WANDERBERICHT NETTERSHEIM

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"Tropische Korallen" - auf Fossiliensuche in der Eifel (Wanderbericht)

Blick auf den Ort Nettersheim.

von Jörgen Varg


"Feuer und Wasser, Natur und Kultur im Herzen Europas" lautete das Motto des 106. Deutschen Wandertages, der diesmal Wanderer aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) in die Eifel lockte. Nach zwei Jahren der Abstinenz nahm auch wieder ein Mitarbeiter von Urlaub-im-web an einer Veranstaltung im Rahmen des alljährlichen "Großevents" teil.

Die Wahl fiel auf eine geologisch-naturkundliche Wanderung in der Eifelgemeinde Nettersheim, die den spannenden Titel "Tropische Korallen" trug. Den Teilnehmern wurde u. a. eine fachmännisch begleitete Suche nach Fossilien aus (Korallen)-Riffgemeinschaften des Devons (ein Erdzeitalter 380 Millionen Jahre vor heute) in Aussicht gestellt.

Das Naturzentrum Eifel

Treffpunkt der geologisch interessierten Wanderfreunde war das "Naturzentrum Eifel", das die Wanderung auch veranstaltete. Die Gruppe wurde vom Exkursionsleiter, dem Dipl.-Biologen Wolfgang Düx, freundlich begrüßt.

Da der Mitarbeiter von Urlaub-im-web etwas verspätet zur Gruppe stieß, konnte er den einführenden Worten über die Aufgaben des Naturzentrums nicht beiwohnen. Daher sei hier kurz aus einer im Naturzentrum ausliegenden Broschüre zitiert:  

"Das Naturzentrum Eifel in Nettersheim ist ein überregionales Zentrum für Umweltbildung mit angegliedertem Natur- und Geschichtsmuseum. Seit 1989 bringt das Naturzentrum mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen Menschen die Natur- und Geschichtsschätze der Eifel nahe. Die aufgegriffenen Themen orientieren sich hierbei an der erdgeschichtlichen, historischen und ökologischen Vielfalt der Natur- und Kulturlandschaft Eifel.
Die zentrale Aufgabe des Naturzentrums Eifel ist die Umweltbildungsarbeit und findet einen Schwerpunkt in der außerschulischen Umwelterziehung und Erwachsenenbildung. Das pädagogische Konzept des 'Begreifens durch Erleben' bietet Schülern, interessierten Laien und Fachleuten sowohl erlebnisorientierte als auch fachlich fundierte Veranstaltungen
."

Ganz im Rahmen dieses "erlebnispädagogischen" Ansatzes bewegte sich dann auch die Wanderung.

Unvermeitlich: Eine theoretische Einführung

Aufschluss mit Kalkgestein.

Im "Haus der Fossilien", das u. a. sehenswerte Fossiliensammlungen beherbergt, wurde den Wanderfreunden zunächst mit Hilfe von Schautafeln allgemeinverständlich erklärt, weshalb man in der Eifel, genauer: in der "Kalkeifel", Fossilien tropischer Korallen sammeln kann.

Die faszinierende Lösung des Rätsels: Wo heute Wanderer durch die Eifeler Mittelgebirgslandschaft streifen, befand sich vor 380 Jahren ein warmes tropisches Meer, das von zahlreichen riffbildenden Organismen wie Korallen und anderen dickschaligen Tieren bevölkert wurde. Nettersheim lag südlich des Äquators in der sog. Eifeler Meeresstraße.

Neben Fossilien ist der sog. Riffkalk die wichtige Hinterlassenschaft der devonischen Korallenriffe.
Die riffbildenden Tiere nahmen im Meereswasser gelösten Kalk auf und bauten daraus ihr Stützgerüst. Als sie abstarben, bildeten ihre Körper Ablagerungen, die nach und nach auf bis zu 500 m Mächtigkeit anwachsen konnten. Hunderte Millionen Jahre später wurden die Riffkalke u. a. in der Gemeinde Nettersheim zum Rohstoff einer regen kalkverarbeitenden Industrie.

Dass sich die Zeugnisse des tropischen Meeresbodens über solch riesige Zeiträume erhalten konnten, ist spektakulären Besonderheiten der späteren erdgeschichtlichen Entwicklung der Eifel zu verdanken.

Zu Beginn des Karbons (Steinkohlezeit) bildete sich dort ein gewaltiges Faltengebirge mit Satteln und Mulden, das höher als die Alpen gewesen sein soll ("variszische Gebirgsbildung"). Die horizontalen Gesteinsschichten des Devons wurden zu Falten gepresst und über den Meeresspiegel hinausgehoben. Heute ist von dem riesigen Gebirge nur noch ein eingeebneter, plateauartiger Gebirgsrumpf erhalten, da Abtragung und Verwitterung in den folgenden 200-250 Millionen Jahren unnachgiebig ihr Werk verrichteten.

In der heutigen Kalkeifel jedoch entstand eine Bruchlinie der Erdkruste mit Senkungstendenz (die sog. Nord-Süd-Depression, Verlauf etwa von Mechernich nach Trier), in deren acht "Kalkmulden" die fossilienführenden Schichten der Devonmeeres vor Abtragung geschützt blieben - und daher bis in die Gegenwart hinein studiert werden können. In einer dieser Mulden liegt die Gemeinde Nettersheim ("Sötenicher Kalkmulde").



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