URLAUB IN GROSSBRITANNIEN - SCHOTTLAND
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Urlaub für Wetterfeste - "On Tour in Scotland"
Wer raue Natur erleben will, für den ist ein Urlaub in Schottland genau richtig. Der nördliche Teil Großbritanniens bietet, was viele gerade in unserer hektischen Zeit suchen: Stille, Abgeschiedenheit und Natur, ein Eldorado für Aktivurlauber. Aber auch Städtetouristen kommen in Schottland auf ihre Kosten. Für Tradition und Historie ist Edinburgh ein gutes Reiseziel und wer es modern, jung und quirlig mag, sollte Glasgow kennen lernen.
Wer sich dazu entschließt, sollte sich vorbereiten: auf Wetter ungemütlicher Art. Allgemein gilt: Verlassen Sie sich auf die Wechselhaftigkeit desselben und nehmen Sie vorsichtshalber einen Regenschirm mit.
Wir hatten Glück mit dem schottischen Hauptstadtwetter: Edinburgh im Frühling hat viele sonnige Momente, die diejenigen, die dort leben und die, die dorthin reisen, gern hervorheben. Und wenn es schön ist, macht die Erkundung der altehrwürdigen Stadt am Firth of Forth doppelt Spaß. Wenn man nur einen Tag Zeit hat, diese Stadt in Augenschein zu nehmen, ist eine Rundfahrt genau das Richtige. Danach ist Tradition angesagt, beim Gang über steinaltes, geschichtsträchtiges Pflaster: Vom Edinburgh Castle bekommt man einen herrlichen Überblick über die Stadt. Eine andere wesentlich jüngere Touristen-Attraktion ist "The Real Mary King`s Close". Heute unterirdische Gewölbe geben dem modernen Besucher eine Idee vom Leben im Edinburgh von einst. Die eigene Fantasie spielt bei dieser Führung eine große Rolle. Vorteil der Tour unter Tage: Man bleibt in jedem Fall trocken.
Den Spaß an der Erkundung der New Town sollte man sich trotzdem nie durch die Unbill des Wetters verderben lassen.
Das gilt auch für Glasgow, Schottlands größter Stadt. Mit 750.000 Einwohnern zeigt sich diese City von der herzenswarmen Seite. Ihre Einwohner sind es, die diese Stadt zum Erlebnis werden lassen, wenn wettermäßig eigentlich nichts mehr geht.
So strebten wir zum Beispiel an einem verregneten Sonntagmorgen zu unserer Sightseeing-Tour. Zu spät allerdings – der Bus kam uns bereits entgegen. Doch zum Glück wurde er von einem aufmerksamen und freundlichen Tour-Busfahrer gelenkt, der mit Kennerblick erriet: Die tropfenden Gestalten, die zu morgendlich früher Stunde mit enttäuschter Miene am Straßenrand stehen, müssen Touristen sein, und – er hielt! Einfach außerplanmäßig am Straßenrand. "Where do you come from?", war gleich die erste Frage nach dem Einsteigen. "Germany? Ah, I`ve been there! In Frankfurt, Erfurt, Leipzig and …"
Und schon ist man angekommen bei der vielgerühmten Herzlichkeit der Glasgower. Unser Fahrer heißt Graeme und chauffiert uns durch die City, während seine Kollegin oben im Doppeldecker im tiefsten, rollenden Glasgower Dialekt die Stadt erklärt. Später, als Graeme im Zentrum hält, um seine Pause einzulegen, macht es ihm nichts aus, uns kurzärmelig bei neun Grad Celsius im Regen stehend (!) den Weg zum Lighthouse, dem alten Verlagshaus von Charles Rennie Macintosh mit heutiger Architektur- und Design-Ausstellung ausführlich zu erklären. Regen ist in Schottland eben eine übliche Erscheinung. Insbesondere für die Einheimischen.
Die Stadt bietet dem Kunstinteressierten verspielten Stil aus der vorletzten Jahrhundertwende: Die Einrichtung im Jugendstil in den "The Willow Tea Rooms" an der Buchanan und an der Sauchiehall Street ist sehenswert. Bei Kaffee und Chocolate-Cake kann man nach einem ausführlichen Shopping (das ist hier übrigens auch sonntags möglich!) herrlich entspannen.
Wolkenschwerer Himmel ... Typisch für den Schottland-Urlaub?
Für uns Reisende ist danach ein ungewohntes Abenteuer, mit einem Mietwagen in Richtung Norden aufzubrechen, denn Linksverkehr ist für ausgeprägte Rechtsfahrer zunächst erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber erlernbar. Kaum hat man der Stadt den Rücken gekehrt, erwarten den Reisenden Berge, Seen und Wiesen. Über allem ein wolkenschwerer, dramatisch-bewegter Himmel. Gerade der bietet demjenigen, der dieses Land bereist, eine neue Erfahrung: Ein atemberaubendes Wechselspiel von Schauern, Sonnenschein, ja sogar Regenbögen, über der weiten Berglandschaft ist etwas, das in leuchtender Erinnerung bleibt. Und ganz von selbst schleicht sich dieser Gedanke ein: Wäre Schottland ohne Wolken überhaupt genauso spannend?
Nach circa 60 Meilen Fahrt entlang der Küste durch die Region Argyll sucht man sehnsüchtig den ruhenden Pol. Den findet man versteckt hinter einem Jachthafen auf der entlegenen Insel Eilean Buidhe.
In diese stille Einsamkeit flüchteten Nick und Simone Twinn, zunächst im Urlaub vor der Hektik ihres früheren Lebens in Südengland. Erst später entschlossen sie sich hauptberuflich nach Schottland auszuwandern und eine Bed and Breakfast Lodge zu eröffnen. Buidhe Lodge bauten sie in mühevoller Handarbeit über Jahre hinweg selbst aus. Das Guest House liegt am Ufer des Loch Shuna. Allein der Blick über den See lässt Ruhe in die Seele fallen. Entspannung macht sich breit. Auf Wunsch gibt es abends ein 3-gängiges Dinner, das Simone in ihrer Küche zaubert. Danach – draußen ist die Sonne untergegangen – sitzt man in der Ledercouch, genießt einen Jura-Whisky und plaudert beim knisternden Kaminfeuer. Die Wohlfühlidylle, die uns umfängt, entpuppt sich bei Nicks Schilderungen aus dem Alltag in einem B&B-Unternehmen als stressiger 24-Stunden-Dauer-Job: Für seine Gäste müsse man rund um die Uhr da sein – auch wenn z. B. mal um Mitternacht der Fernseher streike. Im Winter, wenn keine Gäste zu versorgen seien, sei er ständig mit Reparaturen am Haus beschäftigt (was beim Wetter Schottlands seine Tücken hat – erwähnt sei nur das Streichen eines nassen Holzhauses ... ).
Nach einem guten "Full Scottish Breakfast" am nächsten Morgen bekommen wir wieder Lust auf Landschaft, auf Reisen – zu Fuß oder auf dem Wasser wäre es ideal in der Gegend – unser Reiseplan sieht das Auto vor.
Damit geht’s nach einigen Meilen vorbei am Castle Stalker, das um das Jahr 1320 auf einem Inselchen im Loch Laich erbaut wurde. Eine leicht zu verteidigende Festung einst, weil sie bei Flut nur mit dem Boot zu erreichen war. In unserer Zeit gehört die Burg wohl zu den meist fotografierten Motiven Schottlands.
Viel fotografiert werden auch die "Parallel Roads". Zu finden im Glen Roy, das als "Natural Nature Reserve" in guten Autokarten verzeichnet ist, von der A86 von Süden kommend kurz hinter Roy Bridge links ab, eine einspurige, gewundene Bergstraße hinauf – schon die Fahrt ist diesen Abstecher wert. Ein wunderschöner Blick über eine wilde Berglandschaft mit Moos- und flechtenbewachsenen Bäumen erinnert an einen märchenhaften Zauberwald. Je höher man den Berg hinauf und in das Glen hineinfährt, desto hingerissener ist man von diesem Landstrich. Zivilisation war gestern und scheint hier weit entfernt. Die Parallel Roads, aus der Ferne betrachtet, sind drei horizontale helle Linien, wie in die Bergwand gezeichnet: Geraden – vollkommen parallel zueinander. Der Sage nach wurden die Straßen von Fingal, einem alten keltischen Krieger, gebaut, um besser jagen zu können. Die Wissenschaft kam zu anderen Schlüssen: 1839 vermutete Charles Darwin zunächst den maritimen Ursprung ihrer Entstehung. Seine These wurde aber zwei Jahre später vom Geomorphologen Louis Agassiz widerlegt. Der fand heraus, dass die Parallel Roads von sich bewegenden Eispanzern in den Berg geschürft wurden. Was einst ein riesiger See war, ist heute ein grünes Tal – meist Weidefläche für friedlich grasende und Touristen entgegenblökende Schafe. Unsere Reise geht weiter, schwer können wir uns von hier trennen.
Wer den Norden Großbritanniens bereist, kommt um den Whisky und seine Herstellung nicht herum. Ein Destilleriebesuch erlaubt nicht nur Einblicke in die jeweilige Brennerei vom "Wasser des Lebens", sondern gewährt am Ende der Wissens-Tour auch meist Blicke in so manches Glas, um einen eigenen Produkttest vorzunehmen, versteht sich.
Apropos Test: Geprüft wurde auch die schottische Küche – auf Herz und Nieren – mit Leib und Seele. Ob das Seafood im "Crannog Restaurant" direkt am Wasser gelegen in Fort Williams oder das Essen im „Ptarmigan“, der höchstgelegenen Gaststätte Großbritanniens im Cairngorms Nationalpark – die Küche im Norden der Insel ist köstlich. Besser als ihr Ruf. Und ähnlich ist das mit dem Wetter.
Webseite zum Thema "Urlaub in Schottland" (englisch): VisitScotland – schottische Fremdenverkehrszentrale: www.visitscotland.com



