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Immer mehr US-Amerikaner besuchen Kuba. Völlige Reiseliberalisierung aber vorerst vom Tisch
(09. 12. 2010)
Über 1.000 Besucher aus den USA kommen inzwischen täglich nach Kuba, wie die Nachrichtenagentur Reuters unlängst berichtete. Meist handelt es sich um kubastämmige Bürger bzw. Bewohner der USA (Cuban Americans), die seit Präsident Obamas letztjähriger Reform der Kuba-Reisegesetze frei auf die sozialistische Insel reisen dürfen. Dazu kommen US-Amerikaner, die mit akademischem, religiösem, humanitärem oder kulturellem Austausch beschäftigt sind. Auch für derartige Kuba-Reisen wurden unter der neuen US-Administration die Beschränkungen spürbar gelockert. Schließlich scheint auch die Zahl jener US-Amerikaner gestiegen zu sein, die "halblegal" über Drittstaaten nach Kuba einreisen.
"Es gibt einen riesigen Anstieg gegenüber 2009", stellte Armando Garcia, Präsident des in Florida ansässigen Reiseveranstalters "Marazul Charters", zur Entwicklung des Reiseverkehrs USA-Kuba fest. Garcia äußerte sich in einem Telefininterview mit Reuters zum Thema. Sein Unternehmen "Marazul Charters" zählt zu den ersten US-Veranstaltern, die Flugreisen auf die Karibikinsel angeboten haben. Laut Garcia sind bis Ende Oktober 265.000 Personen per Direktflug aus den Vereinigten Staaten nach Kuba gereist. Bis Ende des Jahres dürfte diese Zahl nach seiner Einschätzung auf 330.000 steigen.
Auch die Einreisen von US-Amerikanern über Drittstaaten (Mexiko, Bahamas usw.) sollen spürbar zugenommen haben. Dies berichten kubanische Touristiker. Die meisten dieser Kuba-Besucher versuchen, die us-amerikanischen Reisebeschränkungen zu umgehen (zur Erklärung: US-Bürger ohne kubanische Wurzeln benötigen eine spezielle Genehmigung des regierungsoffiziellen "Office of Foreign Assets Control", um auf Kuba "legal" Geld ausgeben zu können. Ohne eine derartige Genehmigung ist ein Besuch Kubas natürlich praktisch unmöglich - und leider werden diese Genehmigungen nur sehr restriktiv vergeben. Reist man über Drittstaaten ein, wissen die us-amerikanische Behörden im Idealfall nichts von dem Kubabesuch). Zum Teil sind Reisen über Drittstaaten aber auch einfach nur preiswerter.
Einige Experten glauben, dass die Gesamtzahl der Kuba-Besucher aus den USA in diesem Jahr die Schwelle von 400.000 überschreiten wird (Reuters zitiert hierzu eine anonyme Quelle aus dem US State Department). 2008 besuchten nach kubanischen Angaben nur rund 80.000 US-Amerikaner (einschließlich Cuban Americans) die Karibikinsel.
Wie geht es weiter?
Auf der sozialistischen Insel stellt man sich derweil auf die neuen Besucherströme ein. Wie "Trabajadores", die Wochenzeitung des kubanischen Gewerkschaftsverbundes, berichtete, ist man gegenwärtig dabei, den Terminal für US-Flüge an Havannas internationalem Flughafen zu erweitern. Vorgesehen ist eine Verdoppelung der Aufnahmekapazität für US-Flüge bis Weihnachten.
Armando Garcia von "Marazul Charters" rechnet damit, dass der US-Reiseverkehr nach Kuba im nächsten Jahr erneut um 30% steigen wird (Aussage gegenüber Reuters).
Die von vielen Menschen erhoffte völlige Reise-Liberalisierung, die es jedem US-Bürger erlauben würde, Kuba ohne Einschränkungen zu besuchen, wird es allerdings in absehbarer Zeit nicht geben. Ein weitreichendes Liberalisierungsgesetz, dass bereits vor einiger Zeit im US-Kongress eingebracht wurde, wird in diesem Jahr definitiv nicht mehr zur Abstimmung kommen. Im neuen Kongress, der im Januar 2011 zusammentritt, dürfte die radikale Gesetzesvorlage wegen des republikanischen Wahlerfolgs im November kaum Chancen auf Annahme haben. Viele republikanische Abgeordnete stehen unter dem Einfluß der Castro-feindlichen Exilkubaner in Florida (bzw. gehören selbst diesen Gruppen an) und/oder vertreten antikommunistische Haltungen aus der Zeit des kalten Krieges. Für sie kommt eine völlige Reiseliberalisierung erst nach einem "regime change" auf Kuba in Frage.
Weiteren Liberalisierungsspielraum besitzt Obama gegenwärtig nur bei sog. "people to people"-Kontakten (Sportreisen, Kubabesuche im Dienste des akademischen, kulturellen, religiösen und künstlerischen Austausches). Inwieweit Obama beabsichtigt, die auf diesem Feld verbliebenen Restriktionen zu lockern, bleibt abzuwarten.
Foto: Wartende Fluggäste am internationalen Flughaven von Havanna. Urheber: ahisgett, Lizenz: creative commons.
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