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Radwandern in Rheinhessen

Wegweiser in den Weinbergen

Wegweiser in den Weinbergen

Radwandern ist beliebter den je. In nahezu allen Regionen Deutschlands wird fleißig in die Pedale getreten. Ob durch waldreiche Mittelgebirgslandschaften, in der norddeutschen Tiefebene oder entlang von Flüssen und Kanälen, alles hat seinen Reiz. Es ist aber auch spannend Landschaften zu entdecken, an die man beim Thema Radeln nicht sofort denkt. Wie wäre es mit Radfahren durch die Weinberge von Rheinland-Pfalz? Im Weinanbaugebiet Rheinhessen liegen entlang verschiedener Radrouten ansprechende Winzerdörfer.

 

Radwandern rund um Monsheim

Von der langen Weinkultur Rheinhessens zeugen die „Trulli“, kegelförmige Weinberghäuschen aus Stein. Laut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überdauerten in Rheinhessen mindestens 30 Häuschen. Ein Trullo diente den Weinbauern als Unterschlupf bei schlechtem Wetter, Pausenraum oder Abstellkammer. Rund um das rund 15 Kilometer westlich von Worms gelegene Monsheim liegen einige Trulli, sie können auf einem speziellen Radwanderweg angefahren werden.

 

Pfeddersheim

An den Radrouten durch Rheinhessen liegen ansprechende Weinörtchen. In Pfeddersheim verbinden sich Fachwerkhäuschen, Stadttore, das Pfarramt im Rokokostil und der Kirchberg zu einem idyllischen Ensemble. Pfeddersheims ehemalige Synagoge stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde während der Nazizeit nicht zerstört. Ab 1941 diente sie als Scheune, 1980 ging sie in den Besitz eines Weinguts über. Die Familie restaurierte den Betsaal mitsamt der Frauenempore. Ebenfalls erhalten ist in Pfeddersheim der jüdische Friedhof. Alle Sehenswürdigkeiten sind gut ausgeschildert.

Hofromantik in Mörstadt

Weinfelder in Rheinhessen

Weinfelder in Rheinhessen

Von Pfeddersheim führt ein verschlungener Radweg rund fünf Kilometer bis nach Mörstadt. Dort sind typische Bauerngehöfte zu bestaunen. Hinter hohen Hoftoren gruppieren sich die Lebens- und Wirtschaftsgebäude.

Einer der vielen intakten Höfe gehört der Familie Kinges-Kessel, die neben der Landwirtschaft ein Weingut, eine Restauration und ein Hotel betreiben. Zu empfehlen sind beispielsweise die Maultauschen mit Pilzsoße. Kinges-Kessel bauen Reben auf zehn Hektar an und arbeiten teilweise mit „gezügelter Gärung“. Durch die Kühlung bleiben viele Aromastoffe im Wein enthalten, ebenso wie Fructose. Auf Anfrage führen die Kessels Gäste auch auf den Weinberg, ihre Weine vermarkten sie direkt. www.winzerhotel.de

Beim Schreckenstier von Eppelsheim

Brunnen in Alzey

Brunnen in Alzey

Eppelsheim verzaubert mit weinberankten Gassen und alten Mauern. In dem 1300-Seelen-Dorf sind die Sehenswürdigkeiten leider meist verrammelt. Im „Dinotherium“ schlummert die Kopie eines „Schreckenstiers“, eines urzeitlichen Vorfahren des Elefanten. 1835 fanden Forscher in einer Eppelsheimer Sandgrube den die Gebeine des Giganten. Das Original ist in London untergebracht. Das Dinotherium erzählt auch von weiteren fossilen Funden, ist jedoch nur Mittwochnachmittags oder nach Vereinbarung geöffnet. Informationen erteilt die Gemeinde unter der Telefonnummer 06735/ 257. Stets zugänglich ist der restaurierte Kalkofen am Ortsrand. Der Ofen entstand 1918 und wurde von 2003 bis 2006 restauriert. Auf dem Ofen ist eine bedachte Besucherplattform installiert, von der der Blick über Obstplantagen und Weinberge schweifen kann. Im Ofen wurde Kalkstein durch Verbrennung bei 1000 bis 1200 Grad zu Mörtel.

Durch den Weinberg von Gau-Heppenheim

Historischer Kalkofen

Historischer Kalkofen

Gau-Heppenheim ist ein ruhiges Winzerdorf. Eines der Weingüter bewirtschaftet die Familie Metzler. Sie betreiben neben dem Weinbau ein Gästehaus mit mediterranen, großzügigen Zimmern. Der junge Winzermeister Stefan Metzler führt die Gäste gerne zu den Rebstöcken und Produktionsstätten. Hier erfahren die Besucher Feinheiten über den Rebschnitt, die Lebensdauer einer Anlage oder die moderne Weinlese. Metzler bietet „auch leichte Rotweine, die man gekühlt trinken kann“. Das Weinsortiment umfasst rund 13 Weißreb- und 13 Rotrebsorten. www.weingut-metzler.de

Selztal-Radweg

Renaissanceburg

Renaissanceburg

Gau-Heppenheim liegt nahe des Selztal-Radwegs, der von Ingelheim am Rhein bis nach Alzey führt. Die Route ist 55 Kilometer lang und mit ein paar Steigungen und Abfahrten gespickt. Der Namensgeber des Fahrradkurses ist ein trauriger, begradigter Bach mit trübem Wasser. Beiderseits der Selz liegen hingegen landschaftliche oder architektonische Hingucker.

 

Alzey

Alzey entzückt mit einer gemütlichen Altstadt. Herzstück des Städtchens ist der Fischmarkt mit seinem Brunnen. Die dort aufgestellte Pferdefigur ist ein beliebtes Motiv für Erinnerungsfotos. Die Ortssilhouette wird vom Schloss bestimmt, in dem heute ein Amtsgericht und ein Internat untergebracht sind. Das Schloss stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde im 17. Jahrhundert zerstört und um 1900 wieder aufgebaut. Auch das Renaissance-Rathaus und die Reste des Römischen Kastells lohnen einen Abstecher.

 

Text: Berit Böhme

 

Service

Ein empfehlenswertes Kartenwerk für Radler und Wanderer ist die vom Landesamt für Vermessung Rheinland-Pfalz herausgegebene Karte „Mainz und Rheinhessen“, ISBN 978-3-89637-301-4. Genaue Streckenbeschreibungen und einen kurzen Überblick zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten bietet der „Radatlas Rheinhessen“ des Esterbauer Verlages, ISBN 3-85000-178-4. Broschüren, Unterkunftstipps und Karten sind bei der Rheinhessen-Touristik erhältlich, Telefon 06132/ 44170, www.rheinhessen.de


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