WINTERURLAUB IN OBERBAYERN

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Oberbayern/Bayerische Alpen - weiß-blauer Winterurlaub

Winterwald, Garmisch-Partenkirchen

Blick über Winterwald auf Garmisch-Partenkirchen. Foto: Allie Caulfield, Lizenz: creative commons

Oberbayern reizt in puncto Winterurlaub mit vielseitigen Skigebieten und günstigen Preisen


Jedes Jahr am Faschingsdienstag wird im Skigebiet Sudelfeld bei Bayrischzell an der Uhr gedreht. Der ganze Berg scheint zurückversetzt in die Epoche der Pioniere, die vor über 100 Jahren auf zwei Brettern die weiß-blaue Bergwelt eroberten: Frauen rasen in Omas Dirndl die Piste hinab, ihre geflochtenen Zöpfe flattern dabei wild im Wind. Männer in Kniebundhosen und Lederschuhen steigen auf Ski, die offensichtlich schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Und verbeugen sich beim "Nostalschi-Rennen" auf der Piste im Telemark-Stil vor der guten alten Zeit.


Seit 110 Jahren besteht das Skigebiet Sudelfeld und gehört damit zu den Ältesten in der süddeutschen Region. "Oberbayern ist mittlerweile eines der bedeutendsten Wintersportgebiete in Deutschland", sagt Birgit Priesnitz, Geschäftsführerin des Verbandes Deutscher Seilbahnen. Die vielen Skigebiete entlang der Alpenkette zwischen Bad Reichenhall und Garmisch-Partenkirchen haben für jeden etwas zu bieten: vom gemütlichen Schneeberg bis hin zur anspruchsvollen Weltcup-Abfahrt.


Wer es gemächlich mag, genießt das Skigebiet Sudelfeld mit seinen 31 zumeist leichten Pistenkilometern oder das benachbarte Areal am Spitzingsee, das seit jeher als klassisches Anfänger-Terrain gilt. Beide Gebiete, locken im Winter vor allem Eltern mit kleinen Kindern, die hier ihre ersten Schwünge lernen können. Der benachbarte Wendelstein bietet ein optimales Terrain für Könner. Nicht ohne Grund messen sich auf seinen mächtigen Hängen die Stars und Profis der Freeride-Szene beim "Vertical Extreme". Bei diesem waghalsigen Rennen, das alljährlich im Frühjahr stattfindet, rasen Skifahrer und Snowboarder in kleinen Gruppen die steilsten Pisten herab und liefern sich unterwegs waghalsige Überholmanöver. Für die vielen Zuschauer ist das Rennen ein spektakulärer Hingucker.


Auf den Wendelstein mit seinen zehn Pistenkilometern gelangen Wintersportler übrigens mit der ältesten Zahnradbahn der Alpen, die seit 1912 im Einsatz ist. Nicht ganz so alt, dafür aber um einiges berühmter ist die Zugspitz-Zahnradbahn, die in diesem Jahr ihr 75. Jubiläum feiert. Oben auf dem Gletscher der Zugspitze - im höchstgelegenen Skigebiet Deutschlands - stehen 22 schneesichere Pistenkilometer zur Auswahl. Und in Garmisch-Partenkirchens legendärem Classic-Gebiet mit Alpspitze, Kreuzeck und Hausberg sind es noch einmal 37.

Auf der Zugspitze im Iglodorf übernachten

Der kleinste Skiberg des Gebiets, der 1236 Meter hohe Eckbauer, lädt z. B. zum Snowbiken ein, während Gäste auf der Zugspitze Gelegenheit haben, wie Eskimos im Eis zu übernachten - in einem kleinen Iglu-Dorf, das sogar einen Whirlpool haben soll. Mit seinen ungewöhnlichen Angeboten liegt Garmisch-Partenkirchen, das sich aktuell übrigens um die Austragung der alpinen Ski-WM 2011 bewirbt, voll im Trend. "Die Gäste erwarten im Winterurlaub ein breites Spektrum an Aktivitäten, das über die klassischen Alpin-Sportarten hinausgeht", so Birgit Priesnitz.


Wenige Kilometer entfernt in Oberammergau hat man die Klassiker Langlaufen, Ski und Snowboard deshalb um ein Rodel-Rutschgerät erweitert, das eigentlich für Kinder gedacht ist: den Zipflbob. Auf den roten Kunststoff-Flitzern werden den ganzen Winter über Rennen ausgetragen, zumeist auf dem 1276 Meter hohen Kolben. Zudem genießen Gäste ein kleines aber feines Skigebiet mit 13,5 Kilometern und einem 100 Kilometer langen Loipennetz.


Günstige Lifttickets sind ein Grund, warum immer mehr Gäste ihren Winterurlaub in Oberbayern verbringen,“ sagt Birgit Priesnitz. Ein weiteres Plus sei die Flexibilität beim Kauf der Tickets: Die meisten Orte bieten für Kurzentschlossene Halbtages- und sogar Stundenkarten an. Erschwingliche Preise und schnelle Erreichbarkeit reizen vor allem Familien. Im Skigebiet um Mittenwald beispielsweise vergnügt sich der Nachwuchs auf den eher leichten Pisten, die sich vom Kranzberg aus in den urigen Ort schlängeln. Die Erwachsenen genießen die legendäre Dammkarabfahrt am Karwendel, mit sieben Kilometern Deutschlands längste Piste.

Berchtesgadener Land - Vielfalt für Jung und Alt

Wer Vielfalt sucht, wird auch im Berchtesgadener Land fündig. Die 57 Pistenkilometer auf Rossfeld, Götschen, Hochschwarzeck und Jenner bieten Fahrern aller Könnensstufen jede Menge Abwechslung. Während die Eltern rasant abfahren und zwischendurch den Blick über den Königssee genießen, sind die Kleinen im Winterparadies mit Karussell, Slalomparcours und speziellen Kinderliften unten im Tal gut aufgehoben. Ausgebildete Lehrer der elf örtlichen Ski- und Snowboardschulen üben mit ihnen auf den flachen Hängen die ersten Schwünge. Für alle, die hoch hinaus wollen, ist der Kunsteisturm unterm Jenner-Gipfelkreuz ein besonderes Highlight: Er ermöglicht spannende Kletterpartien vor imposanter Kulisse. Idylle pur dagegen versprechen Schneeschuh-Wanderungen durch die unberührte Landschaft.


Nach Herzenslust Material testen dürfen Schneefans an mehreren Winterwochenenden unter dem Motto "On the Rocks" in Aschau im Chiemgau. Auf der Kampenwand mit ihren zwölf Pistenkilometern stehen die neusten Ski- und Snowboardmodelle bereit, außerdem werden Schnupperkurse im Telemarken und Snowboarden angeboten. Die Cracks messen sich bei spektakulären Contests und Slalom-Wettbewerben, bevor die Party steigt - mit Ausblick über die herrliche Chiemsee-Region, die im Winter vor allem Langläufer, Wanderer und Nordic Walker anlockt.


Nordic Walker übrigens finden in Reit im Winkl Deutschlands erste "Nordic High-Walking Arena". Die klare Höhenluft, der imposante Watzmann-Gipfel am Horizont und Schnee, der unter den Turnschuhen knirscht, machen hier den besonderen Reiz für Walker aus. Langläufer erkunden die südliche Chiemgau-Region auf einem 90 Kilometer langen Loipennetz und können beim Sporteln das bunte Treiben der Skifahrer beobachten. Auf den Hängen zwischen Steinplatte und Winklmoosalm mit 32 Pistenkilometern und 15 Abfahrten fühlen sich vor allem gemütliche Wintersportler und Anfänger wohl. Mit ihrem Tagesskipass können sich Boarder und Skifahrer übrigens auch auf Rails, Tables und der Wellenbahn im Snow-Park amüsieren.


Doch die Stars des weiß-blauen Winters sind nach wie vor Snowboard und Ski. "Tourengehen, Winterwandern und Rodeln haben aber kräftig aufgeholt", sagt Birgit Priesnitz. Trendsetter finden in der Tölzer Region rund um Schlehdorf mit seinem großen Angebot an Schneeschuh-Touren ein optimales Terrain. Am Ufer des Tegernsees laden 150 Kilometer Winterwanderwege dazu ein, die hügelige Landschaft zu entdecken. Und wer nicht ganz auf die Bretter verzichten möchte, kann abends in Bad Wiessee oder Gmund unter Flutlicht noch die eine oder andere Abfahrt genießen. Oder sogar noch eine Runde in der Loipe drehen. Oder wie wär’s mit einer rasanten Schlitten-Fahrt? In Rottach-Egern trifft man sich auf Deutschlands längster Rodelbahn, die vom 1722 Meter hohen Wallberg, der über dem Süd-Zipfel des Tegernsees thront, ins Tal führt.


Ein Schlittenrennen der besonderen Art findet alljährlich im Januar in Gaißach statt. In der kleinen Gemeinde im Tölzer Land rasen die Einheimischen auf nostalgischen "Schnablern" - Schlitten, die einst das Heu zu Tal beförderten - eine 1500 Meter lange Strecke hinab. Bis zu 20.000 Zuschauer feuern die Fahrer bei diesen rasanten Ritten und spektakulären Sprüngen über eine Naturschanze an. Die Schlitten, so will es die Tradition, müssen originalgetreu sein, wie damals, zu Omas Zeiten.


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