REISEBERICHTE GRIECHISCHE INSELN - URLAUB AUF SAMOS

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Samos-Urlaub im Herbst - ein Reisebericht

Inselblauer Erker in der Altstadt

Inselblauer Erker in der Altstadt. Fotos: Dagny Riegel

von Dagny Riegel

 

Das Flugzeug zieht eine unglaublich enge, unglaublich schiefe Schleife hinunter zum Flughafen von Samos. Anschnallen mussten wir uns dafür nicht extra, das waren wir ja fast den ganzen turbulenten Flug über. Der Anblick auf das Meer unter, dann neben, dann irgendwie schräg über uns lässt ahnen: egal WIE man nach Samos reist, es lohnt sich. Und die Klimatabelle des Reiseführers über Samos, die untere Temperatur bei Wasser eine 24, bei Tag eine 27 und unter Regentage eine 1 stehen hat für September.

Diese Kombination verspricht, dass man das, was die Insel zur Insel macht, das Meer auch genießen kann, wenn der Sommer langsam zu Ende geht. Und Sámos selbst sowieso; das stellt nicht viele Anforderungen an die Meteorologie. Während der 40 Minuten vom Flughafen im Süden der Insel hoch nach Sámos-Stadt, der Hauptstadt, bekommen wir einen ersten Überblick über das Eiland. Es rühmt sich mit einiger Berechtigung, das grünste (und selbstredend beliebteste) von ganz Griechenland zu sein.

Tatsächlich hat auch das verstaubte Nachsommer-Grün der Kiefernwälder, Olivenhaine und Weinberge seine Schönheit. Eine andere freilich als die skandinavischen Grüns etwa, Mittelmeercharme eben. Den wissen nicht nur wir zu schätzen, wie man den oft gut erschlossenen, belebten Sand- und Kiesel-Stränden (zum Beispiel bei Kokkári) entnehmen kann.

Allerdings gibt es auch immer noch einsame Buchten, die teilweise nur zu Fuß erreichbar sind. Die Einheimischen bestreiten ihren Lebensunterhalt zu einem großen Teil mit dem Tourismus, betreiben aber nach wie vor auch noch Fischfang und Landwirtschaft vor allem Weinbau, wie die vielen Reben zeigen.

Garten-Taverne nahe der Fußgängerzone.

Garten-Taverne nahe der Fußgängerzone.

 

Der Beliebtheit entsprechend stehen in Sámos-Stadt, dem mit Pithagório und Kokkári beliebtesten Ort bei Gästen, viele Hotels aller Kategorien (beispielsweise schön zentral an der Hafenpromenade) zur Auswahl. Wobei: „Auswahl“ trifft in der Hauptsaison für Spontan-Reiser nicht unbedingt ganz zu, viele Unterkünfte sind dann von großen Reiseveranstaltern belegt. In dem Fall hilft die Touristeninformation in einer Seitenstraße nahe der Platía Pithágoras, die allerdings ihrer Öffnungszeiten wegen bis am späten Mittag aufgesucht werden sollte.

 

Auch was Essen und Einkaufen angeht, lässt der einstige Fischerort seine Gäste nicht ins Leere laufen. In der Nähe des Hafengebäudes findet man zum Beispiel ein paar nette Restaurants, die neben einheimischer Küche teils auch besonders einheimischen Blick auf das Meer haben.
Weniger Weitblick, dafür umso mehr Oasen-Charme genießt man dagegen im Restaurant „Garden“, was wohl von dem saftiggrünen Weindach und der blauweißen Holzmöbel herrührt. Als Beilage zum guten Essen gibt es hier manchmal auch griechische Musik und Folklore. Es liegt in der landseitigen Parallelstraße zu der HauptgeschäftstraßeLikourgou Logothéti.

Was gut schmeckt, sieht hier auch gut aus.

Was gut schmeckt, sieht hier auch gut aus.

 

In der Likourgou Logothéti konzentrieren sich die Geschäfte des Städtchens, die vor- und spät-nachmittags offen sind. Hier findet man Lebensmittel, Kleidung und nette Acessoires wie Ledertaschen und Schmuck.

 

Ein inseltypisches Andenken sucht man nicht lange, der braungoldene Honig oder der Samoswein sind auch außerhalb der Souvenirläden in ganz normalen, bodenständigen Lebensmittellädchen erhältlich. Beides Produkte, die noch weit in den Winter hinein Erinnerungen an die farbigen Bienenkörbe aus Holz und die sorgsam terrassierten Wein-Hänge der ägäischen Inselwelt lebendig halten werden. Und natürlich an den Einkauf konkret, an den dicken Mann hinter der Kasse mit Fischglas und den summenden Ventilator in dem kleinen, ungeschminkten Laden für alles. Vielleicht hat man ja auch das Glück, jetzt beim Abernten der berühmten Sámosrebe zuschauen und sich hinterher daran erinnern lassen zu können!

Traumparkplatz.

Traumparkplatz.

Weiter den Geschäften nach erreicht man den Hauptplatz, die vom Marmorlöwen bewachte Platía Pithágoras, die sich zur Bucht und auf die trubelige Hafenpromenade öffnet. Wer ihn überquert und der weiteren belebten Einkaufsstraße Kapetán Kataváni folgt, trifft links oberhalb des schmucken Stadtparks (bzw. –gärtchens) auf das archäologische Museum. Mit einem bloßen Darauftreffen sollte man sich allerdings nicht zufrieden geben. Es lohnt sich vielmehr, eine Weile für das bemerkenswerte Innere aufzuwenden. Im Altbau führen Funde aus dem 6. und 7. Jahrhundert vor Christus unter anderem die orientalische Beeinflussung des ostägäischen Kulturraumes vor Augen. Im neuen Gebäude stößt man auf teilweise über 2500 Jahre alte überlebensgroße Skulpturen, von denen vor allem der noch etwas betagtere Koúros von Sámos auffällt – sei es wegen seines altersweisen Lächeln oder seiner Größe von stattlichen 4 Metern 79.

Vom vorletzten Jahrhundert stammt das Bild, welches der alte Ortsteil Áno Vathí – etwa 20 Minuten weiter den Hügel hinauf – zeigt. Mit seiner verwinkelten Architektur, den schmalen Stufen-Gässchen und der Geräuschkulisse aus Familienalltagsklängen und Mofageratter hat er sich ein gutes Stück Eigenleben bewahrt. Dazu gehören auch urig karge Kafénia, in deren von einheimischen Männern, Heiligenbildern und Távli-Partien (Backgammon) bestimmte Atmosphäre man gar nicht unbedingt eindringen muss.

 


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