberkeit aus. Speziell der Süden und Südwesten sind hier sehr empfehlenswert. Der Westen und Nordwesten Sri Lankas haben da noch einigen Nachholbedarf. Der Strandabschnitt, der zum Hotel gehört, ist zwar einwandfrei, dafür gleicht der Bereich jenseits der Hotelanlage einer wilden Mülldeponie. Hier stapelt sich Plastik, Metall, totes Getier und sonstiges Strandgut, das stellenweise bis zum Himmel stinkt. Der sorglose Umgang mit dem Abfall wirkt sich in dieser Region leider auch auf die Wasserqualität aus, so dass es nicht immer eine Freude ist, Baden zu gehen. Die Wassertemperatur ist für Urlauber, die nur Atlantik – oder Mittelmeererfahrung haben, gewöhnungsbedürftig hoch und bedarf einiger Tage der Umstellung. Unbedingte Vorsicht gilt es, bei der Strömung walten zu lassen, da bei Ebbe das Wasser schon ab Wadenhöhe dazu in der Lage ist, den Badegast von den Füßen zu fegen.
Etwas verstörend kann der erste Kontakt mit dem Sicherheitspersonal sein, das bei manchen Hotelanlagen unermüdlich in Wechselschicht seine Runden um das Gelände dreht. Diese Wachleute sollen aber nicht Einbrecher und Diebesgesindel fernhalten, sondern nur gewährleisten, dass die Hotelgäste nicht von den freundlich lächelnden aber penetranten Strandverkäufern belagert werden. Spätestens am zweiten oder dritten Tag hat man sich an deren Anblick gewöhnt. Die Strandhändler werden aber nur vom Hotelgelände ferngehalten. Verlässt man das Gelände, dauert es nicht lange, bis man zahlreiche Angebote bekommt, sei es für eine günstige Garderobe oder Reiseveranstaltungen zur Erkundung Sri Lankas. Wenn man lediglich für einen Strandspaziergang das Hotel verlassen hat, kann das schnell lästig werden. Bei der Garderobe sollte man aber ruhig das Experiment wagen und sich in eine der unzähligen kleinen Privatschneidereien entführen lassen. Der erste Blick in den Katalog ist etwas befremdlich, da es sich hierbei um nichts anderes handelt, als einen tausend Seiten starken Ordner, in den die Modeseiten von Otto, Quelle und Neckermann geklebt wurden. Wenn man sich allerdings etwas aus diesem Katalog ausgesucht hat, brauchen die Schneider wenige Tage, um das gewünschte Kleidungsstück aus den gewünschten Textilien anzufertigen. Machbar ist alles vom Halstuch bis zur Abendgarderobe. Der Preis beträgt durchschnittlich ein Viertel dessen, was man zu Hause zahlen würde, und die Arbeit ist einwandfrei. Wenn man direkt zu Beginn seines Urlaubs etwas bestellt, hat man sogar noch Zeit für eventuelle Änderungen.
Erkundung der Insel
Die privaten Reiseveranstalter sollte man meiden, da man durch sein Hotel bessere, erfahrenere Tourismusführer bekommen kann. Diese zeichnen sich durch hohe Kompetenz, eine große Allgemeinbildung und gutes Deutsch aus. So kann der interessierte Reisende nicht nur die Standardinformationen über historische Bauten und Persönlichkeiten erhalten, sondern auch angeregte Gespräche über die gegenwärtige politische Situation, das Schulwesen und die Qualitäten Sri Lankas als Sport – Nation führen. Außerdem haben diese Reiseleiter gute Kontakte zu den Hotels und einzelnen Sehenswürdigkeiten, die man während einer Rundreise ansteuert, so dass man immer wieder in den Genuss bevorzugter Behandlung kommt. Besonders beeindruckend ist aber die Tatsache, dass ein solcher Fremdenführer mit einer unscheinbaren Handbewegung alle Bettler, Straßenverkäufer und Souvenirhändler zum sofortigen Rückzug bewegt. Wenn Touren unterschiedlicher Länge angeboten werden, sollte man sich auf jeden Fall für die längstmögliche entscheiden. Diese Expeditionen sind zwar mit Extrakosten verbunden, aber auf jeden Fall ihr Geld wert. Die Hotels bieten Touren für eine Gruppengröße von vier bis sechs Leuten, mit einem Fremdenführer und einem Kleinbus nebst Fahrer an. In dieser Gruppengröße lässt sich Sri Lanka sehr angenehm erkunden, da man den Reiseleiter jederzeit alles fragen kann. Mit vier Leuten lässt sich auch das Besichtigungstempo sehr gut bestimmen, da man sich nicht nach anderen Leuten richten muss. Eine schöne Möglichkeit ist die Drei – Tages – Tour, die viele Hotels anbieten.
In dieser Zeit werden die kulturell und historisch wichtigsten Sehenswürdigkeiten Sri Lankas angesteuert. Im Tour – Preis enthalten sind die Fahrtkosten für den Kleinbus, der Fremdenführer, die Eintrittspreise für die Sehenswürdigkeiten und die Übernachtung in den Hotels inklusive Halbpension. Würde man diese Tour auf eigene Faust organisieren wollen, käme man spielend auf die doppelten Kosten. Die einzelnen Etappen der Rundreise sind das Elefantenwaisenhaus, der botanische Garten, eine Ayurveda – Plantage, der Zahntempel in Kandy, die dortige Folklore – Tanz – Schule, der Sigiriya – Felsen, Adam´s Peak, die Tee – Plantagen im Hochland, Kupferschmieden, Diamantenschleifereien, eine Kokosnussplantage, eine „geheime“ Arak – (Kokosnussschnaps) – Schwarzbrennerei, die Tempelanlagen von Anuradhapura und Polonnaruwa, die bis zu 14 Meter großen Buddha – Statuen von Gal Vihara, der Höhlentempel und der Staudamm von Parakrama Samudra. Was man sich zusätzlich noch gönnen sollte, ist eine halbtägige Bootsrundfahrt über den Zimtkanal. Dieser Fluss erstreckt sich über gesamt Sri Lanka und war bis vor einigen Jahrzehnten der Haupthandelsweg der Insel. Auch eine Fahrt mit den Tuk – Tuks, den dreirädrigen Motorrädern sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man von sich behaupten möchte, auf Sri Lanka gewesen zu sein. Der Straßenverkehr macht zwar einen wilden bis mörderischen Eindruck, aber das System, dass jeder macht, was er will, keiner, was er soll und dabei alle mitmachen, scheint zu funktionieren. Verkehrsunfälle sind auf Sri Lanka sehr selten, obwohl trotz starkem Gegenverkehr in beide Richtungen regelmäßig die zweite Spur aufgemacht wird.
Umgangsformen
Sri Lanka ist nicht Europa. Der Tourist sollte sich einigen Gepflogenheiten anpassen, um nicht der einheimischen Bevölkerung sauer aufzustoßen oder sogar mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Auf Sri Lanka herrschen andere Wertvorstellungen, gerade im Hinblick auf Moral und Freizügigkeit. Die Emanzipation der Frau ist zwar auch auf Sri Lanka im Begriff sich zu etablieren, es herrscht aber immer noch eine gewisse Züchtigkeit. Paare sollten es unbedingt unterlassen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen oder anderweitig Zärtlichkeiten auszutauschen. Hand in Hand zu gehen ist kein Affront und gehört auch auf Sri Lanka zum Alltagsbild. Diese Geste ist hier nämlich nicht zwangsläufig ein Zeichen von Partnerschaft, da auch gute Freunde (männlich wie weiblich) so ihre Freundschaft demonstrieren. Ein Sprichwort auf Sri Lanka sagt: „Was immer du tust, tu es mit einem Lächeln.“ Hält man sich an diese Umgangsform, kommt man sehr viel weiter, auch bei Konflikten, als wenn man sich mit sauertöpfischem Gesicht über etwas beschwert. Man kann sehen, wie dem Srilankaner das Herz aufgeht, wenn man versucht sich seiner Welt (über die Sprache) etwas anzunähern. Dafür lege man die Handflächen zusammen, halte sie in Kopfhöhe, verbeuge sich leicht vor dem Angesprochenen und sage: „Ayubowan“...langes Leben.
Text: Klaus Schowe





