REISEBERICHTE SARDINIEN - KURZURLAUB IN PALAU
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Kurzurlaub auf Sardinien - unterwegs nach Palau
von Dagny Riegel
Der Taxifahrer redet etwas von atombetriebenen amerikanischen U-Booten, wird aber beim Sprechen immer leiser, weil er wohl bemerkt, dass wir nicht mehr richtig reagieren. Wir verstehen ihn und seine Sardinien-Einführung auf Italienisch im rumpelnden Auto also noch schlechter, und er wird noch eine Spur leiser. Als wir über diesen seltsamen Kreislauf lachen, stellt er denn auch resigniert fest, wir hätten seine Ausführungen nicht kapiert, die seien nicht lustig gewesen.
Dann kommen wir am Campingplatz an und werden mit einem kleinen Elektro-Auto zu dem Wohnwagen gebracht, den wir für eine Woche gemietet haben. Sämtliche vorherigen Witze und Frotzeleien über Zustand und Lage des Campingplatzes angesichts des unschlagbar günstigen Preises von rund 110 Euro pro Person stellen sich zum Glück als völlig ungerechtfertigt heraus. Wir atmen erleichtert auf, als wir die großzügige, grüne Terrassen-Anlage überblicken, auf der statt Disco und Animationsprogramm Zikaden und Grillen für Urlaubsstimmung sorgen.
Als Erstes gehen wir im Restaurant essen - Töpfe hätte man für den Gas betriebenen Zwei-Platten-Herd selbst mitbringen müssen, und Geschirr haben wir auch nicht. Es handelt sich ja um einen Campingplatz, nicht um eine Apartment-Anlage. Allerdings lohnt sich der Restaurant-Besuch: Die Terrasse liegt schön, oben am Hang, und man hat einen guten Blick über die vielen Bäume und die Küste. Die Speisekarte gibt es in drei Sprachen, was gute Gesprächsanlässe birgt; zum Beispiel über die freie Auslegung des Vorspeise-Begriffs, die vom Brot mit Oliven bis gebratenen Gemüse Verschiedenstes ‚Suppe’ nennt oder in Ermangelung einer direkten Übersetzung Kompliziertes einfach als ‚typisch sardisch’ beschreibt und es bei dieser knappen Erklärung belässt.
Zu den Spezialitäten der Insel gehören mit Fischcreme gefüllte Ravioli, die hier zumindest einen eher dezenten Geschmack haben, kräftiges Spanferkel und natürlich Pecorino, der sardische Schafskäse. Der Hauswein ist gut und günstig; entgegen unseren Erwartungen bewegen sich auch die Preise der schmackhaften Hauptgerichte in einem sehr akzeptablen Bereich von 6 bis 12 Euro.
Imposante Ausblicke am "Capo d’orso"
Ebenfalls entgegen unseren Erwartungen bewegen sich allerdings auch die Busse nicht mehr im Bereich des Campingplatzes. Wurden am Telefon noch mehrere Busverbindungen täglich in den nächsten Küsten-Ort angekündigt, so sagt man uns nun vor Ort lapidar, die Bus-Gesellschaft habe den Verkehr für diese Saison einige Tage zuvor eingestellt, weil nur noch wenige Fahrgäste zu verbuchen gewesen seien. Diese Tatsache sorgt für Bewegung als Kontrast zu den müßigen Stunden am Strand direkt am Platz. Palau ist rund 6 Kilometer entfernt, einen schönen Spaziergang durch die Hügel, bei dem sich tolle Blicke auf das türkisfarbene Meer eröffnen. Irgendwann zeigt sich zur Rechten auch das imposante "Capo d’orso", eine markante Felsformation, die von Wind und Wetter und Fantasie das Aussehen eines Bären erhalten hat. Man kann bis nach ganz oben steigen und ein beeindruckendes Küsten-Panorama bewundern. Der Weg ist recht solide - wenn auch nicht besonders geschmackvoll - ausgebaut, offene Sandalen sind allerdings eher dem Vergnügen anderer Touristen als dem eigenen zuträglich.
Palau: Ferien- und Fischerort
Palau ist ein kleiner Ferien- und Fischerort mit rund 3600 Einwohnern, der ein paar nette Geschäfte, Eis-Dielen und Restaurants bietet. Wegen der trubeligen Hafenstraße kann man ihn nicht wirklich als idyllisch beschreiben, er hat für einen Tages-Ausflug aber durchaus seinen Reiz und zudem einen Mietwagen- und Radverleih sowie Bus-Service und ist Ausgangspunkt für Zugfahrten ins ruhige Hinterland sowie Bootstouren bzw. Fähr-Verbindungen zu den kleinen vorgelagerten Inseln. Hier, ganz im Nordosten von Sardinien liegt der "Parco Nazionale Arcipelago della Maddalena", ein paradiesischer Naturpark aus sieben Inseln und zahlreichen kleinen Felsen. Taucher und Strandfreunde kommen hier auf ihre Kosten, sind die feinsandigen Küstenabschnitte und Felsbuchten doch von oben wie unten eine Augenweide. Wer mit einem Ausflugsboot da ist, muss sich natürlich die Strände mit vielen teilen - alle Boote scheinen zur gleichen Zeit an den gleichen Buchten anzuhalten, die sie bei ihrer Abfahrt wieder völlig leeren.
Namensgebende Hauptinsel ist La Maddalena, die mit einem kleinen Museum für Meeres-Archäologie, einer Festung und vor allem der hübschen Hafen-Stadt aufwartet. Schmucke Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen das Bild des lebendigen Ortes, der eine nette Fußgängerzone in der Altstadt hat und ursprünglich von Korsen gegründet wurde. Korsika ist teilweise in Sichtweite des Archipels und war vor Jahrmillionen durch eine Landbrücke mit Sardinien verbunden, die man vom Boot aus anhand der noch sichtbaren Felsspitzen erahnen kann.
Weitere Informationen:
www.palausardinia.com
www.capodorso.it




