URLAUB IN RUSSLAND - TRANSSIBIRISCHE EISENBAHN
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Novosibirsk – die Hauptstadt Westsibiriens
Novosibirsk liegt 5.500 km östlich von Berlin. Die 1,5 Millionen Einwohner dieser Stadt leben in einer der hässlichsten postsowjetischen Städte, die wir je gesehen haben, in einer riesigen Ansammlung von öden Plattenbauten. Doch der Bahnhof, der uns empfängt, ist blitzsauber und schön. Das grünweiße Bauwerk wurde der Silhouette einer gigantischen Lokomotive nachempfunden. Alles an dieser Stadt scheint gigantisch zu sein. So ist der Bahnhof der größte entlang der über 9.000 km langen Strecke der Transsib. Der Hauptbahnhof ist wie das Theater klassizistisch nachempfunden, vergleichbar vielleicht mit dem Leipziger Bahnhof. Hier werden wir mit Brot, Salz und Balalaikaklängen auf traditionelle russische Art begrüßt und erleben einen geführten Bummel durch die Stadt. In der Stadtmitte überrascht uns auf dem überdimensionierten Leninplatz seine gigantische Statue. Ursprünglich für den Leninplatz in Ost-Berlin bestimmt, war sie selbst für die DDR-Führung zu gigantisch, so dass sie schließlich hier landet. Wir treffen auf die stattliche Oper mit ihrer riesigen Kuppel, die das größte Theater Russlands ist. Zum Schluss besuchen wir den Markt, auf dem frisches Obst und Gemüse, viel Geflügel, aber auch Wodka und Kaviar angeboten wird. Nach vielen Diskussionen mit den Verkäufern über die Vorzüge der verschiedenen Sorten erstehen wir zwei Flaschen Wodka und zwei Dosen sibirischen Kaviar.
Novosibirsk liegt am Ob, der mehr als 4.200 km lang ist. Am Ufer liegen Kreuzfahrtschiffe für bis zu 14-tägigen Fahrten bis hoch hinauf in den Norden. Uns jedoch muss eine kleine Rundfahrt in einem Ausflugsboot genügen. Für die Transsib suchte man die schmalste Stelle des Ob, die man hier mit 850 m Breite fand und erbaute eine gewaltige Eisenbahnbrücke.
Am Abend suchen wir den absoluten Geheimtipp auf, die „New York Times Bar & Grill“ in der Leninstraße. Dicht gedrängt sitzen hier die smarten jungen Geschäftsleute, die Politprominenz und die Reichen und Schönen. Blond ist die bevorzugte Haarfarbe der jungen Frauen. Blonde Haare, glänzendes enges Top, schwarze enge Jeans. Hier geht es um Sehen und Gesehen werden. Abtanzen, bis der Arzt kommt.
Jekaterinburg – Hauptstadt des Ural
Aus der unendlichen Taiga taucht der Ural am Horizont auf und der Zug beginnt seinen beschwerlichen Aufstieg. Diese Strecke gehört nach der Baikalsee-Strecke zu den schönsten, denn sie führt durch atemberaubende Gebirgslandschaften mit steilen Felshängen und tiefen Schluchten. Leider können wir während der Fahrt den Obelisken, der Europa und Asien trennt, nicht erkennen. Der Ural erstreckt sich gleich einem Meridian über 2.500 km von der eisigen Tundra im Norden über Taiga und Wälder bis hin zur Wüste im Süden. Der höchste Berg erreicht mit 1.894 m jedoch keine spektakuläre Höhe. Doch etwa die Hälfte aller Erze und Mineralien, die man überhaupt auf der Welt kennt, kommen hier vor. Im mittleren Ural, um Jekaterinburg herum, folgt eine Industriestadt der anderen. Eisen- und Nickelerze werden abgebaut, Stahl, Kupfer, Aluminium und Nickel produziert, Rohre, Maschinen und elektrischer Strom erzeugt. Und in der Nähe gibt es Gold-, Asbest- und Edelsteingruben.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt der Ural eine entscheidende Rolle bei der Organisation der sowjetischen Kriegswirtschaft. Über 600 Unternehmen werden in dieser Zeit hierher verlegt, die 40 Prozent der gesamten sowjetischen Kriegswirtschaft produzieren. Dieser Boom hat allerdings einen ökologischen Preis: Sehr hohe Umweltbelastungen durch ungefilterte Rauchemissionen und ungeklärte Abwässer der Schwerindustrie sowie erhöhte Strahlenwerte der Atomwirtschaft.
Kasan – Perle der Architektur
Nachmitttags erreichen wir Kasan, die alte Tatarenhauptstadt an der Wolga. Sie wird im 10. Jahrhundert von Wolgabulgaren gegründet und von Zar Ivan IV, genannt „der Schreckliche“, als erste nichtrussische Stadt dem russischen Reich einverleibt. Besonders sehenswert ist der Kreml, der als schönster seiner Art gilt. Hier erfahren wir viel über die wilde Vergangenheit der Tataren, Kosaken und Russen. In der Nähe besichtigen wir die prachtvolle orthodoxe Kathedrale sowie den berühmten roten Backsteinturm und dahinter das Mausoleum mit den Sarkophagen der tatarischen Khane. Das Bevölkerungsgemisch zeigt einen hohen moslemischen Anteil auf. So wurde hier 2005 die größte Moschee Europas eröffnet. Am Abend heißt es Abschied nehmen im noblen Speisewagen und die freundliche Sonderzugbesatzung gibt noch einmal ihr Bestes und verwöhnt uns nach Strich und Faden.
Moskau – ein Weltstadt-Moloch
Gegen Mittag treffen wir in Moskau ein, der prächtig strahlenden, reichen russischen Hauptstadt, und beziehen unsere Zimmer im Renaissance-Hotel, einem Spitzenhotel. Wir sind überrascht von der Geschäftigkeit, dem Warenangebot und – von dem Autoverkehr, der sich nicht nur auf die Rushhour beschränkt, sondern uns allgegenwärtig umtost. Stolz erzählt unser Guide, dass in Moskau mehr Rolls Royce und Luxus-Mercedes fahren würden als im gesamten übrigen Europa. Wir besichtigen das Kremlgebäude mit seinen prachtvollen Kathedralen, deren goldene Kuppeln über der Stadt leuchten. Geduldig reihen wir uns ein in die lange Warteschlange vor dem Lenin-Mausoleum, um den berühmten mumifiziert Aufgebahrten zu betrachten. Nach dem Abendessen entspannen wir uns bei einer Lichterfahrt durch die Stadt mit Stopp am Roten Platz. Höhepunkt ist eine Fahrt mit der Metro zwischen zwei ausgesucht reich verzierten Stationen. Moskau verfügt über ein gut ausgebautes Metronetz. Züge fahren in Hautverkehrszeiten jede 30 bis 90 Sekunden. Stationsnamen und Hinweisschilder sind jedoch nur in kyrillischer Schrift angeschrieben und sind froh, dass wir eine kundige Begleitung haben.
Nach einem reichhaltigen Hotelfrühstück unternehmen wir am letzten Tag unserer Reise eine Stadtrundfahrt zur wieder aufgebauten Erlöser-Kathedrale, zur Lomonossow-Universität, zum Neujungfrauen-Kloster sowie zum Roten Platz mit der farbenfrohen Basilus-Kathedrale. Ein leichter Schauer überfällt uns, als wir vor der berüchtigten ehemaligen KGB-Zentrale stehen. Noch ein Abstecher zum Weißen Haus und es heißt Abschied nehmen von einer einzigartigen und ereignisreichen Traumreise.
Info-Box:
Für die Transsib-Reise sind keine Impfungen vorgeschrieben. Besser als ein großer Koffer sind 2 Reisetaschen – so kommen Sie besser an Ihr Gepäck. Reisewecker und evtl. eine zweite Uhr, auf der Sie jeweils die Ortszeit einstellen können, sind nützlich. Im Zug passen die bei uns üblichen flachen Euro-Stecker.
Die gigantische Landmasse Sibiriens bewirkt ein typisches Kontinentalklima mit kurzen, warmen Sommern und bitter kalten, langen Wintern. Mückenschutz mitnehmen und warme Kleidung für abends nicht vergessen. Geld: Dollarnoten, Euro-Scheine sowie einige Rubel in kleiner Stückelung. Ein Reisepass mit Visum ist vorgeschrieben.
Verschiedene Veranstalter bieten Transsib-Fahrten an, individuell oder in Kleingruppen in den Regelzügen.
Wir haben uns als Route mit dem Zarengold-Sonderzug die 10-Tagesreise Baikalsee-Moskau ausgesucht. Diese findet an bis zu 10 Terminen jährlich statt und kostet ab 2.320 Euro.
Besonders interessant sind aber auch die Strecken Peking-Moskau mit 16 Tagen, 3 Termine p.a., ab 3410 Euro oder Mongolei – Moskau mit 12 Tagen, 3 Termine p.a., ab 2.995 Euro.
Veranstalter: Lernidee Erlebnisreisen, Eisenacher Str. 11, 10777 Berlin, T: +49-30 786 000, Internet: www.lernidee.de




