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Prag - absurde Zebrastreifen 'made in Kafkaland'
(01. 06. 2009)Ein reichlich absurder und recht kostspieliger Zebratreifen-Streit der Behörden spielt sich derzeit in der tschechischen Hauptstadt Prag ab. Ein Streit, der zeigt, dass das Erbe Franz Kafkas in der Moldaumetropole noch immer lebendig ist. Die Story in Kurzform: Erst lies die Prager Stadtverwaltung ohne Vorankündigung und Begründung Dutzende Zebrastreifen an wichtigen Straßenübergängen entfernen. Nach einiger öffentlicher Aufregung wurden die gestreiften Straßenübergänge dann wiederhergestellt, zum Teil allerdings in "verkürzter" Ausführung - womit für viele Prager Bürger endgültig der Gipfel kafkaesker Absurdität erreicht war.
Doch von Anfang an. Natürlich provozierte das mysteriöse Verschwinden der Zebrastreifen Dutzende Nachfragen verwunderter Bürger im Rathaus und bei den Medien. Was dabei ans Licht kam, löste das erste allgemeine Kopfschütteln aus: Das Rathaus hatte seine Trupps für die Straßeninstandhaltung beauftragt, 79 Zebrastreifen zu entfernen, weil deren Existenz gegen eine Verordnung des tschechischen Transportministeriums verstieß. Die Verordnung besagt u. a., dass Zebrastreifen, die Straßen mit einer Straßenbahnlinie queren, mit einer Ampelanlage kombiniert werden müssen. Kosten der Entfernungsaktion: 800.000 tschechische Kronen (knapp 30.000 Euro).
Buchstabengetreue Auslegung
Wie zu erwarten war, hagelte es in der Folge Proteste gegen das Transportministerium. Das entnervte Ministerium ordnete daraufhin an, die Zebrastreifen wiederherzustellen. Begründung: Die Verordnung dürfe für Prag nicht allzu "buchstabengetreu" ausgelegt werden.
Natürlich verwunderte es niemanden, dass die pflichtbewußte Prager Stadtverwaltung der Anordnung des Ministeriums Folge leistete. Ein abermaliges allgemeines Kopfschütteln rief allerdings die Form der Umsetzung hervor: Zwar wurden die Zebrastreifen wiederhergestellt, doch die überkorrekten Prager Behörden bestanden - zumindest stellenweise - auf eine "verkürzte" Ausführung der neuen alten Straßenmarkierungen: Auf vielen Straßen blieb der mittlere Bereich der Übergänge von der "Wiederbestreifung" ausgenommen - nämlich jene Meter, über die die Straßenbahnschienen verlaufen. Die betroffenen Zebrastreifen zeigen jetzt also "Mut zur Lücke".
Viele Prager fordern inzwischen eine grundsätzliche Lösung des Problems, sprich: die unheilvolle Verordnung des Transportministeriums einfach zu ändern. Sollte dies ausbleiben, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis findige Reiseveranstalter das ganze touristisch vermarkten. Motto: absurde Zebrastreifen "made in Kafkaland". Allzuviel sollten sich die Prager auf ihr "kafkaeskes Schauspiel" allerdings nicht einbilden. Schildbürgerstreiche sind schließlich auch in Deutschland kein gänzlich unbekanntes Phänomen.
Quelle: www.radio.cz
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