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Reisedauer: 7 - 10 Nächte
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      Apulien: Slow Food zwischen Sporn & Stiefelabsatz

      Apulien - der Fischerhafen von Trani

      Apulien - der Fischerhafen von Trani. Fotos: Manfred Flieser

      Mit malerischen Buchten, bizarren Klippen und Grotten präsentiert sich Apuliens Küste entlang zweier Meere. Weiße Städte, deren getünchte Häuser sich in Spiralenlinien auf Bergkuppen schlängeln, ragen zwischen endlosen Olivenhainen, Weizenfeldern und Rebhängen aus der Landschaft. Dass die südostitalienische Region jahrhundertelang von Griechen, Karthagern, Byzantinern, Normannen, Staufern, Spaniern und Franzosen besiedelt und kolonialisiert war, hinterließ nicht nur architektonische Spuren.

      Landgut "Cefalicchio"

      Nachdem wir uns nächst Udine mit einer "Minestra di pasta e fagioli" stärkten, hatten wir bis Canosa di Puglia noch 880 Kilometer oder acht Stunden Fahrt vor uns. Die biodynamisch bewirtschaftete Azienda, auf der Wein und Olivenöl produziert werden, ist ein idealer Ausgangspunkt für kulturelle und kulinarische Tagesausflüge.

      Das Landhotel Cefalicchio ist ein Hort zum Entspannen und Genießen

      Das Landhotel Cefalicchio ist ein Hort zum Entspannen und Genießen

      Etwa zum mit Kreideklippen gesäumten Sporn, der Gargano-Halbinsel mit Monte Sant'Angelo und Küstenorten wie Vieste, Peschici und Rodi, in die „Città Slow“ Trani, durch das Tal der Trulli nach Locorotondo und Alberobello, zum Castel del Monte Kaiser Friedrichs II oder auf einen Sprung in die „Steinzeit“ nach Matera, in die Stadt der „Sassi“ in der Nachbarregion Basilikata.

      Das von der Steirerin Kathrin und ihrem Mann ivio Colapinto – beide sind Absolventen der Slow Food-Universität für gastronomische Wissenschaften – geführte Landhotel Cefalicchio ist aber auch ein Hort zum Entspannen und Genießen.

      Entspannen und Genießen in stilvollen Suiten, an liebevoll gedeckten Tischen, im Schatten alter Pinienbäume im herrschaftlichen Park, oder auf der Terrasse mit herrlichem Rundblick oder am Pool, bei Spaziergängen durch die Reblandschaft, Olivenhaine und den hauseigenen Biogarten, bei Kochkursen, während Kellerführung mit kommentierter Weinverkostung, im Hammam bei Ölivenöl-Massagen, einem Weintherapie-Bad oder bei Jogaübungen.

      Haupthaus des Guthofs Il Frantoio

      Haupthaus des Guthofs Il Frantoio

      Als Domizil zum Erkunden der Schätze am Stiefelabsatz, empfahl uns Livio die etwa 160 Kilometer südlich von Canosa gelegene Masseria "Il Frantoio".

      Masseria "Il Frantoio"

      Der spanische Einfluss des im 16. Jahrhundert zwischen Bari und Brindisi erbauten Gutshofes lässt sich nicht leugnen. Seit 1990 bewirtschaften der Aussteiger Armando Balestrazzi und seine Frau Rosalba – eine begnadete Köchin – das Biolandgut. Nach und nach haben sie es zu einem der besten Agriturismo-Betriebe Italiens ausgebaut. Mit einem Fiat 1100 Baujahr 1948 führt uns der Patrone durch Haine mit über 2600 Olivenbäumen, die hier bereits seit mehr als tausend Jahren wurzeln. An die zwanzig verschiedenen Arten, jeder Baum für sich eine eigene Persönlichkeit. Auf den Wiesen wachsen Wildkräuter für die Küche, um die Gebäude gedeihen Gemüse und Zitrusfrüchte. Von hier sind es nur fünf Kilometer nach Ostuni.

      Masseria Il Frantoio - der Fiat 1100

      Masseria Il Frantoio - der Fiat 1100

      Wegen ihrer weiß gekalkten Häuser trägt die Stadt den Beinamen „Città bianca“. Nach knapp eineinhalb Stunden Fahrt erreicht man die Stadt Lecce mit ihren üppigen Barockbauten. Weiter über San Cataldo, vorbei an pittoresken Felsriffen, führt die Küstenstraße nach Santa Maria di Leuca, dem südlichsten Punkt Apuliens, wo die Adria und das ionische Meer aneinander treffen.

      Der Geschmack Apuliens

      An der Küste überwiegt naturgemäß die Fischküche. Die regionaltypischen Gerichte im Landesinneren wurzeln in der Armeleuteküche von anno dazumal. Aufgrund des trockenen Klimas beschränkte sich die Tierhaltung hauptsächlich auf Schafe, Ziegen und Geflügel.

      Masseria Il Frantoio - Kellerabgang

      Masseria Il Frantoio - Kellerabgang

      Altüberlieferte Speisen aus Innereien von Lamm und Kitz erinnern an das alte Griechenland, wo Menschen nur die Eingeweide, der den Göttern geopferten Tiere aßen.

      Mit vielen Sonnenstunden gesegnet, gedeihen hier alte Getreidesorten sowie eine Vielfalt an treibhausfreien Obst-, Gemüse- und Kräutersorten.

      Kathrin und Livio vom Landgut "Cefalicchio", die "Il Frantoio"-Besitzer Rosalba und Armando sowie diverse von Slow Food empfohlene Gastronomen bescherten uns köstliche Einblicke in die lokale Esskultur zwischen dem Sporn und Stiefelabsatz.

      Zum Frühstück mit hausgemachten Marmeladen aus eigenem sonnengereiften Obst, luftgetrocknetem Schinken, einem Sortiment aus frischen und gereiften Schaf- und Ziegenkäsen, dazu das knusprige Altamura-Brot.

      Gebackene Artischocken auf Kichererbsenpüree

      Gebackene Artischocken auf Kichererbsenpüree

      Mittags und abends überraschte man uns mit bis zu zwölf Antipasti: Mit eingelegte Oliven und getrocknete Tomaten, Focaccia, in Süßwein gegarte Artischocken mit Wildzwiebeln und Orangenhonig, Stockfischterrine mit gratiniertem Fenchel, pürierte Carpino-Saubohnen mit Chicorée, gebackene Artischocken auf Kichererbsenpüree, gefüllte Auberginen, grüne Spitzpaprika und Gargano-Pilze, gegrillte Lammrippchen auf marinierten Wildkräutern, Prosciutto und Salame di Martina Franca, Ricotta forte aus Ziegenmilch, dazu im Holzofen gebackenes Brot und Taralli, das apulische Gegenstück zu Grissini. Als regionaltypische Nudelgerichte überzeugen Orecchiette, Cavatelli und Strascinati, aus Grano arso (eine alte Getreidesorte) je nach Jahreszeit mit Cime di Rapa (Stängelkohl), Wildspargel, Hülschenfrüchten, Tomaten und Ricotta, Kaninchensugo oder Meeresfrüchten.

      Orecchiette mit Cime di Rapa

      Orecchiette mit Cime di Rapa

      Einige Beispiele für Secondi: mit Wildkräutern geschmorte Lammkeule, "Gnumarieddi" oder "Turcinieddhi" (im Speckmantel gegrillte Innereien von Lamm oder Kitz), Kaninchenbraten gefüllt mit wildem Fenchel und Oliven, "Brasciola alla barese" (in Tomaten geschmorte Pferdefleischroulade gefüllt mit Pecorino, Knoblauch, Petersilie und Speck), geschmorter Oktopus, Barsch in der Kartoffelteigkruste und andere Fischgerichte je nach Tagesfang.

      Käseliebhaber fragen nach dem aromatischen Caciocavallo Podolico del Gargano, höhlengereiften Pecorino und Caprino und begleiten diese mit Honig und harmonierenden Konfitüren.

      Zum süßen Finale erfreuen Crostate gefüllt mit Obst, Ricotta, Mousse all’ arancia, eine Zitronencremetorte oder Mandelgebäck mit einem Gläschen "Rosolio di Foglie Ulivo", ein bei "Il Frantoio" hausgemachter 50-prozentiger Olivenlikör.

      Dessert mit Olivenlikör

      Dessert mit Olivenlikör

      Zu den Speisen korrespondieren in erster Linie Weine der drei großen autochthonen roten Rebsorten Primitivo, Negroamero und Nero di Troia sowie die weißen Sorten Moscato di Trani, Bombino Bianco und Fiano.

       

      Fazit

      Ein wunderbares Stück Italien, Gastfreundschaft in Slow Food-Manier, herzliche Gastgeber, freundliche, motivierte Mitarbeiter, hervorragendes Essen und Trinken, Wohnen anstatt nur Übernachten und ein ausgesprochen ehrliches Preis/Leistungsverhältnis. Wenn man nicht nur wegen eines Badeurlaubs nach Apulien aufbrechen will, eigenen sich die Vor- und Nachsaison dafür bestens. Wer unseren Spuren folgen will, sollte nicht gerade auf Diät sein.

       

      Text und Fotos: Manfred Flieser

       

      Die alte Küche im Landhaus Cefalicchio

      Die alte Küche im Landhaus Cefalicchio

      Kontaktadressen

       

      Cefalicchio Country House

      Contrada Cefalicchio SP 143, km 3

      Canosa di Puglia

      Tel. +39-338/1416526

      www.cefalicchio.it

       

      Masseria Il Frantoio

      S.S. 16 Km. 874

      Ostuni

      Tel. +39-0831/330276

      www.masseriailfrantoio.it

       

      Trulli in Alberobello

      Trulli in Alberobello

      1000-jährige
      1000jährige Olivenbäume
      Alte Ölmühle
      Alte Ölmühle
      Küste bei Gargano
      Küste bei Gargano

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