URLAUB IN MAROKKO - MEKNES
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Meknes - das kleine Versailles unter Marokkos Königsstädten
Marokko besitzt vier Königsstädte: Fes, Marrakesch und Meknes waren früher Sitz des Königshauses; der aktuelle König Mohammed VI. regiert in Rabat.
Meknes, 60 bis 70 Kilometer südwestlich von Fes gelegen, erhielt seinen Status erst Ende des 17. Jahrhunderts. Dafür fiel die folgende Blütezeit umso imposanter aus.
Der machtbesessene und frankophile Sultan Moulay Ismail ließ die Stadt, seinem Vorbild Ludwig XIV. nacheifernd, zur prunkvollen Residenz ausbauen. Der exzentische Herrscher plünderte dafür sogar Bauten der Vorgängerdynastien und die römischen Ruinen des nahe gelegenen Volubilis.
Mehr als 30.000 Sklaven wurden zum Bau eines gewaltigen Plalastkomplexes in der Ville Imperiale (Königsstadt), prächtiger Gärten und einer über 40 Kilometer langen Stadtmauer eingesetzt. Die Hofhaltung fiel äußerst pompös aus: 600 "Haremsdamen" und 12.000 Pferde "hielt" sich der Herrscher. Neben allem Prunk wurde die Stadt auch zur gewaltigsten Festungsstadt Nordafrikas ausgebaut. Marokko entwickelte sich zu einem der mächtigsten Staaten seiner Zeit.
Nach dem Tode Moulay Ismails war es mit Meknes' Herrlichkeit allerdings wieder vorbei. Der Königssitz wurde nach Fes verlegt. In Nachfolgekämpfen wurden die Palastanlagen von Meknes weitgehend zerstört. Ein Erdbeben im Jahre 1755 führte zur weiteren Verwüstung.
Heute ist die 500.000 Einwohner zählende Metropole insbesondere als Handels- und Handwerkszentrum bekannt. Ausschlaggebend ist ihre Lage auf einer klimatisch begünstigten Hochebene, die zu den landwirtschaftlich reichsten Gebieten Marokkos gehört. Unter einem gesunden, ganzjährig milden Klima, gedeihen beispielsweise Weine, die sich durchaus mit besseren französischen Landweinen messen können. Die bekanntesten Marken sind Ksar Guerrouane und Les Trois Domaines.
Vor dem Genuss der edlen Tropfen sollte man sich allerdings in der Stadt umsehen. Beeindruckend sind die heute etwa 20 Kilometer langen Stadtmauern mit dem riesigen Tor Bab el-Mansour am Place EI Hedim. Das Tor gilt als bedeutendstes Überbleibsel der Ville Imperiale. Auf dem Platz wurden einst Gerichtsverhandlungen abgehalten und die Köpfe Hingerichteter ausgestellt. Ebenfalls am Place El Hedim liegt der Palast Dar Jamai, in dem das Museum für marokkanische Volkskunst untergebracht ist.
Viele Prunkbauten aus der Zeit Moulay Ismaels wie der Palast Dar Kebira mit seiner gewaltigen Befestigungsmauer, einige große Getreidespeicher und die ehemaligen Pferdeställe des Herrschers (die Platz für die erwähnten 12.000 Tiere boten) sind heute nur noch als Ruinen oder Überbleibsel vorhanden
Zum Pflichtprogramm gehört nichtsdestotrotz ein Besuch des Mausolee de Moulay Ismail, das unter Mohammed V. gründlich restauriert wurde. Leider dürfen Nichtmuslime den eigentlichen Grabraum mit dem Katafalk Moulay Ismaels nicht betreten. An den Wänden im Inneren des Mausoleums erinnern französische Standuhren an eine nette Anekdote: Der frankophile Sultan war nicht nur ein großer Bewunderer Ludwigs XIV., er hielt auch um die Hand der unehelichen Tochter des Franzosenkönigs an. Der schlug Moulay Ismail den Wunsch ab, machte ihm aber zum Trost besagte Uhren zum Geschenk.

