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Von wegen prüde - viele US-Amerikaner können sich einen FKK-Urlaub vorstellen
(23. 08. 2010)
Sind die US-Amerikaner prüde? Oder verzerrt der starke öffentliche Einfluss fundamental-christlicher Gruppen die Perspektive vieler europäischer Beobachter und Kommentatoren? Wahrscheinlich ist Letzteres der Fall. Gerade das Fernsehen muss in "God's own country" große Rücksicht auf die Befindlichkeiten religiöser Eiferer nehmen, die einen guten Draht zu konservativen Politikern haben und im Zweifelsfall auch militant werden. Aus dem Ausruf "fuck you" wird deshalb im TV oft "*** you", Nackt- und Liebes-Szenen stehen unter latenter Zensurgefahr und dürfen zumindest nicht zu "offensichtlich" ausfallen. Klar, dass den rührigen Fundamental-Christen auch die Freikörperkultur ein Dorn im Auge ist – obwohl Naturisten ja eigentlich nur so auftreten, "wie Gott sie schuf".
Dass viele "normale" US-Bürger - Religion hin, Religion her - keineswegs prüde sind, wird durch zahlreiche bekannte Tatsachen belegt. Wobei nicht alle Gegenbeispiele sympathisch sind, gerade aus Sicht von Naturisten (Stichwort "Sex-Industrie"). Für FKK-Freunde interessanter ist eine Umfrage, die unlängst das Reiseportal TripAdvisor.com unter seinen amerikanischen Usern durchgeführt hat: Immerhin 48 Prozent von 22.091 Teilnehmern gaben dabei an, dass sie sich an einem Strand nackt ausziehen würden.
Bemerkenswert ist auch, dass die Offenheit vieler US-Amerikaner laut TripAdvisors Userbefragungen zuzunehmen scheint. Bei einer ähnlichen Umfrage im Vorjahr meinten nämlich nur 31 Prozent der Teilnehmer, es könnte ihnen an einem clothing-optional-Urlaubsziel gefallen ("'love to see and be seen' at a clothing-optional destination"). Allerdings genügen die TripAdvisor-Umfragen mitnichten wissenschaftlichen Standards, so dass ihre Aussagekraft hinsichtlich echter Trends sehr begrenzt ist.
Erfreulich ist jedenfalls: Mit sexistischem Motiven scheint die potentielle Nacktbade-Affinität vieler TripAdvisor-User nichts zu tun zu haben. Dies geht laut TripAdvisor klar aus zahlreichen User-Kommentaren zum Thema hervor .
Bleibt die Frage: Wo können US-Amerikaner einen ungestörten FKK-Urlaub verbringen? Im eigenen Land sind die Möglichkeiten eher rar gesät. TripAdvisor weiß Rat und empfiehlt in einem Kunden-Newsletter vor allem den "Little Banana Beach" in Skiathos (Griechenland), gefolgt von Resorts in Spanien, Mexiko, der Karibik, Australien, Kroatien und Frankreich. Die Boulevardzeitung US-Today erwähnt in einem Artikel über die TripAdvisor-Umfrage auch den Harzer "Naturistenstieg" als interessantes Übersee-Ziel.
Übrigens glaubt die "American Association of Nude Recreation" (AANR), dass die aktuelle Politik des US-Billigfliegers "Spirit Airlines", seine Fluggäste durch veränderte Gebühren zur Mitnahme von weniger Gepäck zu ermutigen, unbeabsichtigt der Förderung des FKK-Tourismus dienen könnte. Auch vom Nackt-Scanner-Einsatz an heimischen Flughäfen erhofft sich die AANR einen positiven Nebeneffekt. Wer in den FKK-Urlaub reist, nimmt schließlich weniger Gepäck mit. Und wenn man schon am Flughafen unfreiwillig "bis auf die nackte Haut" gescannt wird, kann man sich auch getrost nackt am Strand tummeln. Wie ernst derartige Stellungnahmen gemeint sind, muss allerdings offen bleiben.
Foto: Nackt am Strand - das geht auch in den USA. Urheber: CreativeCommons/Elmschrat
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