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Winter im tschechischen Příchovice
Piotrs Gesicht taucht hinter den Eisblumen am Fenster des Vorraums auf; er will wissen, ob alles in Ordnung ist, der Kamin zieht und wir gut zurecht kommen. Kommen wir, vor allem, seit der Kamin wieder vor sich hin knackt und lodert. Ihm gilt ein guter Teil unserer Aufmerksamkeit in diesem Urlaub. Seit das Feuer in der zweiten Nacht einmal ausgegangen ist, und es eine gute Weile gebraucht hat, den ausgekühlten Ofen wieder ans Laufen zu bringen, legen wir Scheite en masse nach. Die einzige Heizquelle des 180qm-Hauses will bei minus 14 Grad Nachttemperatur im Isergebirge sorgsam gehegt werden.
Aber so unromantisch es ist, das frische Schlafzimmer mit Hilfe eines Haarföns zum Umkleiden zu erwärmen, so nachhaltig behaglich ist es, aus dem Schnee hereinzukommen und sich vor den prasselnden Kamin zu setzen.
Das Haus ist von oben bis unten aus Holz gebaut, außen im typischen Stil der Gegend schwarz mit weiß abgesetzten kleinen Sprossenfenstern, innen naturbelassen, im ältesten Teil des Gebäudes noch als grob von Hand geschlagene Balken. Die anderen Häuschen in Příchovice sehen ähnlich gemütlich aus, vor allem, wenn das ganze Dorf in eine sanft gewölbte Schneedecke gehüllt ist.
Die nächste Skipiste beginnt direkt unterhalb des kleinen Kirchplatzes, das beständige Schnarren der Schneekanonen stört freilich die friedliche Ruhe, aber zumindest stellt die Piste wie die umliegenden auch keinen allzu gravierenden Kahlschlag in die Landschaft dar. Langlauf-Loipen finden sich oberhalb des Dorfes, Richtung Korenov. Hier gibt es auch einen ganz kleinen Skilift und die Möglichkeit zu rodeln. Oben auf dem Berg kann man eine Pause auf dem Okolo Stepánsky, dem Stephansturm, einlegen, von wo man einen schönen Blick über die angrenzenden Täler genießt.
Wen es nach handfesteren Genüssen gelüstet, der schwingt sich auf seinen Ski noch 100 oder 200 Meter weiter zum urigen Ausflugslokal. Dahinter warten etliche Loipen in verschieden großen Schleifen auf bis zu 960 Metern Höhe. Insgesamt umfassen sie rund 28 Kilometer.
Da es im Isergebirge Ende Dezember schon um 16 Uhr dunkel wird, ist den meisten sportlichen Aktivitäten unter freiem Himmel alsbald ein Ende gesetzt – hat man sich immer noch nicht ausgetobt, kann man entweder auf die beleuchteten Pisten zurückgreifen oder wohl temperiertes Wasser im Schwimmbad von Jablonec oder Liberec genießen.
Eine Bowlingbahn gibt es dagegen in Příchovice selbst, direkt an der Hauptstraße. An und um Silvester spielt sich das ausgelassene touristische Leben allerdings eher in Harrachov ab, einige Kilometer östlich.
Dort tönen deutsche Schlager aus den Lautsprechern, und wir sind froh, gegen Abend in das verschlafene Příchovice zurückzukehren. Wissen allerdings auch nicht recht, wohin mit uns, als wir um viertel vor zwölf als einzige mit Sekt auf dem Kirchplatz stehen. Im Restaurant neben dem Konzum, dem winzigen Lebensmittelladen, scheint eine Party stattzufinden.
In dem rustikalen Wirtshaus mit den rot-weiß-karierten Gardinen ist einiges los. Und tatsächlich, wenige Minuten vor 12 kommen immerhin ein paar Leute heraus. Auch die übrigen Hauseingänge bevölkern sich wie auf Kommando, jede Gruppe zählt ihren eigenen Countdown, und eine halbe Stunde lang steigen doch noch Raketen auf und tauchen den Schnee der Umgebung in farbiges Licht.
Richtig was los ist dann am Neujahrstag, das ganze Dorf scheint an unserem Ferienhaus vorbei Richtung Piste und Rodelhang zu pilgern, die Kinder auf dem Schlitten, die Hunde auf dem Arm. Ein tragbarer Kamin wäre jetzt praktisch.




