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Rothaarsteig - pfotenfreundliches Wandern im Westerwald

Das ist Ben. Foto: Andreas K. Bittner

von Ben


Ich bin Ben. Ich habe vier Pfoten. In meinem Stammbaum steht Pyrenäenschäferhund. Das heisst: ich kann besonders gut Schafe hüten und eine Herde zusammenhalten. Zuhause habe ich - mangels bedürftiger Wolltiere - kaum Möglichkeiten, meine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Aber ich brauche nun mal eine Aufgabe. So kam mein Frauchen Sonja auf die Idee, mich als Wanderjournalisten einzusetzen. Ich war begeistert. Und so werde ich euch heute über die wirklich wichtigen Dinge auf den Wanderwegen informieren:

Hundefreundliche Rastplätze und Übernachtungsmöglichkeiten, pfotenschonende Laufstrecken... und natürlich die Frage: Was gibt`s zu entdecken?

Am Wochenende waren wir am Rothaarsteig. Genauer: am südlichsten Teil. Die so genannte Westerwaldvariante. Der Rothaarsteig ist der einzige deutsche Wanderweg mit Qualitätssiegel. Über 150 Kilometer lang - von Brilon im Sauerland bis Dillenburg im Siegerland. Der Weg hat sogar ein eingetragenes Warenzeichen. Das ist ja eigentlich so ein R im kleinen Kreis. Aber der Rothaarsteigverein hat das "R" platt geklopft und auf den Rücken gelegt. Für mich sieht das aus wie zwei Stöckchen. Doch die Marketing-Menschen nennen dies Logo. Und das wiederum eignet sich gut als Wegmarkierung. Damit sich kein Hund verläuft.

Na ja. Wir Hunde markieren unsere Reviere ja ein wenig anders. Und brauchen auch nicht so komische grosse Papiere, die man nie wieder richtig zusammenfalten kann. Mit Linien, Wellen und Zahlen. Frauchen wollte, dass wir an der Fuchskaute loswandern. Das auf dem höchsten Berg des Westerwaldes (656 Meter über dem Wasser). Und ganz unten auf der Karte. Ganz einsam. Da wo sich Fuchs und Füchsin Gute Nacht sagen.

Also los geht's. Ankunft im Hotel Fuchskaute. Durst! Mit großer Freude entdecke ich sofort die Hundebar. Ein ganzes Fass gefüllt mit frischem Wasser und bereit stehenden Näpfen. Hinein mit dem kühlen Getränk. Hunger! Das gibt`s doch nicht. Höre ich da tatsächlich: "Ein Napf Frolic ... drei Leckerchen ... ein Kauknochen ...?" Jawoll! Es gibt eine richtige Hundespeisekarte! Bestens. Für alles ist gesorgt.

Ich darf leinenfrei herumlaufen und die Gegend erkunden. Wenn da nicht plötzlich ein unmutiges Knurren zu hören wäre. Oh je - die vierbeinige Hausherrin. Ohne Vorwarnung stürzt sie sich auf mich und beisst mir doch glatt ins Hinterbein. Doch Rettung naht. Die zweibeinige Chefin zerrt das Monster zurück und bindet es fest. Zur Entschädigung gibt's zwei leckere Knochen. Schon ist der Schmerz vergessen. Kleines Fazit: Beste Versorgung, freundliche Wirtsleute - nur vor der alten Hundedame muss gewarnt werden.


Morgens geht`s endlich los. Herrlich! Das nenne ich pfotenfreundliches Wandern. Ich streife durch hohes Gras, laufe auf weichem Waldboden und meine Schnüffelnase ist kurz vor der Reizüberflutung. Arnika, Knabenkraut und Kamille. Dazwischen Schmetterlinge. Den sonnigen und heissen Lichtungen folgen schnell kühlende Waldwege. Trotz hoher Temperaturen wird`s nie zu heiß. Nach vier Kilometern erreichen wir den ersten Ort. Lützeln heisst der, sagt Frauchen. Leider sind die beiden einzigen Gasthäuser mittags geschlossen. Uns bietet ein freundlicher Zweibeiner einen Platz in seiner schattigen Laube. Sofort hänge ich mit dem Kopf im Teich und saufe, bis die Goldfische blass werden. Wirklich - nette Leute hier. Auch wenn die das "R" etwas komisch Rrrollen. Aber wie schon gesagt: dieser Buchstaben ist hier ein Wahrzeichen.

 

Gestärkt und erholt traben wir weiter. Die Route ist abwechslungsreich und nicht zu anstrengend. Für die Jagdfreunde unter euch sei gesagt: wir befinden uns überwiegend im Naturschutzgebiet. Das Rotwild ist hier sogar zur Mittagszeit recht rege. Zweibeiner begegnen uns nur selten. Natur pur! Meist Waldboden und Schotter. Nur kurze Asphaltstrecken, kaum Autoverkehr. Dafür gibt es einen kleinen Flughafen und am Himmel viele bunte Schirme mit winzigen Menschen dran. An einem Bauernhof bellen ein paar Security-Kollegen. Schon sind wir wieder in freier Natur. Weiterhin tierisch gutes Laufen. Nur Frauchen wohl Probleme mit ihren Schuhen. Aber wer läuft auch in geliehener Wanderausrüstung? Wir Hunde jedenfalls nicht. Sonst keine besonderen Vorkommnisse.

In Würgendorf - was die Menschen sich so alles ausdenken! - tobt das Dorffest. Hier werden wir von einem freundlichen Bewohner zum Hydranten geführt. Wasser...Wasser...Wasser - soviel ich will. Frauchen trinkt Bier. Das heisst hier in der Gegend immer Krombacher. Ich bleib lieber bei Felsquellwasser pur.

Nur noch einen Kilometer, dann sind die zwanzig voll und es heisst Endstation für heute. Wir sind rund 20 Kilometer gelaufen. Herrliche Luft, herrliche Ruhe. Hier darf der Hund wieder Hund sein. Im Hotel zur Wasserscheide gibt`s zwar keine Hundekarte, aber die Wirtsleute sind ausgesprochen freundlich und verständnisvoll. Auch hier darf ich mit auf's Zimmer. Für die Menschen gibt es hier den schönsten Biergarten des Siegerlandes, eine hervorragende Speisekarte ... und damit auch eine rundum zufriedene Sonja, Die merkt schon gar nicht mehr die Blasen an ihren Füssen. Und ist das Frauchen gesund, freut sich der Hund.

 

Weitere Informationen zum Thema

Hotel Fuchskaute

 

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