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Ronda - Urlaub mit Höchst-Genuss

Die Schlucht von Ronda

Die Schlucht von Ronda. Fotos: Dagny Riegel

von Dagny Riegel


Den Hang kurz vor dem Weingut Joaquín Fernández hat der Bus noch ächzend und knirschend gemeistert, nachdem er sich für eine steile Kurve seiner Fahrgäste entledigt hatte. Aber nun müssen wir aussteigen und die letzten Meter zum Hotel zu Fuß meistern, wo uns das Gepäck schon erwartet. Rondas Altstadt „Ciudad“ ist einfach zu verwinkelt und eng für den professionellen Touristensturm per Reisebus. Und bietet selbst für gängige Kleinwagen kein reines Fahrvergnügen – keine schlechte Eigenschaft, bewahrt sie dem hellen Gassengewirr doch eine angenehme Ruhe. Vor allem jetzt in der Nachsaison.


Aber wer dächte beim ersten Anblick Rondas allen Ernstes über Touristenzahlen und ruhige Nebenstraßen nach? Sobald wir den Bus Richtung „Puente Nuevo“, der „Neuen Brücke“, verlassen, verschlägt es uns den Atem: Ein Panorama ohnegleichen eröffnet sich an der Grenze von Alt- und Neustadt.


Blick aus der Stadt heraus

Blick aus der Stadt heraus

Was heißt ein Panorama? Schaut man automatisch zunächst nach rechts, wo der Sonnenuntergang hinter der steilen Schlucht „Aahhs“ und „Oohhs“ und klickende Zustimmung zahlreicher Kameras provoziert, so bemerkt man unmittelbar beim ersten Umwenden, dass die andere Seite nicht minder beeindruckend ist. Hier verengt sich die Schlucht und mäandert zur kleinen älteren Brücke, wo früher die Zölle berechnet wurden.

Rund 100 Meter fällt die steile Felswand bei Ronda ab, das auf 723 Höhenmetern die karge Umgebung überragt. Das Flüsschen „Río Guadalevín“ hat die größte Sehenswürdigkeit des 37000-Einwohner-Ortes in den Stein gegraben, die es sogar zum Schauplatz in Hemingway „For Whom the Bell Tolls“ gebracht hat. Anders als von Hemingway im Roman geschildert, hat man jedoch nie Gefangene von der Brücke gestoßen, wie unser „guía“ - der Reiseführer – betont.


Auf der Terasse des Hotel Montelirio

Auf der Terasse des Hotel Montelirio

Wichtig ist ihm allerdings, dass Hemingway von den örtlichen Stierkämpfen hingerissen war; eine Leidenschaft, die er mit Orson Welles teilte. Beide verbrachten einige Zeit hier, in einem der größten andalusischen „weißen Dörfer“; die Asche Orson Welles' wurde sogar bei der Stierkampfarena beigesetzt. Auf die beiden prominenten Ronda-Liebhaber sind die Rondeños, die Einwohner der Stadt, beinahe so stolz wie auf den Stierkampf, der jene so anzog. Im Prinzip gehe ja der Stierkampf auch auf Ronda zurück, wie man uns sagt, auch wenn die Arena nun doch nicht die absolut älteste sei, gehöre sie doch zu den frühesten und habe die moderne Corrida-Tradition mit begründet. 1785 wurde der Kampfplatz unter anderem von Pedro Romero eröffnet, dem Sprössling einer bekannten Torero-Familie, der als Matador über 5000 Mal einem Stier den Todesstoß versetzte, selbst hingegen stets unverletzt aus der Corrida hervorging.


Ein Garten in Ronda

Ein Garten in Ronda

Ein ebenfalls aus jenen Zeiten stammendes Relikt, das präventiv die Verletzung der Familienehre durch allzu mutige Herren verhindern sollte, findet sich noch in vielen Gassen der Altstadt Rondas. Die schwarzen schmiede-eisernen Gitter, die sich so hübsch von den weiß verputzten Hauswänden abheben, dienten nämlich weder der Zierde, noch der Abwehr von Dieben, sondern hauptsächlich dem Schutz der Frauenzimmer. Einfacher hatten es da natürlich die Besitzer von Häusern direkt an der Schlucht – zumindest die Rückseite ihrer Gebäude war, so eng am schwindelerregenden Abgrund, denkbar sicher. Machte sich früher unter anderem auch ein großes Gefängnis diese Tatsache zu Nutze, so vermitteln die nun hier untergebrachten Restaurants und zahlreichen Hotels mit Hilfe der Schlucht heute vielmehr ein Gefühl grenzenloser Weite.

 

Ein Garten in Ronda

Ein Garten in Ronda

Und gefangen nehmen ließe sich wohl jeder Urlauber ohnehin ganz gern an diesem Ort.


Selbst der winzige Swimmingpool des Hotels „Montelirio“ - eher eine ausgenommen schmucke Vogeltränke als ein Schwimmbecken – wird durch den grandiosen Blick zum Erlebnis. Und man kann sich kaum einen erquickenderen Start in den Tag vorstellen als im Frühstücksaal des Hotels nur zwei Meter vom schroffen Abgrund entfernt, in dem noch der letzte Nachtnebel von der Sonne aufgelöst wird.


In einen weiteren Hoch-Genuss kommt man, wenn man der Calle Tenorio, in der das stilvolle alte Hotel liegt, weiter bergan folgt. Hinter dem „Don Bosco Haus“, das dem Salesianerorden zur Pflege Kranker und alter Ordenspriester diente, verbirgt sich ein wunderbarer kleiner Garten. Auf zwei Stufen im Felsen angelegt, wartet er mit Brunnen, Mosaiken und farbenfrohen Blüten auf. Und natürlich mit seinem Blick auf die Schlucht – wir sind schließlich in Ronda!

 

Unsere Empfehlung:

Hotel Montelirio

Calle Tenorio 8

Telefon: +34 952 873 855

 

Das Hotel Montelirio ist ein ausgesprochen stilvolles und charmantes kleines Hotel über mehrere Etagen direkt an die Schlucht gebaut. Edle aber gemütliche Einrichtung mit viel dunklem Holz. Kaminzimmer und hübsche Eingangshalle mit kleinem Brunnen. Wunderbarer Blick vom Restaurant und dem kleinen Pool aus.

Einzelzimmer ab 100 Euro, Doppelzimmer ab 150 Euro.


Brücke von Ronda

Brücke von Ronda

Kirche Santa Maria
Kirche Santa Maria
Der Fluss in der Schlucht
Der Fluss in der Schlucht


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