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Budapest: Schloss Gödöllö - lebendige Geschichte

Adventsmarkt in gediegenem Ambiente. Fotos: Dagny Riegel
Wenn einem frostige Temperaturen in Budapest den Aufenthalt in Innenräumen nahe legen, ist das Sissi-Schloss ein wunderbares Ausflugsziel. Nach einer knappen Stunde Fahrt gelangt man zum Schloss Gödöllö, nordwestlich von Budapest.
Rosa-Weiß finde ich eine sehr gelungene Farbgebung für ein Sissi-Schloss, das gerade zwischen kahlen Bäumen und vor neblig-weißem Himmel steht. Außerdem ist es architektonisch bei weitem nicht so überreich geschmückt, dass man Angst haben muss, bei Berührung fest zu kleben.
Nach ein paar balancierten Fotos von der frostigen Auffahrt aus, sehen wir uns den Adventsmarkt im Innern an. In den hellen Räumen der unteren Etage kann man im Warmen eine Menge handgefertigter Dinge zu sehr günstigen Preisen kaufen. Handwerkskunst von gemütlich-bodenständigen Keramiktassen und –schalen über filigrane Glas-Dekostücke bis zu Unmengen säuberlich gefertigter Häkeldecken, Blau-Weiß-Stoffen und Spitzenblüschen.
Auch Lebensmittel wie ungarischen Honig oder Gebäck findet man. Wer etwas über Produktion oder Wert erfahren möchte, braucht sich oft nur näher am Stand umzusehen und wird freundlich aufgeklärt.

Helle, freundliche Gänge im Schloss Gödöllö
Die Führung durch das Schloss ist sehr plastisch und unterhaltsam; in gutem Englisch erzählt ein junger Mann eine Menge Anekdoten, die sich mit der Residenz und ihren ehemaligen Bewohnern verknüpfen.
Wir erfahren, dass der große Kronleuchter, an dem wir direkt zu Beginn in der ersten Etage vorbeikommen, 200 Kilogramm wiegt – und dass er wohl deshalb im Krieg nicht verschwunden ist, wie man sagt.
Von der Ausstattung der Sissi-Gemächer lassen sich Rückschlüsse auf die Vorlieben der Kaiserin ziehen. Die edlen Tapeten sind in kräftigem Violett gemustert, der Lieblingsfarbe Elisabeths. Welche Blume mochte sie am meisten? Das Veilchen, wer hätte es gedacht?! Und wenn Sissi der Sinn nach Eiscreme stand, gab es vom Café Gerbeaud Veilchen-Eis für sie. Eine traurige Vorstellung, dass diese Frau nach dem Tod ihres Sohnes neun Jahre ausschließlich Schwarz trug.
Gar nicht nach Trauer oder stiller Noblesse klingt dagegen die Musik, die die ganze Zeit in diesem Trakt zu hören ist. Langsam wird sie lauter, wir scheinen uns ihrer Quelle zu nähern. Als der Schlossführer abbiegt, gehen wir ihr schnell auf die Spur. Hinter einer enormen Flügeltür hampelt ein mächtig bunter Clown herum – unter dem Gejohle von etwa 80 Kindern. Jetzt muss auch noch ein Papa mit Sprössling auf die Bühne und mittanzen. Schloss Gödöllö bietet eine Menge verschiedener Gelegenheiten, sich zu amüsieren.

Das lange verschollene Schlosstheater. Fotos: Dagny Riegel
Eine andere Entdeckung möchte man uns jetzt einige Meter Gang weiter zeigen. Völlig unerwartet wurde im Zuge der Renovierungsarbeiten vor einigen Jahren das Schlosstheater wiederentdeckt. Da es um Laufe der Zeit in mehrere Räume unterteilt und damit zur Unkenntlichkeit entstellt wurde, erforderte die Rekonstruktion viel Geduld.
Mittlerweile kann man sich aber die Spielstätte aber wieder fast im Original ansehen. Sogar die Kulissen-Maschinerie wurde in Holz der alten nachempfunden; trotz des erheblichen Aufwands in Erstellung und Bedienung.
Wo heute dank des elektrischen Lichtes alles bestens betrachtet werden kann, mussten früher die Schauspieler weiß geschminkt werden, damit ihre Gesichter auch von weiter hinten noch ausgemacht werden konnten. Zudem galt es natürlich aus dem gleichen Grund, Gestik und Mimik reichlich zu übertreiben.
Optimiert wurde die Sicht übrigens für die Empore; von dort aus stimmt auch die Perspektive der aufgemalten Säulenoptik in Weiß-Rosa mit Goldkanten.
Fotos in den Gängen führen den arbeitsaufwändigen Weg zu dem öffentlich zugänglichen Schlosstrakt vor Augen, wie man ihn heute wahrnimmt. In Kleinstschritten wurde alles restauriert und möglichst bis ins Detail so rekonstruiert, wie es ursprünglich war.
Bis jetzt ist allerdings erst rund ein Viertel der riesigen Schloss-Anlage in diesem Zustand. Je nachdem, wo man aus dem Fenster sieht, kann man sich einen Eindruck von den restlichen 75 Prozent machen. Erschreckend vor sich hin modernd nehmen sich die anderen Gebäudeteile aus; man käme nicht auf die Idee, es könnte sich um dasselbe Anwesen handeln.
Schloss Gödöllö, Grassalkovich Kastely, 2100 Gödöllö
Tel.: +36 (28) 410 124, www.kiralyikastely.hu
