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Provinz Oristano - Urlaub zwischen Ruinen und Küste
Ganz im Norden der Provinz Oristano, bei Santa Caterina di Pittinura, weicht das dunkele Basaltgestein dem hellen Kalkgestein in plastisch und bizarr gestalteten Felsformationen. Besonders bemerkenswert ist S’Archittu, ein vom Meer ausgewaschener Steinbogen, der vor allem die jungen Sarden zu waghalsigen Sprüngen herausfordert. Die felsige Bucht eignet sich außerdem sehr gut zum Tauchen, aber auch zum Kanu fahren.
Bunt und ausgelassen wird unter offenem Himmel mit Blick auf die Sterne und das Meer im Mondschein bis in die frühen Morgenstunden in den Open-Air-Diskos S’Archittu gefeiert. Vor 23 Uhr sollte man jedoch nicht dort erscheinen. Und Männer ohne weibliche Begleitung werden meist vor der Tür stehen gelassen. Deswegen sollte Mann gleich in der Schlange fragen, ob nicht jemand bereit ist, ihn wenigstens bis über die Eingangsschwelle zu begleiten. Dann steht einem Abend in traumhafter Umgebung nichts mehr im Wege.
Der ganz im Norden der Sinis-Halbinsel gelegene Ort Putzu Idu am Capo Mannu gehört zu den beliebtesten Surf-Gebieten Sardiniens. Hier soll es die besten Wellen geben, da die Küste regelmäßig von starken Winden heimgesucht wird. In Putzu Idu findet zudem jedes Jahr ein Wettbewerb statt, bei dem die schönste Sandburg prämiert wird. Das lockt besonders Familien mit Kindern an die herrlichen Strände.
Westernfeeling und "sardischer Kaviar"
Wie in einem Western fühlt man sich weiter im Süden der Halbinsel. Und das nicht ohne Grund. In San Salvatore wurden in den sechziger Jahren Italo-Western mit Clint Eastwood gedreht. Heute ist das Dörfchen völlig ausgestorben. Nur einmal im Jahr erwacht es wieder zum Leben, wenn am ersten September hunderte von jungen Männern in weißen Gewändern barfuß aus dem sechs Kilometer entfernten Cabras zur unscheinbaren Kirche San Salvatores und am nächsten Tag wieder zurück nach Cabras laufen. Die Corsa degli scalzi gehört zu den Ritualen des Festes zu Ehren des Heiligen Salvatore. Die jungen Männer tragen dabei die Erlöserstatue, so wie an dem Tage, als die Statue im Laufschritt vor einfallenden Sarazenen in Sicherheit gebracht werden musste. Damals banden sich die Männer Zweige unter die nackten Füße und wirbelten damit so viel Staub auf, dass sich die feindlichen Angreifer einem großen Heer gegenüber glaubten und flüchteten. Das Fest zu Ehren des Heiligen Salvatore dauert neun Tage lang.
Cabras liegt am wohl fischreichsten Binnengewässer Sardiniens. Die meisten Bewohner des Ortes sind noch heute Fischer und fangen Aale, Seebarsche, Meeräschen, Goldbrassen, Garnelen und Sardellen. Die Meeräsche wird besonders geschätzt wegen des Rogens, aus dem die Bottarga, der sardische "Kaviar" gemacht wird.
Bei San Giovanni und Is Arutas ist die Küste flach. Feingeschliffene Quarzkieselstrände wechseln sich ab mit zernagten, messerscharfen Steinklippen. Die Strände sind wunderschön weiß, herrlich lang und umringt von wild wachsendem Macchia-Gebüsch.
Die Ruinenstadt Tharros
Ganz in der Nähe von San Giovanni di Sinis befindet sich das um 730 vor Christus gegründete Tharros, auch Tharras, Tarrae oder Tarras genannt. Allerdings sind von der phönizisch-punischen Stadt heute nur noch Ruinen zu sehen. Die ehemals reiche Handelskolonie und Hafenstadt musste um 1070 wegen ständigen Sarazenen- und Piratenüberfällen aufgegeben werden. Neues Zentrum der Region wurde das rund 20 Kilometer westlich gelegene Oristano.
Historisch Interessierten wird in Tharros einiges geboten. Heute findet man dort wohlerhaltene Straßen mit verfallenen Wohnvierteln, Tempeln und Thermen. Sehenswert ist unter anderem der Demetra-Tempel, eine punische Opferstätte, die zur Versöhnung der Götter angelegt wurde. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Castellum acquae, die römische Nekropolis ("Totenstadt"), zahlreiche antike Gebäude und der ehemalige Hafen von Tharros, der mittlerweile fast komplett vom Meer verschluckt wurde.
Doch nicht nur die altertümlichen, typisch westsardinischen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind bemerkenswert. Tharros besticht auch durch seine wunderschöne Lage: Vom einem Hügel aus hat man eine augezeichnete Aussicht auf den Golf von Oristano. An der felsigen Küstenlandschaft entlang gelangt man wieder an die Strände von San Giovanni di Sinis.
Alte Kirche und junge Strandpromenade
Kurz vor dem Kap befindet sich eine der ältesten Kirchen Sardiniens aus dem 5. Jahrhundert, die Chiesa San Giovanni di Sinis. Heute hält man diesen dreischiffigen byzantinischen Kuppelbau für den ehemaligen Mittelpunkt der zerstörten punischen Stadt. Besonders von innen ist die Kirche sehr eindrucksvoll.
Einer der zahlreichen spanischen Türme der Sinis-Halbinsel überragt die herrliche Badelandschaft und den kleinen Yachthafen von Torre Grande. An dem endlos scheinenden, feinen, goldgelben Sandstrand führt eine mit Pinien und Palmen gesäumte Strandpromenade entlang, wo an warmen Sommerabenden das touristische Leben pulsiert. Hier gibt es Cafes und Straßenverkäufer, hier wird Musik gemacht, es werden Turniere ausgetragen, im August findet die Sartigliedda, eine Mini-Sartiglia statt, bei der Reiter ihre Kräfte messen, unternehmungslustige Jugendliche treffen sich vor dem Disko-Besuch, Feriengäste flanieren auf und ab.
Am "sardischen Nil" und in der Altstadt
Oristano ist die jüngste der vier sardischen Provinzhauptstädte und liegt in der Mitte der Westküste, in der Mündungsebene des Flusses Tirso, dem längsten Fluss Sardiniens. Der Mistral, ein plötzlich entstehender, starker, von Nord-West wehender Wind, prägt diese Landschaft, denn er hält den Tirso von einer regelmäßigen Mündung ins Meer ab, so dass der Fluss das Land überschwemmt und fruchtbare Erde zurücklässt. Aus diesem Grund wird er "der sardische Nil" genannt. Im Schwemmland des Flusses bilden sich Lagunenseen, an denen häufig rosafarbene Flamingos zu bestaunen sind. An den Ufern des Tirso wächst der Aperitifwein Vernaccia.
Haupteingang in die Altstadt ist die Porta Mannu mit dem spätmittelalterlichen Turm San Cristoforo. In der Nähe befindet sich auch der aus dem 14. Jahrhundert stammende Dom und die Statue der Eleonora von Arborea, Richterin von 1383 bis 1404 und Nationalheldin, die fast ganz Sardinien einigte. Besuchen sollte man in Oristano auf jeden Fall die Markthalle. Hier gibt es landestypische Spezialitäten in Hülle und Fülle. Viele Sarden, besonders in der Umgebung von Oristano leben von Viehzucht und Ackerbau und verkaufen ihre Produkte an den Ständen in der ausschließlich vormittags geöffneten Markthalle. Nachmittags geht es dann aufs Feld oder zu den Schafen, Ziegen, Schweinen oder Rindern.
Rund ums Pferd
In der Provinz Oristano hat die Pferdeaufzucht eine große Tradition und darum dürfen auch Reiterhöfe nicht fehlen, die nicht nur Ausflüge zu Pferd organisieren, sondern auch Pferdemärkte und vor allem die Feste und Wettrennen, bei denen Reiter ihre Kühnheit zur Schau stellen. Am letzten Sonntag und am letzten Dienstag des Karnevals findet daher in Oristano Sa Sartiglia, ein altes Reiterspiel, statt. Hauptperson ist Su Componidori, rätselhafte und faszinierende Zwittergestalt in Maske, an der Spitze der Reiter. Unter Trommelwirbeln und Trompetenfanfaren erfolgt die Verwandlung des Mannes zum Halbgott. Dann findet das Turnier statt: An einem grünen Seidenfaden hängt der Stern, den die Reiter im Galopp mit ihrer Lanze aufspießen sollen. Die Anzahl der aufgespießten Sterne gilt als Prognosen für das nächste Jahr. Bald darauf beginnen in einer anderen Straße der Stadt die Rennen von Is Pariglias: Zwei oder drei Reiter vollführen in vollem Lauf auf ihren Pferden akrobatische Kunststücke, versuchen sich dabei gegenseitig zu übertreffen."Mythos" Wasser
In Ländern, in denen es wenig regnet, wird Wasser sehr schnell zu einem Mythos. Besonders dann, wenn es unter der Erde fließt. Auf Sardinien wurde das Wasser zur Zeit der Nuragher verehrt. Wo es gefunden wurde, entstanden Tempel. Kriegerische Handlungen waren an diesen Orten untersagt. Eine sehr gut erhaltene Wasserkultstätte, umgeben von einem großen Tempelbezirk und den Resten der Grundmauern von Pilgerhütten kann man in Santa Cristina besuchen, bevor man sich auf den Weg zu den heißen Quellen von Forodongianus macht, die aus römischen Thermen quellen.
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