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Indonesien/Java - Armutsbekämpfung durch 'ökotouristisches' Dorf
(24. 01. 2011)
In Indonesien soll in den nächsten Jahren ein in mancher Hinsicht einmaliges "ökotouristisches" Dorf entstehen. Initiator ist die Non-Profit Organisation "Habitat for Humanity Indonesia", Ort der Umsetzung das Dorf Soran auf der Insel Java. Soran liegt in der Nähe des berühmten Prambanan-Tempelkomplexes, der 850 erbaut wurde und heute zum Unesco-Welterbe zählt. Auch der naturtouristisch interessante, freilich im letzten Jahr ausgebrochene Vulkan Merapi, der zu den bekanntesten Vulkanen Indonesien gehört, ist nicht weit. Im Rahmen des Projektes, dessen Umsetzung auf drei Jahre angesetzt ist, sollen verbesserte Wohnhäuser für die Bevölkerung entstehen, in denen zusätzlich Touristen beherbergt oder beköstigt werden können. Wie vor einigen Tagen verkündet wurde, steht der international tätige Papierkonzern Asia Pulp & Paper (APP)* dem Projekt als finanzieller und logistischer Partner zur Seite.
"Habitat for Humanity Indonesia" gehört zu der in 100 Ländern tätigen christlichen Dachorganisation "Habitat for Humanity", die sich zum Ziel gesetzt hat, sichere und würdige Wohnungen für arme Familien zu schaffen. Bisher wurden nach eigenen Angaben weltweit rund 400.000 Häuser gebaut oder renoviert. Die Non-Profit Organisation stützt sich dabei auf Spenden und freiwillige Mitarbeit. In Soran will man die Wohnraumschaffung mit einer "nachhaltigen" Integration des Tourismus in das traditionelle Dorfleben kombinieren. Im Dorf haben sich jahrhundertealte handwerkliche und (volks)-künstlerische Traditionen erhalten, die von den Bewohnern bisher touristisch nicht verwertet werden. 60% der Familien Sorans leben unterhalb der Armutsgrenze. Mit den Projekt "ecotourism village" sollen sich laut "Habitat" die Wohn- und Einkommensverhältnisse der meisten Dorfbewohner verbessern. Insgesamt ist die Schaffung von 420 umweltfreundlichen Wohnstätten und Gästeunterkünften vorgesehen. In die Planung und Umsetzung des Projektes werden laut "Habitat" die lokalen Behörden ebenso einbezogen wie Interessengruppen und die Dorfbewohner selbst.
Die neuen Wohnungen erhalten eines der folgenden touristischen Features
- Gästequartiere, in denen Besucher übernachten können
- Wäschereien, um die Kleider und Bettwäsche von Touristen zu reinigen
- zusätzliche Kochnischen, um Touristen zu beköstigen.
Alle neuen Häuser werden zudem erdbebensicher gebaut.
Darüber hinaus sollen 250 Dorfbewohner eine tourismusspezifische Ausbildung erhalten
- 50 Dorfbewohner werden im Bereich Wäschemanagement geschult
- 100 erhalten Anleitungen zur touristengerechten Herstellung traditioneller Gerichte
- 100 werden in der Aufführung und "Vermarktung" traditioneller Volkskunst ausgebildet.
Im Bereich traditioneller Volkskunst sind u. a. Gejog Lesung-Aufführungen vorgesehen (Video).
Das Soran-Projekt sollte ursprünglich bereits im letzten Jahr losgehen, dies wurde aber durch den Ausbruch des Merapi im Oktober durchkreuzt. Soran war seinerzeit von Vulkanasche bedeckt. Das Ascheproblem konnte mit Hilfe von Ausrüstungs- und Materialspenden des APP-Konzerns behoben werden.
*APP ist für sein Engagement in öko-sozialen Projekten bekannt. Einige Umweltorganisationen werfen dem Papiergiganten freilich vor, derartiges Engagement habe nur eine Feigenblattfunktion ("Greenwashing"), da APP und seine Tochterunternehmen eine rücksichtslose Abholzung von Naturwäldern betrieben.
Foto: Blick auf den Prambanan-Tempelkomplex. Urheber: hibino, Lizenz: creative commons.
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