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Mehr Kreuzfahrtschiffe auf Ägyptens Nassersee - ein ökologisches Desaster?
(25. 01. 2011)
Auf dem Nassersee in Ägypten dürften bald 25 Kreuzfahrtschiffe verkehren. Quellen aus dem Umfeld des ägyptischen Tourismusministers Zoheir Garana teilten der Tageszeitung "Almasry Alyoum" mit , dass das Ministerium 19 neue Kreuzfahrtschiff-Betriebslizenzen für den gigantischen Stausee bewilligt habe. Gegenwärtig sind auf dem Nassersee sechs "schwimmende Hotels" unterwegs. Das Ministerium habe ferner dem Bau einer neuen Anlegestelle für die großen Passagierschiffe zugestimmt. Sie soll einen bisher genutzten behelfsmäßigen Ankerplatz ersetzen.
Die neue Anlegestelle soll rund 25 Millionen Ägyptische Pfund kosten (gut drei Millionen Euro) und wird nach Angaben der Lokalregierung an der Ostseite des Assuan-Hochdamms liegen. Abschließende Studien zur genauen Gestaltung und Positionierung existierten aber noch nicht.
Ahmed Attiya, der Chef der Abteilung für Hotels im Tourismusministerium, glaubt, dass der Ausbau der Kreuzfahrtflotte Direktinvestitionen in Höhe von bis zu 950 Millionen Ägyptischen Pfund nach sich ziehen könnte. Zudem würden tausende neue Job entstehen.
Kritik an der Flotten-Aufstockung kommt vom Umweltberater des Tourismusministers, Herrn Ahmoud al Qaissouni. Nach Al Qaissouni werden die neuen Kreuzfahrtschiffe kurzfristig das Geschäft der sechs bestehenden "kannibalisieren", langfristig aber zur Überfüllung der antiken Sehenswürdigkeiten im Einzugsgebiet des Nassersees führen (etwa in den Tempeln von Abu Simbel) .
Aus ökologischer Sicht sei die Aufstockung der Kreuzfahrtflotte gar ein "Desaster". Al Qaissouni und andere Fachleute betonen, dass bereits die wenig umweltgerechte Abwasser- und Abfallbehandlung auf den bestehenden sechs Kreuzfahrtschiffen erheblich zur Belastung des ökologisch sensiblen Sees beitrage. Al Qaissouni fordert eine nachhaltige Nutzung des Nassersees als "strategische" Wasserressource. Gegenüber den bereits eingesetzten Kreuzfahrtschiffen sollten strikte Umweltkontrollen durchgesetzt werden, ebenso gegenüber den 4.000 Fischerboaten und zwei Personenfähren, die den See regelmäßig frequentieren. Zudem möchte Al Qaissouni, dass der Nassersee, der über 80% der Süßwasserressourcen Ägyptens faßt und die Wasserversorgung der Bewohner des gesamten Nilufers zentral beeinflußt, den Status eines Naturschutzgebietes erhält.
Quelle: www.almasryalyoum.com.
Foto: Touristenschiff auf dem Nassersee, nahe den Tempeln von Abu Simbel. gemeinfrei
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