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Reisedauer: 7 - 10 Nächte
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      Das Bergell-Tal - klein und fein

      Graubünden - Blick auf die Berge

      Graubünden - Blick auf die Berge. Fotos: SwissImage

      Ein Reisebericht aus Graubünden von Désirée Schubert

      Klein und Fein – so lautet das Motto der Schweizer Region Graubünden. Es locken 1.000 Gipfel, 150 Täler und über 600 Seen. Ebenfalls beeindruckend: St. Moritz und Davos Klosters sowie kleine und feine Bergdörfer fernab jeder Hektik. Die Aussichten sind grandios, das Essen phantastisch und die Ruhe zwischendurch unbezahlbar.

      Graubünden war zumindest mir vorher kein Begriff. Klar, dass die Schweiz sauber, schön und reich ist, das wusste ich. Was ich aber nicht ahnte war, dass die Schweiz dermaßen bezaubernd ist. Ist man der Großstadt Zürich entfleucht, wird es von Minute zu Minute atemberaubender.

      Genussvoll starre ich aus meinem Zugfenster und bin gespannt auf die Stationen, die auf meiner geplanten Reise auf mich warten. Klangvolle Namen wie Vicosoprano, Poschiavo und Guarda machen wirklich Lust auf mehr. Das Italienische der Namen verrät, dass mein Lieblings-Urlaubsland Italien direkt um die Ecke liegt.

      Das Bergell ist ein idyllisches Tal in den Alpen, das den Kanton Graubünden mit Italien, den Norden mit dem Süden verbindet. Es handelt sich um eine touristisch noch nicht so erschlossene Region. Das hat viele Vorteile: Die Preise sind noch etwas moderater als im nahen St. Moritz und den angrenzenden sehr bekannten Skigebieten des Engadin.

      Auch ist ein Aufenthalt hier individueller und in vielerlei Hinsicht authentischer. Gerade Familien werden sich hier sehr wohlfühlen. In der Nähe sind viele schöne Dörfer, Wanderrouten aber auch kleine und feine Skigebiete.

      Alles in allem geht es hier ein wenig geruhsamer - und auch nicht so schick zu. Im Bergell vergeht die Zeit langsam, genau im richtigen Tempo also für einen echten Erholungs-Urlaub.

       

      Etappe 1 – Ankunft in Vicosoprano

      UNESCO-Weltkulturerbe- das Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn

      UNESCO-Weltkulturerbe- das Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn

      Früher einmal war Vicosoprano die Hauptstadt des Tals, heute ist es die größte Ortschaft im Bergell. Sie liegt eingebettet in Wiesen und Wäldern auf 1.087 Meter. Untergebracht ist unsere kleine Reisegruppe im Hotel Pranzaira (www.pranzaira.ch). Zugegeben, das kleine familiengeführte Hotel offenbart seinen echten Charme erst auf den zweiten Blick.

      Wer herzlosen Luxus erwartet, der wird hier nicht glücklich. Dafür steht aber der Familien-Vorstand in der Küche und bereitet die leckersten Speisen. Auch für Vegetarier wie ich es bin, gibt man sich die allergrößte Mühe. Toll waren die Ziegenkäse Terrine und die Mangold Wickel (Capuns). Wer bereit für Ausgefallenes war, der konnte an unserem ersten Abend Murmeltier genießen. Vom Hausherren selbst geschossen, versteht sich.

       

       

      Aperitif auf der Staumauer

      Aperitif auf der Staumauer. Foto: Désirée Schubert

      Nicht ganz so toll ist leider die nahegelegene Straße, die von Motorradfahrern besonders geliebt wird. Sie geben in der Kurve gerne nochmal richtig Gas. Sind diese vorübergezogen, kann man aber in Ruhe dem Gezwitscher von unzählbaren Vögeln lauschen und für die Augen gibt's ein tolles Bergpanorama mit zufrieden weidenden Kühen.

      Fern der Straße schmiegen sich einzelne traditionelle Häuschen an den Berg. Die kargen Gipfel erinnern daran, wie hoch es dort oben wirklich ist. Wer ausgiebig wandern, Rad fahren oder Motorradfahren möchte, der ist hier genau richtig.

      Auf dem Weg sieht man viele schimmernde und glasklare Seen - am liebsten möchte man sofort hineinspringen. Ja, die Anreise sitzt ein wenig in den Knochen: Flug von Düsseldorf nach Zürich, dann dreimal umsteigen auf der Zugfahrt und das letzte Stück mit dem Bus. Da ist man schnell bei fast acht Stunden.

      Aber: wann kommt man schon mal in die Situation eine Bahnstrecke zu befahren, die von der UNESCO als Weltkultur Erbe ausgezeichnet wurde? Der Blick aus dem Zugfenster ist vielfach ein wahrer Augenschmaus. Man fährt über atemberaubende Viadukte, durchquert kilometerlange Tunnel und hat die ganze Zeit zur rechten und zur linken Seite ein fantastisches Bergpanorama.

       

      Die Seilbahn

      Die Seilbahn. Foto: Désirée Schubert

      Machen Sie auf jeden Fall eine Dorfführung durch Vicosoprano: Hier taucht man ein in die lebendige Geschichte des Mittelalters. Die Hexenverbrennung hat ihr Gesicht im Dorf deutlich hinterlassen. Das sieht man besonders am und im beeindruckenden Rathaus des Dorfes. Am Eingang hängt noch die Fessel, an der eine Hexe vor Beginn ihres Prozesses der Dorfbevölkerung zur Schau gestellt wurde. Am Rathaus erhebt sich dann auch der mittelalterliche, runde Senvelenturm. Beim Anblick der Folterkammer und der Folterinstrumente läuft es einem noch heute kalt über den Rücken. Hier wurden die angeblichen Hexen gefangen gehalten und nicht wenige endeten im 17.Jh. am Galgen. Seine Pfähle stehen noch heute am Dorfrand.

      Tolle Produkte aus Kastanien

      Tolle Produkte aus Kastanien. Foto: Désirée Schubert

      Geht man rein, so fällt zunächst die besondere Architektur ins Auge: Um sich zu vergrößern, wurde kurzerhand ein Haus um den ursprünglichen Turm gebaut. Dieser ist im Innern noch sehr gut zu sehen. Unten im Eingang zeugt ein spektakuläres Wandbild für bleibende Eindrücke aus den Hexenprozessen.

      In der nächsten Etage kann man die Folterkammer entdecken und ein weiteres beeindruckende Wandbild. Hier kommt die Seele der Hexe ins Spiel, die trotz der Verurteilung durch Menschen in den Himmel auffährt. Gott hat also ein anderes Urteil gesprochen, als die Menschen. Welche Relevanz dies zu jener Zeit gehabt haben dürfte, ist leicht zu assoziieren.

      Wer sich auf die Spuren der Hexen begeben möchte, der kann dies mit einer kulturhistorischen Führung am intensivsten erfahren. Frau Renata Giovanoli-Semadeni ist die richtige Ansprechpartnerin in Vicosoprano (Termine auf Anfrage unter 081 822 15 30 oder rengiosem@gmx.ch).

      Räucherhaus

      Räucherhaus. Foto: Désirée Schubert

      In Vicosoprano wurde die Lebendigkeit der Vergangenheit über die Jahrhunderte erhalten. Nichts wurde entfernt oder übertüncht.

      Man ist sich der Geschichte bewusst und möchte heute ohne erhobenen Zeigefinger zu mehr Toleranz aufrufen. Davon zeugen auch die hölzernen Skulpturen von Ugo Giacometti und Patrik Giovanoli, die nur einige Meter weiter hinter dem Hotel Bellevue stehen.

      Die Künstler haben mit ihren international berühmten Skulpturen einen Hexenprozess nachgestellt. Hierfür haben sie eine Geschichte aufgegriffen, die im Dorf sehr bekannt ist. Einigen Figuren sieht man förmlich an, welche Bauchschmerzen ihnen dieser Prozess bereitet hat.

       


       
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