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Skagen - Urlaub im äußersten Norden Dänemarks
Zwei Meere, die aufeinander branden. Eine Düne, die wandert. Eine andere, die eine Kirche begrub. Ein hoher Himmel, ein besonderes Licht. Ein Ensemble, wie geschaffen für Maler. Vor rund 150 Jahren entdeckten sie Skagen. Heute schlägt die Künstlerkolonie am Kattegat und Skagerrak aus ihrem Erbe touristisches Kapital.
Der Strand von Skagen: Männer in Ölzeug ziehen an Tauen wuchtige Fischerboote an Land; flicken Netze, wärmen sich am Feuer, bergen einen toten Kumpanen. Dann wieder wandeln hell gekleidete Frauen den breiten Nordseestrand entlang, den Blick in eine imaginäre Ferne gerichtet, umhüllt von einem Himmel, dessen Blau die Zeit transzendiert.
Fischer und Freunde, eingefangen in dem besonderen Licht der Nordspitze Jütlands - immer wieder bannten die Skagen-Maler diese Motive auf ihre Leinwand. Besonders ein Trio machte die dänische Spielart des Impressionismus international bekannt: Anna und Michael Ancher und ihr Freund P.S. Krøyer, der im Jahr 2001 seinen 150. Geburtstag feierte. 1.800 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Kunsthandwerke der Künstler, die von 1870 bis 1930 in Skagen tätig waren, zeigt das Skagen-Museum. Treffpunkt der Maler war das nahegelegene Brøndums Hotel. Sein Speisesaal, dessen dunkle Wandverkleidung ein Fries aus Gemälden und Portraits der Künstler ziert, wurde 1946 ins Skagen-Museum integriert.
In Hausschuhen durch Anchers Hus
Wie die Maler einst lebten und arbeiten, wird im Anchers Hus lebendig. Im langgestreckten Bau in tiefem Rot, 1913/14 von Anna und Michael Ancher gekauft, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf weichen Überschuhen schlurfen die Besucher durch die niedrigen Räume, bis sie den späteren Anbau erreichen, das neue Atelier: hoch, luftig, ein Gemälde auf der Staffelei, Blumen auf dem Biedermeiertisch. Ein Ambiente, fragil und zeitlos, von Anna Ancher festgehalten in Öl, aufgehängt im Nachbarhaus Saxilds Gård, seit 1990 Forum für Skizzen, Vorentwürfe und weitere Werke der Skagen-Maler.
Sämtliche Museen liegen in Neu-Skagen, dem betriebsamen Fischereihafen am Kattegat. Gammel Skagen (Alt-Skagen), auch Højen genannt, duckt sich in den Dünen der Nordsee. Das Sylt Skagens präsentiert Bilderbuch-Idylle: herausgeputzte Häuser mit goldgelben Fassaden und roten Ziegeldächer, eingefasst von weißen Friesen. Stockrosen blühen vor den Gitterfenstern, Geranien wachsen in den Balkonkästen. Im Wind flattert die Wäsche auf der Leine. Jeep oder Limousine ruhen im Carport, Fußgänger und Fahrradfahrer dominieren die Szenerie. Der Strand ist endlos lang und autofrei; gesäumt von farbigen Kieseln und grobem Sand. Unablässig schreien die Möwen in der tosenden Brandung.
Die Wanderdüne frisst weiter
Wie gewaltig die Gestaltungskraft der Natur ist, zeigt wenige Kilometer südlich die 35 Meter hohe Råbjerg Mile. Die größte Wanderdüne Dänemarks, die nicht durch Bepflanzung gezähmt wurde, wandert jährlich mit dem Wind 15 bis 20 Meter gen Nordosten. Wenn sie weiterzieht, hinterlässt sie eine flache und feuchte Sandfläche. Sie reicht inzwischen westlich bis zum Skagerrak - dem Entstehungsort der Düne vor mehr als 300 Jahren. Der stete Sandflug machte die versandeten Kirche von Skagen zum Wahrzeichen der Küste. Ende des 14. Jahrhundert erbaut, musste sich die Gemeinde seit dem 16. Jahrhundert zum Gottesdienst durchschaufeln - bis 1795. Erst dann gab sie die Kirche auf und baute sich ein neues Gotteshaus, prunkvoll und sicher vor Sand inmitten von Neu-Skagen.
Mit allen Sinnen Skagens Natur begreifen
Dänemarks Star-Architekt Jørn Utzon lieferte die Pläne für das Skagen Odde Naturcenter, das die grandiose Natur der Nordspitze Jütlands mit allen Sinnen erleben, im wahrsten Sinne des Wortes "begreifen" lässt. Sand, Wind, Wasser und Licht - fühlen, schmecken, tasten, riechen. Draußen laden Wanderführer ein, bei "Schnupper"-Touren den Sommer zu entdecken: Wer kann noch Ruchgras, Gagelstrauch oder Schwarze Krähenbeeren am Duft erkennen? Natur sehen und schmecken: Dazu gehört auch ein Café, das zu schmackhafter Vollwertkost Weitblick über Heide und Dünen bietet. In der Ferne blinkt ein Leuchtfeuer.
Reportage von Hilke Maunder
Mehr zu Skagen gibt's bei der "Tourist-Information":
Sct. Laurentii Vej 22 (im Bahnhof)
DK-9990 Skagen
Tel. 00 45 / 98 44 13 77
Fax 98 46 02 94



