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Urlaub auf Sizilien - Frühlingsgefühle in Palermo

Palermo: Garten der Kirche San Giovanni degli Eremiti. Bilder: Fototeca ENIT

Palermo: Garten der Kirche San Giovanni degli Eremiti. Bilder: Fototeca ENIT

Während einem in manchen Teilen Deutschlands noch Schimpfwörter wie "Bodenfrost" oder womöglich "Schneefall" per Wetterbericht an den Kopf geworfen werden, überlegt man sich in Palermo auf Sizilien schon längst, ob man dieses Jahr Sommersprossen trägt, oder ob man sich mit seiner Latte Macchiato lieber in den Schatten setzt.

 

Noch ist der Winter auf Sizilien als Rest vorhanden, aber in Palermos Straßen-Cafès, seinen Parks und in der Natur der Hügel drumherum wartet der Frühling schon darauf, geweckt zu werden. Nach dem feucht-kalten Winter genießt man die warme Sonne vor dem Politeama-Theater, wo sich das junge Leben - und grundsätzlich eine Menge Mofas - treffen, oder im Botanischen und Englischen Garten, die eher Familien und Verliebten vorbehalten sind.

 

Stiller Frühling ist dagegen bei einem Aus- und Höhenflug zum Monte Pellegrino zu verspüren, der einem so nah an der Millionen-Stadt menschenleere grüne Momente beschert. Und erst recht, wenn man sich etwas weiter auf der Insel umsieht - oft ist schon die preiswerte Bahn- oder Busfahrt ein Erlebnis. Auch zu dem postkartentauglichen Städtchen Cefalù, östlich von Palermo, führt eine Bahnstrecke voller Traumblicke auf das felsbegrenzte Meer. Dem stillen Frühling auf Sizilien nahe kommt man hier ebenfalls bei einer kleinen Tour aufwärts, den Burgberg von Cefalù in kleinen Pfaden hinauf.

 

Im Giardino Inglese, kaum vom tummeligen Zentrum und der schicken Via della Libertà Palermos entfernt, genießen junge Pärchen die erste warme Sonne und sich, umgeben von Brunnen, grünen Hügeln in Miniatur und spielenden Kindern. Nicht zu vergessen die Gelaterien in unmittelbarer Nähe, deren selbstgemachtes Eis - vor Frucht und Farbe nur so strotzend - eindeutig auch zum Genießen verführt.

Einen etwas verwildeteren, aber umso romantischeren Charme bietet der Orto Botanico, der Botanische Garten im Kalsa-Viertel am Meer, der als einer der schönsten Europas gilt. Zusammen mit dem danebenliegenden Park der Villa Giulia bildet er eine südländisch anmutende Oase nicht weit der kahlen, lauten Hafenstraße. Schon im 19. Jahrhundert gegründet, wirkt er momentan leider ein wenig über seine Blütezeit hinaus, hat dafür aber sein eigenes, leicht morbides Flair und kann immer noch mit einer kaum überschaubaren Anzahl exotischer Gewächse aufwarten. Allein seine Palmen-Arten sind nach Dutzenden zu zählen.

 

Wer genug durch die Altsadt mit ihren süßen Cafès und Paninerien gebummelt und trotz Parks einfach stadt- und trubel-müde ist, braucht nicht lange zu gehen und fahren, um sich in einer anderen Welt wiederzufinden. Eine Viertelstunde braucht der Bus bis zum Fuß des Monte Pellegrino, dem von weitem so klotzig wirkenden Berg am westlichen Rand Palermos. Da die Palermitaner heute mit dem Auto zum Heiligtum der Santa Rosalia - der Stadtpatronin - unterhalb des Gipfels pilgern, ist man auf dem alten Pilger-Fußpfad fernab der Straße von plötzlicher Ruhe umgeben.

Wie die Stadt selbst eröffnet einem auch der Berg immer wieder neue Ansichten. Ein steiler, felsiger Anstieg führt zu sanfteren Abschnitten mit Kiefern und Eukalypten, zwischendurch erinnert eine Straße mit entsprechenden Müllspuren wieder an die Zivilisation, dann rauben grandiose Blicke durch die schroffen Felsen auf das blitzblaue Meer tief unten jeden Atem. Am Ende fasziniert das Santuario di Rosalia, der schon Goethe in seiner "Italienischen Reise" einige Zeilen widmete. Heute sind ihr einige Imbissbuden und Stände mit kuriosen Souvenirs gewidmet, die zu sehen sich teilweise auch lohnt. Außerdem ist man um die touristische Erschließung des Ortes dann eigentlich ganz froh, wenn man nach der Berg-Tour nicht zu Fuß wieder hinuntersteigen muss, sondern einfach den Bus nehmen kann.

Cefalù

Dom von Cefalù

Dom von Cefalù

Der Touristenmagnet in Palermos Umgebung, dem nur von Taormina der Rang abgelaufen wird, ist der ehemalige Fischerort Cefalù - Pauschalreisers Lieblings- und einziges Ziel an Siziliens Nordküste. Trotzdem hat es sich zumindest in der Vor- und Nachsaison eine gute Portion seines eigenen Flairs für die Altstadt bewahrt, die sauber getrennt von den neuen Vierteln adrett zwischen Meer uns Fels platziert wurde.

 

Aus Palermo kommend (etwa eine gute Stunde Zugfahrt), wirkt der Ort nochmal so poliert mit seinem blankgekehrten Pflaster, dem täglich gereinigten Strand und den gefällig restaurierten Häusern. Immer wieder stößt man auf kleine Barockkirchen, wenn man durch die engen Gässchen mit ihren Bogendurchgängen bummelt. Umso mächtiger ragt der "Duomo", der im 12. Jahrhundert erbaute Normannendom, über die Stadt. Filigrane Mosaiken - teilweise von Künstlern aus Byzanz vor über 800 Jahren kunstvoll angefertigt - zieren das Innere großflächig. Vor allem Chor und Hauptapsis sind für diese prachtvolle Art von Bibel-Illustrationen bekannt.

Zu einem eindrucksvollen Muster aus roten, ziegelgedeckten Dächern schrumpft Cefalùs Altstadt bei einem Aufstieg auf die "Rocca", den Burgberg des Ortes. Schon in vorgeschichtlicher Zeit war der Kalkklotz Siedlungs- und Kultstätte. Die Pfade führen an mehreren Vertedigungsringen, Zisternen, einem ehemaligen Backhaus und schließlich dem Diana-Tempel vorbei, der in Teilen schon im 9. Jahrhundert vor Christus - und damit zumindest ursprünglich sicher nicht Diana zu Ehren - errichtet wurde. Auf dem Rundweg laden zahlreiche Plätze mit einem 1a-Panorama, das an klaren Tagen die Eolischen Inseln miteinschließt, zu einem Picknick ein.

 


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