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Kurswechsel: Barcelona plant Maßnahmen gegen Nacktsein in der Öffentlichkeit

(18. 04. 2011)

FKK mitten in Barcelona - aktuell noch möglich. Foto: daniel.julia. Lizenz: creative commons/share alike

Barcelonas Stadtverwaltung war lange Jahre für eine äußerst liberale Haltung gegenüber öffentlicher Nacktheit bekannt. 2004 wurde mit Unterstützung des Stadtrates die Broschüre "Sich durch Nacktsein ausdrücken" veröffentlicht, die viele Fotos von nackten Menschen inmitten der Stadt enthielt (Straßen, Parks, U-Bahnhöfe). Auch Urlaub-im-web berichtete darüber (Link). In der Broschüre wurde darauf hingewiesen, "dass das Strafgesetzbuch keine Bestimmung enthält, die öffentliches Nacktsein unter Strafe stellt". Zudem brachte die Stadtverwaltung in dem Heft ihren Willen zum Ausdruck, "das Recht der Bürger auf den Nudismus zu respektieren". Nun soll es allerdings mit der - für Spanien ungewöhnlichen - Liberalität in Kataloniens Hauptstadt zu Ende gehen. Dies berichtete jüngst die New York Times (NYT). Bürger, die  - außerhalb der offiziellen FKK-Strände - nackt in der Öffentlichkeit auftreten, müssen wohl zukünftig mit polizeilichen Zurechtweisungen und sogar mit Geldstrafen rechnen.

Eine Omnipräsenz von Nackten hat die liberale Haltung der Stadtoberen natürlich nie hervorgerufen. Im Gegenteil: "Nur wenige" Bürger Barcelonas machen von ihrem Recht auf öffentliche Nacktheit auch tatsächlich Gebrauch (zumindest außerhalb der FKK-Strände), wie der 62jährige FKK-Aktivist Jacint Ribas gegenüber der NYT betonte. Dazu kommen einige Touristen.

Nichtsdestotrotz wird der Stadtrat Ende diesen Monats wohl eine Verordnung verabschieden, nach der die Polizei nackte oder unzureichend gekleidete Personen auffordern muss, sich "angemessen" zu bekleiden. Im Weigerungsfall soll eine Geldstrafe von bis zu 500 Euro drohen.

Spärlich bekleidete Personen das eigentliche Problem

Glaubt man Assumpta Escarp, Barcelonas stellvertretender Bürgermeisterin, soll mit der geplanten Verordnung vor allem die hohe Präsenz spärlich gekleideter Personen im Stadtbild reduziert werden. Die Zahl der FKK-Aktivisten in Barcelona betrachtet auch Frau Escarp als gering. "In den letzten Jahren haben wir es nicht so sehr mit nacktem, sondern mit halbnacktem Auftreten zu tun", sagte die Vize-Bürgermeisterin der NYT. "Die Leute laufen vom Strand aus in die Innenstadt, in Museen und in Kirchen, und dies in Strandbekleidung."

Künstlerische Veranstaltungen wie das legendäre Foto-Happening des US-Fotografen Spencer Tunick, der 2003 in Barcelona 7.000 Nackte ablichtete (Link), sind nach Frau Escarp ohnehin unproblematisch. "Aber es ist etwas anderes, die Sagrada Familia im Bikini zu besuchen". Die Sagrada Familia ist bekanntlich eine römisch-katholische Basilika, die in Teilen zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört und im Jahre 2010 von Papst Benedikt XVI. "geweiht" wurde.

Foto: Nackt unterwegs in Barcelona - aktuell noch möglich. Urheber: daniel.julia. Lizenz: creative commons/share alike.

Von: www.urlaub-im-web.de


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