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Paris - Stadt der Liebe?
Paris galt schon früher als die Stadt der Liebe - nicht nur der romantischen Liebe, sondern vor allem der käuflichen Liebe. Zumindest war dies in der Vergangenheit im Bewusstsein vieler Zeitgenossen aus aller Welt der Fall. Dabei stammte dieser zweifelhafte Ruf aus Zeiten, in denen die Damen des horizontalen Gewerbes zwar in allen Ländern der Erde glänzende Geschäfte machten, aber dies stets im Verborgenen.
Mit dem Thema Liebe wurde in Paris Ende des 19. Jahrhunderts offener als anderswo umgegangen, sprich die Damen waren im Alltag recht präsent. Und da dies viele Herrschaften und auch Künstler anzog, war es kein Wunder, dass dieselben den Ruf von Paris als Stadt der Liebe in aller Welt verbreiteten. Vielleicht weil die alten Gemälde leicht bekleideter Damen heute als Kunst gelten und auch alte Filmklassiker wie „das Mädchen Irma la Douce“ (Regie: Billy Wilder) das Milieu eher romantisierten, hat sich die Bedeutung Paris als Stadt der Liebe gewandelt.
Dieser Wandel ging mit einer deutlichen Veränderung der Besucherstruktur einher. Während vor 100 oder mehr Jahren Adlige, Millionäre aus Osteuropa, den USA oder anderen Staaten der Welt oft monatelang mitsamt einem großen Heer von Bediensteten in Paris residierten, reisen heutzutage eher Normalbürger aus der ganzen Welt nach Paris; meist aber nur für wenige Tage.
Viele Besucher haben eine Gruppenreise gebucht und streben eine Sehenswürdigkeit nach der anderen an. Für die Suche nach lasziven Vergnügungen in der Stadt der Liebe bleibt da nur wenig Zeit.
Andere Besucher sind frisch verliebt und verloben sich oder heiraten sogar in der französischen Hauptstadt und behalten Paris fast immer nur als schöne Stadt in Erinnerung – was Paris auch zweifelsohne ist. Es ist wirklich etwas Besonderes, die Stadt zu besuchen und Sehenswürdigkeiten wie Notre Dame, den Eiffelturm, die Seine, die prächtige Avenue des Champs-Élysées oder Montmartre kennenzulernen.
Da die Einwohner von Paris an Gäste gewöhnt sind, wundert es niemanden, nach dem Weg gefragt zu werden. Zwar kommen die Einheimischen, oft mit ihren Alltagssorgen unterwegs, einem Fremden etwas mürrisch vor, aber das ist in anderen Millionenstädten nicht anders.
Dies sollte niemanden abhalten Paris zu besuchen, die Stadt ist zu jeder Zeit schön und liebenswert. Am typischsten und für Paare vielleicht am romantischsten ist die Stadt der Liebe in den Monaten Januar, Februar und März, in denen am wenigsten Touristen unterwegs sind. Dann muss man sich zwar warm anziehen, hat die Stadt aber ganz für sich und irgendwann kommt man ja wieder ins Warme...



