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Deutsche Kulturwoche in Goa - Hippie-Nostalgie, Siemens und ein 'Oktoberfest'

(06. 12. 2010)

Goa, Hippie-Markt in Anjuna. Foto: Klaus Nahr, Lizenz: creative commons/share alike

Die historischen und heutigen Beziehungen zwischen Deutschland und Goa bilden den Schwerpunkt der diesjährigen "Deutschen Kulturwoche in Goa" (8. bis 12. Dezember). Gleich am ersten Tag des Veranstaltungsreigens wird Niels Melves, ein 50jähriger Deutscher, in einem alten VW-Bulli eine kleine Rallye anführen, die vom City-Stadtgarten in Panaji in das berühmte Hippie-Dorf Anjuna führt. Die Aktion soll an die "Besiedlung" des Dorfes durch deutsche Aussteiger zwischen 1965 und 1970 erinnern. Melves ist - samt Familie - mit seinem historischen Hippie-Gefährt den ganzen Weg von Deutschland nach Goa gefahren (u. a. über den Irak und Pakistan), um am Mittwoch den letzten, symbolträchtigen  Fahrtabschnitt nach Anjuna zu vollziehen. Wer mag, kann sich der Rallye mit seinem eigenen Auto oder Motorrad anschließen.

Veranstalter der fünf Festtage ist die Indo German Friendship Society (IGFS). IGFS-Präsident Dr. Aurobindo Xavier berichtete auf einer Pressekonferenz am Samstag ausführlich über die historischen und aktuellen Beziehungen zwischen Goa und deutschen bzw. deutschstämmigen Bürgern.

Die Beziehungen gehen, wie Xavier feststellte, bis ins 16. Jahrhundert zurück. Seinerzeit reisten Vertreter des Handelshauses Fugger mit einer portugiesischen Handelsflotte nach Goa. Handelsobjekte waren so edle Waren wie Araberpferde, Seide und Gewürze. Ebenfalls im 16. Jahrhundert kam in Goa eine Heidelberger Druckerpresse zum Einsatz, mit der einige der ersten publizierten Druckerzeugnisse Asiens hergestellt wurden. Eine weitere interessante deutsche Begegnung mit Goa spielte sich in der Zeit des II. Weltkrieges ab, wie Xavier ebenfalls berichtete: 1943 sanken vor der Küste der Hafenstadt Mormugao drei deutsche Handelsschiffe. Wahrscheinlich handelte es sich um Selbstversenkungen, um einer britischen Beschlagnahmung zu entgehen. Von der Besatzung sollen sich mindestens sechs deutsche Familien in Goa niedergelassen haben.  

"Sich niederlassen" war auch ein Stichwort für den aktuellen Teil von Xaviers Ausführungen. "4.000 Familien aus Goa wohnen dauerhaft in Deutschland", stellte der IGFS-Präsident fest. In Goa wiederum lebten 500 bis 1.000 Deutsche. Die Indo German Friendship Society, die heute rund 60 Mitglieder zählt, wurde 2007 von Menschen aus beiden Migrantengruppen gegründet.

Die Zahl deutscher Touristen in Goa liegt, wie Xavier weiter ausführte, in der Hochsaison bei etwa 8.000. Allerdings gäbe es im Tourismus zuletzt einige Probleme. Viele deutsche Urlauber kehrten Goa den Rücken und favorisierten inzwischen Thailand. Umweltverschmutzung und Lärmbelästigung, Goas "Sex & Drugs"-Tourismus sowie die Präsenz vieler russischer Touristen zählten zu den Gründen.

Programm-Punkte der Kulturwoche

Das Programm der Kulturwoche ist wie schon in den Vorjahren bunt: Geplant sind u. a. ein Backkurs (wie backt man Bienenstich oder Engadiner Walnusskuchen?), Veranstaltungen zu Umweltproblemen, Filmvorführugen ("Fontane Effi Briest" von Rainer Werner Faßbinder) und eine geführte Besichtigung einer Siemens-Fabrik. Am 12. Dezember, dem Abschlusstag, gibt es obendrein ein "Oktoberfest mit Bazaar". Besucher dürfen sich u. a. auf deutsches Bier, deutsche Musik und ein Buffet mit indischen und deutschen Spezialitäten freuen. Ferner gibt es Informationen zum Thema "Goa und Deutschland als Touristenziele".

Eine ausführliche Programmübersicht finden Sie unter www.igsg.org/de/Kulturwoche2010.htm (auf Englisch) . Bei den meisten Veranstaltungen ist der Einritt frei. Zum Teil ist die Teilnehmerzahl limitiert und eine Voranmeldung erforderlich (Backkurs, Fabrikbesichtigung usw.). Der Eintritt zum "Oktoberfest" kostet 200 Rupien (etwa 3,30 Euro).

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Foto: Auf dem Hippie-Markt in Anjuna. Urheber: Klaus Nahr, Lizenz: creative commons/share alike.

Von: www.urlaub-im-web.de


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