WANDERBERICHT NETTERSHEIM
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Von schlechtem Wetter und guter Improvisation - Bericht von einer "Criminale"-Wanderlesung in der Eifel
von Jörgen Varg
"Wandern und Lesung? Das sind ja gleich zwei Dinge auf einmal! Geht denn das? Ja, das geht!" - mit diesen eigentlich unspektakulär klingenden Worten kündigte die Nordeifel-Gemeinde Nettersheim vor Monaten in einer Broschüre ihre diesjährige Wanderlesung "Den Römern auf der Spur" an. Die Wanderlesung, bei der in der Römerzeit spielende Krimi-Passagen vorgetragen werden, fand bereits im Vorjahr statt; da aber die Nordeifel 2010 erstmals als Gastgeberregion des Krimifestivals "Criminale" fungierte, konnten die Nettersheimer ihr Wanderevent diesmal als offizielle "Criminale"-Veranstalung ausrichten. Ausrichter der Wanderlesung war die Gemeindebibliothek Nettersheim.
Die diesjährige "Criminale" (8. bis 12. September) umfasste übrigens - Krimifans werden es wissen - die stolze Zahl von 38 Einzelevents (Lesungen, Krimidinner etc.) in verschiedenen Eifelorten; rund 160 Kriminalautoren machten regionsweit mit. Die "Criminale" ist seit langem das größte deutschsprachige Krimifestival.
Dass die Nettersheimer Wanderlesung ins Blickfeld eines wanderfreudigen Urlaub-im-web-Mitarbeiters geriet (genauer: des Verfassers dieser Zeilen), lag u. a. daran, dass sie das einzige Wanderevent des Großfestivals war. Jedenfalls machte ich mich erwartungsfroh nach Nettersheim auf. Und um es gleich eingangs zu betonen: Als ich am Sonntagabend zurückfuhr, hatte ich "alles in allem" ein ansprechendes Wandererlebnis hinter mir und vor allem einer unterhaltsamen Krimilesung gelauscht.
Gleichwohl lief längst nicht alles wie erwartet. Wanderteilnehmer, Autoren wie auch die Veranstalter mussten nämlich vor Ort eine unerfreuliche Erfahrung machen: "Wandern und Lesung" "gehen" leider doch nicht immer so reibungslos "auf einmal", wie es der Vorankündigungstext zur Wanderlesung suggerierte. Der Grund dafür war denkbar einfach: Am Sonntagnachmittag regnete es in Nettersheim - mal stärker, mal weniger stark, jedenfalls aber recht lange - und einige Pessimisten fürchteten schon, das Event könnte komplett "ins Wasser fallen" (eine an jenem Nachmittag häufig gehörte Metapher). Dass zumindest dies nicht passierte, war vor allem der organisatorischen Flexibilität der Veranstalter zu verdanken.
Auf Sonne folgt Regen ...
Bei meiner Ankunft in der Eifelgemeinde - gegen 13:00, einer Stunde vor dem offiziellen "Abmarschtermin" - herrschte freilich noch "eitel Sonnenschein", in jeder Hinsicht.
Die Sonne lachte, die Organisatoren und die ersten eintreffenden Wanderer blickten frohgemut auf die Dinge, die man kommen wähnte. Und natürlich war alles gut vorbereitet: Zwei Autorinnen historischer, in der Römerzeit spielender Kriminalromane hatten ihr Kommen zugesagt. An den zahlreichen Römersehenswürdigkeiten Nettersheims hatte man zum Krimistoff (bzw. zu seinem historischen Hintergrund) passende Lesestationen ausgewählt, zudem war eine Gruppe studentischer Helfer unterwegs, die an den Lesestationen für eine gute Akustik (Mikrofon) und das leibliche Wohlbefinden (mehrere römische Imbisse) sorgen sollte (Nebenbei bemerkt: Die insgesamt fünf "Studies" verrichteten nicht nur Hilfsdienste, sondern waren auch aktiv an der Planung und Vorbereitung der Wanderlesung beteiligt - ehrenamtlich taten sie dies freilich nicht: Am Ende gabs einen Leistungsnachweis ("Schein"), offensichtlich waren die studentischen Aktivitäten der praktische Teil einer universitären Lehrveranstaltung).
Dann kam - zwischen 13 und 14 Uhr bedrohlich durch immer dichtere, teils schwarze Wolken angekündigt - der Regen. Und warf natürlich die Frage auf: Was tun?

