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Ecuador: Fiesta de la Mama Negra - rauschende Party im Schatten des Cotopaxi

(16. 09. 2010)

Fiesta de la Mama Negra in Latacunga, Ecuador

Leuchtend heben sich die roten Lippen der Mama Negra von ihrem schwarzen Gesicht ab. Ihr prächtiges Kleid und ihre falschen Wimpern glitzern in der Sonne. Fröhlich breitet sie ihre Arme aus, in der einen Hand eine schwarze Puppe, in der anderen ein Trinkgefäß und prostet den feierlustigen Zuschauern lächelnd zu. Doch nicht nur die Wimpern der Mama Negra sind falsch, sondern auch ihr Busen und das schwarze Gesicht. Unter der Verkleidung verbirgt sich ein Mann. Er repräsentiert die Mama Negra, der die Fiesta de la Mama Negra im ecuadorianischen Latacunga gewidmet ist.

Die Mama Negra steht wiederum für die schwarzen Sklaven, mit denen die Bewohner Latacungas im 18. Jahrhundert erstmals konfrontiert wurden. Darüber hinaus ehren sie während der Feiern, die Ende September (offiziell am 23. und 24.) und am 11. November 2010 stattfinden, die Virgen de la Merced. Sie ist die Schutzpatronin der Stadt am Fuße des Cotopaxi, das bereits dreimal von dem Vulkan in Schutt und Asche gelegt wurde. Daher findet man im 89 Kilometer südlich von Quito gelegenen Latacunga auch keine Kolonialbauten. Doch so schmucklos die Andenstadt auch ist, umso prächtiger zeigt sie sich während der Fiesta de la Mama Negra.

Die ersten Umzüge durch die Stadt kann man am letzten Septemberwochenende erleben. Eine weitere große Parade folgt am 11. November, an dem auch der Gründung von Latacunga gedacht wird. Im September gibt es pro Tag zwei Paraden, die – meist mit einiger Verspätung – gegen 9 und 14 Uhr beginnen. Den Startpunkt markiert die Iglesia de la Merced, in der zuvor eine Messe zu Ehren der Schutzpatronin abgehalten wird. Von hier aus ziehen Musiker und Tänzer, angeführt von der Mama Negra, durch die Straßen. Zu der fröhlichen Musik wird wild getanzt, gesungen und vor allem getrunken. Die Paradeteilnehmer genehmigen sich dabei nicht nur selbst immer wieder einen Schluck – so dass man sich fragt, wie sie sich so lange auf den Beinen halten – sie verteilen auch Schnaps an die Zuschauer.

Zur Parade gehören verschiedene Gruppen, welche die vielen Einflüsse der ecuadorianischen Kultur repräsentieren. Tänzer in bunten Ponchos oder mit Teufelsmasken zeigen das indigene Erbe, andere sind als spanische Soldaten oder Señoritas verkleidet. Die Curiquingues stellen Vögel dar. Sie tragen spitz zulaufende weiße Kopfbedeckungen, mit deren Spitze sie die Umstehenden pieken. Die Carishinas sind Männer in Frauenkleidung, die für weitere bunte Farbtupfer sorgen. Fast ganz in weiß und gut erkennbar sind die Huacos, die „Freiwillige“ aus dem Publikum ziehen, mit Stöcken über ihren Köpfen klappernd wild um sie herumtänzeln, während einer die Freiwilligen mit Alkohol anprustet und von bösen Geistern befreit.

Unverzichtbar sind die Ashangueros. Sie tragen die Opfergaben und haben dabei ordentlich zu schleppen. An den Holzkonstruktionen sind schließlich ganze Schweine, dekoriert mit Rum-Flaschen, Spielzeug und Süßigkeiten befestigt. Alle paar hundert Meter setzen sie die Opfergaben ab und werden mit Alkohol und Zigaretten versorgt. Am Ende der Fiesta, wenn es schon dunkel ist, gibt es schließlich ein großes Feuerwerk. Wahrscheinlich nicht, um den seit 1904 schlafenden Cotopaxi zu wecken, sondern um die Virgen de la Merced noch einmal lautstark um ihren Schutz zu bitten.

Informationen und Videos zur Fiesta de la Mama Negra:
Fiesta de la Mama Negra

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Foto: Im September und Oktober feiern die Bewohner Latacungas die Mama Negra. Urheber: CreativeCommons-Lizenz/José Perreira

Von: Daniela Hesse


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