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Das Ruhrgebiet - Urlaub zwischen Rhein, Ruhr und Emscher

Seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO: Zeche Zollverein. Ein Förderturm wie dort ist Teil des Motivs der neuen Gedenkmünze.

Zwischen Rheinland und Westfalen, begrenzt von Rhein, Ruhr und Emscher, liegt das Ruhrgebiet. Es ist mit rund 5,4 Millionen Einwohnern die am dichtesten besiedelte Region und der bedeutendste industrielle Ballungsraum Europas. Großstädte wie Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund gehen zumeist ohne erkennbare Grenzen ineinander über. Das Autobahn- und das Bahnnetz sind die dichtesten Europas. Der Duisburger Hafen "Ruhrort" - der größte Binnenhafen der Welt - hat mit dem Rhein eine hervorragende Anbindung an die Nordsee.

 

Vor noch 250 Jahren hätte sich wohl niemand vorstellen können, was einmal aus den kleinen Orten in dem Gebiet des heutigen "Kohlenpotts" werden würde. Städte wie Dortmund und Hamm waren kleine Hansestädte. Und in Essen, Duisburg und Herne lebten wenige tausend Einwohner von Handel und Landwirtschaft. Die zusammenhängende Industrieregion Ruhrgebiet existierte noch nicht. Die Menschen fühlten sich als Rheinländer oder Westfalen. Doch gab es schon damals eine Gemeinsamkeit: Man lebte auf Kohle. Bereits seit dem 13. Jahrhundert wurde nahe der Ruhr in kleinen Zechen Kohle gefördert. Dort waren die Kohleschichten, die Flöze, schon wenige Meter unter der Erdoberfläche ohne großen technischen Aufwand relativ leicht abbaubar.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts begann mit der einsetzenden Industrialisierung ein neues Zeitalter des Ruhrbergbaus. Neue Dampfmaschinen lösten ein großes Problem: Sie pumpten das Grundwasser ab, das bisher in die unter Tage entstehenden Hohlräume eingesickert war und bis dahin eine sichere Kohleförderung unmöglich gemacht hatte.

 

 

Rhein-Ruhr-Hafen auf der Sondermarke Bund MiNR. 1558.

Die qualitativ hochwertige Steinkohle wurde in Kokereien zu Koks verarbeitet und für die Verhüttung von Eisenerz, also die Gewinnung von Metallen, eingesetzt. Das war der Beginn einer einzigartigen Liaison von Bergbau und Schwerindustrie: Kokereien und Hochöfen direkt neben den Zechen verkürzten die Transportwege. Nachfrage und Abbaumenge der Kohle stiegen stetig. 1839 wurde erstmals mehr als eine Million Tonnen gefördert, schon 1853 war es mehr als das Doppelte. Und in der Stahlbranche entwickelten sich Unternehmen wie Krupp, Mannesmann und Thyssen zu Industriegiganten, die die Geschichte dieser Region nachhaltig prägten. Um ihren Arbeitskräftebedarf zu decken, warben sie etwa ab 1880 Arbeiter aus Schlesien, Ostpreußen, Polen, Italien und anderen Ländern an. Es entstand eine besondere offene und tolerante Ruhrgebietsmentalität mit internationalem Flair, die noch heute den selbstverständlichen Umgang der Kulturen miteinander prägt.

 

In den Anfangsjahren der Bundesrepublik übernahm die Montanindustrie eine Schlüsselrolle beim wirtschaftlichen Aufbau. Ganz Europa benötigte Stahl - das Ruhrgebiet lieferte. Jahr um Jahr stiegen die Kohle-Fördermengen, die Produktion von Rohstahl wuchs zwischen 1950 und 1958 um mehr als drei Viertel. Wieder kamen viele Menschen ins Ruhrgebiet, etwa aus dem Osten Europas, aber auch Italiener, Spanier, Portugiesen und Türken. Alles in allem in den 50er Jahren fast eine Million Menschen. Dann der Schock. 1958 erschütterte eine schwere Kohle-Absatzkrise die Region. Denn neue Energiequellen wie Erdöl, Erdgas und Atomstrom machten der Steinkohle Konkurrenz. Die Kohlenhalden der Zechen wuchsen stetig. 1966 arbeiteten nur noch halb so viele Beschäftigte im Bergbau wie 1950. Die Bevölkerung bangte um ihre wirtschaftliche Existenz und ging auf die Straße. Die Bedeutung von Kohle und Stahl verblasste. Jetzt hieß es umdenken.

Wohlfahrtsmarke von 1957 Bund MiNr. 272.

Politisch wurden die Weichen für die wirtschaftliche Umwandlung einer ganzen Region gestellt. Weg von der Abhängigkeit von Kohle und Stahl, hin zu einer vielfältigen Wirtschaft mit zukunftsträchtigen Unternehmen. Ein wichtiger Schritt war die Gründung der Universitäten in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Hagen. Das Ausbildungsniveau der Bevölkerung stieg. Neue Unternehmen aus der Computer- und Dienstleistungsbranche siedelten sich aufgrund der guten Standortbedingungen an.

 

Das Ruhrgebiet hat sich immer weiter zu einem attraktiven Lebensraum entwickelt. Aus alten Zechengeländen und Schutthalden wurden grüne Naherholungsgebiete. Flüsse wie Rhein und Ruhr, lange Zeit durch Industrieabwässer verschmutzt, sind wieder Heimat von Forellen und Rotaugen. Sogar Lachse wurden schon gefangen. Neben König Fußball sind in der Region noch viele andere Sportarten prominent vertreten: Nicht nur bei Ruder-Fans ist etwa die Regattastrecke in Duisburg-Wedau bekannt. Und wer will, kann in Bottrop in einer Skihalle das ganze Jahr die Piste hinabwedeln.

 

Das Musical "Starlight-Express" in Bochum begeistert seit 15 Jahren Millionen.

Auch das kulturelle Angebot hat höchstes Niveau. Theaterfreunde schwören auf das Schauspielhaus Bochum als eine der ersten Adressen der Bundesrepublik und auf die traditionellen Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Cineasten wiederum pilgern alljährlich nach Oberhausen zu den renommierten Kurzfilmtagen. Stets wird das weltoffene Ruhrgebiet zum Treffpunkt internationaler Künstler.

 


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