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Urlaub in der Provinz Nuoro - Schlösser, Strände und Korkwälder

Blick von der Burg Castello di Malaspina auf Bosa und die Mündung des Temo. Fotos: V. Hanfland

Blick von der Burg Castello di Malaspina auf Bosa und die Mündung des Temo. Fotos: V. Hanfland

Im Norden der Provinz Nuoro vier Kilometer landeinwärts im Flusstal des Temo liegt die Kleinstadt Bosa. Der Temo ist der einzige schiffbare Fluss Sardiniens. Allerdings gilt auch das nur für kleine Boote. Die Uferstraße von Bosa ist palmenbestanden, Ruhe herrscht auf den mit altem Kieselpflaster versehenen Straßen und Plätzen. Durch die Altstadt führt eine Treppe zu der von Genuesen errichteten Burg Castello di Malaspina mit Mauerring und Türmen, von wo aus man einen traumhaften Ausblick auf Bosa und die Mündung des Temo ins Meer hat.

Der bis vor kurzem vom Guinnessbuch der Rekorde als ältester Mann der Welt titulierte Schäfer Antonio Todde hat auf Sardinien in Nuoro gelebt. Todde ist 112 Jahre alt geworden und verstarb im Januar 2002, kurz vor seinem 113. Geburtstag. Er habe sich immer viel bewegt, niemals geraucht und am liebsten Pasta und Minestrone gegessen, berichtet seine Tochter über sein Leben. Zudem trank er täglich ein Glas Rotwein. Forscher der Medizinischen Fakultät von Sassari fanden heraus, dass auf Sardinien fast doppelt so viele Einwohner mehr als 100 Jahre alt werden als in anderen europäischen Ländern. Als wichtige Garanten für diese Langlebigkeit nennen die Forscher körperliche Aktivität, eine saubere Umwelt, sowie ein stabiles Familien- und Gefühlsleben. Ausschlaggebend sind nach ihrer Meinung vor allem die ausgewogenen Essgewohnheiten der Sarden. Auf Sardinien wird viel Olivenöl und Fisch verzehrt.


Korkeichen und ein Wildpferd in der Giara di Gesturi

Korkeichen und ein Wildpferd in der Giara di Gesturi

Mitten in den Bergen Sardiniens liegt die Giara di Gesturi, eine mit Macchia und Korkeichen bewachsene Basalthochfläche in deren undurchlässigen Gestein sich große Wasserflächen befinden, die selbst im Sommer nicht ganz austrocknen. Diese flachen Wasserbecken dienen neben unzähligen Ziegen, Schafen und halbverwilderten Hausschweinen den rund 1 500 in völliger Freiheit in kleinen Herden lebenden Pferden als Tränke.

Bei den Pferden handelt es sich um die verwilderten Nachkommen der Tiere aus der Zeit der Nuragher, der ersten Bewohnern der Insel.

Außerdem stammt fast die gesamte italienische Korkproduktion aus den Bergen Sardiniens. Alle neun Jahre kann die Korkrinde von den Bäumen geschält werden. Die Stämme leuchten dann rot, bis der neue Kork nachwächst.

Wandmalereien in den Bergen Sardiniens

Wandmalereien in den Bergen Sardiniens

Das wohl bekannteste Dorf der Insel – ein Ort von Blutrache, Banditen und Rebellion gegen den Staat – ist sicherlich Orgosolo. Auffällig sind die große Polizeikaserne und die vielen Murales, sogar in versteckten Seitenstraßen. Die Murales drücken aus, was die Einheimischen beschäftigt. Die politischen Wandmalereien richten sich gegen Arbeitslosigkeit, Auswanderung, die soziale Lage der Hirten, die längst nicht alle auch Herdenbesitzer sind, gegen die Diskriminierung der Sarden im eigenen Land aber auch gegen die Angst, Fremde im eigenen Land zu werden, da Militär und Hotelmultis die Insel immer mehr für sich beanspruchen. Auge um Auge, Zahn um Zahn, das galt hier in der Barbagia, dem Land der Barbaren, das von den Römern nie richtig erobert werden konnte, noch in jüngster Vergangenheit.

 

Ein großartige Panoramastraße und verträumte Buchten, die nur mit dem Boot zu erreichen sind, erwarten den Urlauber in Dorgali. Versteckt durch hohe Berge war das ehemalige Hirten- und Bauerndorf für Piraten und Sarazenen vom Meer aus nicht zu sehen. Heute findet man hier einen reinen Ferienort.

 

Sardischer Hirte auf seinem Esel

Sardischer Hirte auf seinem Esel

Auf dem Weg in das Gennargentu-Massiv, einem unregelmäßigen Gebirgskamm aus Granit- und Kalksteinklippen mit im Winter sprudelnden Wasserfällen, kann es immer wieder passieren, dass einem ein Sarde auf seinem Esel begegnet oder aber eine Schafherde die Straße blockiert, denn hier im Innern des Landes ist die karge und raue Heimat der Hirten. Vor der Motorisierung und dem Bau der Straßen blieben die Hirten oft für Wochen draußen in der Einsamkeit der Berge. Dort waren sie ganz auf sich gestellt, ihr Leben war sehr einfach und hart. Heute sind die Hirten dank Auto und Straßen nicht mehr vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, Käsereien erleichtern den Abtransport und die Verarbeitung der Milch.

 

Im Gennargentu liegt der höchste Gipfel Sardiniens, der Punta La Marmora mit einer Höhe von 1834 Meter. Das ist eigentlich nicht außergewöhnlich hoch, aber im Vergleich zum Umland wirkt die Bergwelt sehr beeindruckend. Hier kann man spazieren gehen und seinen Badeurlaub mit tollen Trekking-Touren kombinieren. Im Winter, der in dieser Gegend besonders hart und reich an Schnee sein kann, sind sogar Skilifte bei Fonni, dem höchsten Dorf Sardiniens, geöffnet.

Steil abfallende Küste auf Sardinien

Steil abfallende Küste auf Sardinien

Am Westhang des Gennargentu liegt Aritzo, ein Dörfchen, das selbst im heißesten Hochsommer eine grüne Oase mit dichten Kastanienwäldern, Korkeichenhainen, Haselnuss-Sträuchern, sowie unzähligen Obst- und Weingärten ist. Es handelt sich hier um den an Quellen reichsten Ort Sardiniens. Die Bäche sorgen im Sommer für die wohltuende Kühlung.

Zur Ostküste hin brechen die Kalkplatten des Supramonte bis 600 Meter tief ab. Deswegen sind viele Buchten hier nur in langen Tagesmärschen zu Fuß oder aber mit dem Boot über das Meer zu erreichen. Trotz zunehmender touristischer Erschließung gibt es hier noch menschenleere Ufer. Im Winter ziehen die Hirten an diesen Teil der Küste.


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