PORTOFINO
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Portofino - Urlaubsimpressionen
Ich kauf mir ein Schloss ...
Dachte sich einst der englische Konsul in Genua, Sir Montagne Yeats Brown, der das Schloss hoch über Portofino kaufte. Im Schlepptau hatte er weitere Engländer, die sich hier erholten und erstaunt den braungebrannten Menschen bei ihrer täglichen Arbeit zusahen. War man doch selbst auf die vornehme Blässe bedacht.
Und arbeiten - wozu hatte man Personal?
Flüsterpropaganda
Im Laufe der Jahre verbreitete sich der Ruf Portofinos. Erst durch die Flüsterpropaganda der Engländer, dann durch Segler, die in der Bucht ankerten.
Auch einige Wanderer ließen sich nicht abschrecken und erkundeten die von Ginster, Ziestrosen und Stechginster überwucherte Halbinsel.
Hollywood goes Italy
In den 50iger Jahren gaben sich die Stars aus Hollywood in Portofino die Klinke in die Hand. Rex Harrison und Liz Taylor, Humphrey Bogart und die Bacall, wer auf sich hielt, kam in hierher. Der Ort wurde zum Mekka der Reichen und Schönen und sonnte sich im Glamour.
Immer bereit für den schnellen Schnappschuss und eine Skandalgeschichte, lagen die Paparazzi in den Bars auf der Lauer. Affären nahmen hier ihren Anfang, und bei einem trockenen Martini wurden auch manch´ dunkle Geschäfte abgeschlossen.
Teuer wie eh und je
Schmal und kurvenreich schlängelt sich die einspurige Straße an der Küste entlang. Ein Anzeigetafel informiert über die Wartezeit, nach der man Portofino erreicht haben wird.
Bei der Ankunft öffnet sich eine Theaterkulisse. Hohe Berge auf beiden Seiten schützen die Bucht vor heftigen Winden. Ganz am Ende dieser Bucht drängen sich die Häuser.Die Fassaden sind in den Farben des Südens getüncht: blutrot, gelb, orange - an manchen Stellen wunderbar dekorativ abgeblättert. Vor den Fenstern flattert die Wäsche. Aber lange ist es her, dass in den Häusern Fischer wohnten. Hinter den pittoresquen Fassaden verbergen sich Luxusappartements, die für Normalsterbliche unerschwinglich sind. Selbst wenn sie Millionen kosten, gelten sie als Schnäppchen. Immobilien sind rar und der Markt leergefegt.
Im Erdgeschoss der mit trompe l´oeil-Malerei verzierten Häuser, reiht sich Boutique an Boutique, Galerien wechseln sich mit Edelgeschäften ab. Fast anachronistisch wirkt da der kleine Tante-Emma-Laden mit Gemüse, Obst und Ansichtskarten.
Gediegene Eleganz
Leise plätschert das Meer an den Rand der Piazzetta. Sie ist Portofinos Wohnzimmer. Am späten Nachmittag, wenn die Tagesausflügler wieder abgereist sind, hält hier der Geldadel Hof. Man winkt sich zu, ein herzliches "Ciao" und verabredet sich zu einem Cocktail. Hier sieht man sich - und wird gesehen. Aber alles geschieht sehr diskret. Wer auffallen will, ist hier fehl am Platze. Je unauffälliger die Statussymbole, desto besser.
Gediegene Eleganz ist angesagt.
Das offene Boot ist natürlich handgefertigt - nur sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es aus feinstem Teakholz ist. Und der Pullover, der gegen den kühlen Abendwind wärmt, stammt aus einer Mailänder Kollektion. Es lebe die neue Einfachheit! Man lebt zurückgezogen in seiner Villa, benutzt den privaten Lift zur Piazzetta, um bei "Da Puny" zu Abend zu essen. Der Wirt ist eine Institution. An den Tischen seines Restaurants saßen - und sitzen sie alle: Fernsehgrößen, Bankiers, Designer und Politiker. So manches Geschäft wird zwischen Aperitif und Hauptgang angebahnt.
Es wird gemunkelt, dass früher politische Entscheidungen hier, und nicht in Rom gefällt wurden. Hat er jemals davon gehört?
Mit einem Lächeln überhört der Wirt die Frage. Lediglich über das Lieblingsessen einiger Gäste weiß er zu berichten. Und die Reihen der Politiker haben sich gelichtet. Zum Teil hat der italienische Staat die "Unterbringung" übernommen, oder man lebt im Ausland und darf Italien so schnell nicht mehr betreten.Ruhig plätschert das Leben vor sich hin.
Ein Leben ohne body-guards, Verkehr und Arbeitsstress. Man fühlt sich beschützt, fühlt sich wohl und wird von den Einheimischen eher ignoriert als beachtet.
Text: md Fotos: md


Camogli & Portofino