URLAUB IN CHILE

Suchen und buchen - Aktuelle Angebote Chile 

Nationalpark Dos Rios - Begegnung mit einem Puma

Puma in freier Wildbahn. Foto: www.dosrios.de

von Ralf Gamper


Liebe Freunde, wieder einmal ist es Zeit, ein wenig vom Alltag am Ende der Welt zu berichten. Nun, uns fehlt vielleicht die enge räumliche Anbindung an das Geschehen in Europa, aber dank Internet sind wir, zumindest was die Nachrichten und andere Informationen angeht, auf dem neuesten Stand der Dinge.

 

In einem Zeitungsartikel las ich vor kurzem, dass es bisher weltweit nur vier Foto-Aufnahmen eines Pumas in freier Wildbahn gebe. Pumas sind äusserst menschenscheue Tiere, die normalerweise nachtaktiv sind und am Tag nicht jagen. Sie können aus dem Stand vier Meter hoch und sechs Meter weit springen. Ihr Gebiss ist so kräftig, dass sie einen Hasen mit einem "Haps" durchbeißen können. Zudem sind sie recht intelligent.

 

Blick auf den Vulkan Villarrica

Blick auf den Vulkan Villarrica

Ein guter Bekannter von uns, der in den Bergen schon seit vielen Jahren am Rand des Villarrica-Nationalparks lebt, hat zwar schon viele seiner Tiere an den Puma verloren aber nie einen gesehen. Der Puma, früher vom Aussterben bedroht, ist in Chile schon seit vielen Jahren streng geschützt und hat sich dadurch wieder stark vermehren können, so dass die Reviere der Pumas immer mehr auch von Menschen frequentierte Gegenden einschließen. Vielleicht werden sie dadurch zunehmend weniger menschenscheu.

 

Vor zwei Wochen unterhielt ich mich mit einem Nachbarn, der mir erzählte, dass in unserer Gegend innerhalb des letzten Monats 13 Tiere (Schafe und Ziegen) vom Puma gerissen wurden. Zum Glück nicht bei uns, obwohl wir in den letzten fünf Jahren doch einige Ziegen an den Puma abgeben mussten. Vor zwei Monaten hat er uns sogar nach und nach ein Huhn, drei Enten und zwei Kaninchen aus dem Hühnergehege geholt, wobei er über einen 1,50 Meter hohen Zaun springen musste und dabei einmal von Dagmar im letzten schwindenden Tageslicht noch gesehen wurde.

 

Weidende Pferde

Weidende Pferde

Unsere derzeitige "Intern" Mireia (eine spanische Psychologin, die für zwei Wochen bei uns ist, um sich im Bereich „Reittherapie“ bezueglich der Pferdeausbildung usw. weiterzubilden) hörte vor zwei Tagen nachts einen Puma direkt an der Aussenwand ihres Schlafzimmers "grunzen" (was ich damals doch sehr bezweifelte). Jedenfalls war ich heute Nachmittag gerade dabei, in der Reithalle, selbst auf einem Pferd sitzend, ihr Unterricht zu geben.

 

Plötzlich hörten wir von außerhalb der Halle ein Katzengeschrei, als ob zwei Katzen kämpfen würden, allerdings ungewöhnlich laut. Ich rief Dagmar, die gerade in die Halle kam, zu, sie solle doch nachsehen, ob eine unserer Katzen von einer fremden Katze angegriffen werde. Sie schaute an der kurzen Seite der Halle von einer der Pferdeboxen aus nach draußen und rief sofort: "Ralf komm schnell, da draußen ist ein Puma!" Ich sprang sofort vom Pferd, hängte schnell die Zügel am Sattelhorn fest und eilte zu ihr.

 

Tatsächlich war da draußen ein Puma, der in einer Entfernung von wenigen Metern vor unserer kleinen Ziegenherde geduckt dastand und, wie mir Dagmar erzählte, gerade uriniert hatte. Nach kurzem fasziniertem Anschauen machten wir Lärm, um ihn zu verscheuchen, da wir natürlich nicht noch mehr Ziegen verlieren wollten.

 

Am Fluss

Am Fluss

 

Der Puma machte sich auch gleich davon, allerdings nicht allzu schnell. Man merkte ihm an, dass er ungern seine Beute aufgab. Es war ein ausgewachsenes und gutgenährtes, so wie es urinierte, wohl ein weibliches Tier. Eigentlich sollten wir immer einen Fotoapparat griffbereit haben, so oft schon hatten wir uns das gewünscht. So kam es dann doch nicht zum 5. Bild eines Pumas in freier Wildbahn (siehe oben) Schnell trieben wir die Ziegen in die Reithalle, zählten sie und untersuchten sie auf Verletzungen. Eine der Jungziegen hatte am Hals links und rechts direkt hinter den Ohren je eine Risswunde, die ziemlich bluteten. Mit einem Desinfektionsspray verarzteten wir die doch leichten Verletzungen.

 

Eigenartig war, dass die Pferde überhaupt nicht auf den Puma reagierten. Sie standen ruhig in ihren Boxen (es war ein windiger Regentag, bei gutem Wetter sind sie ja immer draußen). Eigentlich sollte man doch meinen, dass sie auf einen Puma, der nur fünf Meter von der nächstgelegenen Pferdebox steht, mit Panik reagieren! Das führt bei uns zu der Vermutung, dass die Pferde den Puma schon oft gesehen haben und ihn als harmlos eingestuft haben, da dieser sie nie angegriffen hat. (Für kleine Fohlen ist der Puma aber eine tödliche Gefahr!) Offenbar hatte der Puma diese Ziege schon im Maul und hatte sie, gerade als er zubeißen wollte, wieder losgelassen! Warum?

 

Lamas und Enten

Lamas und "Enten"

Schnell kam ich zu einer These: Gerade als der Puma der Ziege den Garaus machen wollte wurde er von unserem Ziegenbock, der etwa einen halben Meter lange, geschwungene Hörner hat, angegriffen und mit einem Horn gestochen. Daher kam das Katzengeschrei, das wir in der Halle gehört hatten: Es war ein Schmerzensschrei des Pumas, der sofort seine Beute losließ und weg sprang. Vor lauter Verblüffung musste er sich wohl erstmal erleichtern und schaute dann irritiert auf seine Opfer.

 

Wahrscheinlich war es das erste Mal in seinem Leben, dass er, der sonst keinerlei Feinde hat, angegriffen wurde. Bueno, kaum hatten wir die Ziege versorgt, als kurz danach ein eigenartiges Schreien vom oberhalb gelegenen Gelände zu hören war. Ich rief sofort "Verdammt, die Lamas!" und eilte mit Mireia (unserer spanischen Intern) nach oben. Durch den Minigolfplatz liefen wir in Richtung Spielplatz. Auf der angrenzenden Weide standen unsere beiden Llamas und schauten aufmerksam in Richtung des Spielplatzes, wobei eine der beiden Llama-Stuten mehrmals sehr eigenartige hohe Schreie ausstieß, die ich bei ihr noch nie gehört hatte. Sicherlich sind das Warnschreie vor tödlicher Gefahr.

 

Mit den Pferden unterwegs

Mit den Pferden unterwegs

Nach dem Bambuswäldchen an der Kinderseilbahn wandten wir uns den Schaukeln auf dem Spielplatz zu, uns darueber unterhaltend, dass der Puma jetzt wohl das Weite gesucht haette. Plötzlich fing unsere kleine Schäfermixhündin, die uns vor ein paar Wochen halbverhungert zugelaufen ist, an zu knurren und starrte in Richtung auf das Bambuswäldchen an dem wir eben noch unmittelbar vorbei gelaufen waren. Wir drehten uns um und dort, nur etwa 10 Meter von mir entfernt, schaute mir aus dem Schatten des Gebüschs der Puma direkt ins Gesicht. Ich konnte es zuerst nicht glauben und dachte an eine Täuschung aus Licht und Schatten aber dann wurde es dieser Raubkatze denn doch auch zu bunt und er sprang über den Zaun und galoppierte in lockeren Spruengen ueber die Wiese in Richtung unseres Campoeingangs um dort im Wald zu verschwinden. Unnötig zu sagen, dass wir alle, tief beeindruckt, an diesem Tag kein anderes Thema mehr hatten.

 

Tatsächlich hatten wir keine grosse Angst, dazu waren wir zu überwältigt vom Eindruck dieses seltenen Erlebnisses. Unsere Nachfrage beim unbestrittenen Fachmann für Pumas, Fernando Vidal, der das Wildtierrefugio für die staatliche Tierschutzbehörde betreibt und dort auch einen von ihm aufgezogenen zahmen Puma hält, ergab, dass Pumas Menschen nicht angreifen, die einzige Ausnahme ist, wenn ein Weibchen mit Jungen sich in die Enge getrieben fühlt.

 

Natürlich sind wir dankbar und fasziniert dieses seltene Tier in freier Wildbahn gesehen zu haben aber aufgrund unserer Sorge um unsere Tiere haben wir heute schriftlich die SAG (staatliche Tier-und Landwirtschaftsbehoerde ) aufgefordert, den bei uns nun offensichtlich ansässig gewordenen Puma einzufangen und in die Anden zu verfrachten, wo er in menschenleerem Gebiet freigelassen werden wird.

 

Dies ist das übliche Vorgehen in einem solchen Fall, da der Puma aufgrund eines Gesetzes nicht getötet werden darf.

 

Mehr zum Naturpark Dosrios unter www.dosrios.de.


ANZEIGE
ANZEIGE
 
© 2011 Travelimpulse GmbH    Sitemap | Impressum | AGBs der Urlaub-im-web.de |  AGBs unserer Reiseveranstalter