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Andalusien - Málaga: alte Mauern, aber immer in Bewegung
von Dagny Riegel
Málaga wächst. Die Touristenzahlen gehen nach oben, wie man betont; Museen wie etwa das Picasso-Museum werden eröffnet, damit die Stadt im Süden Andalusiens auch etwas zu bieten hat – schließlich muss sie sich gegen Alhambra oder Mezquita behaupten. An allen Ecken und Enden tut sich etwas, wird gebaut und schick gemacht: Alte Häuser werden „ausgenommen“ und mit modernem Innenleben gefüllt, um am Puls der Zeit zu bleiben. Ein Messekomplex wurde errichtet, der von oben gesehen einen Fisch in den Wellen darstellt. Für Wachstum in Grün tragen der „Jardín Botánico-Histórico La Concepción“ und der „Paseo del Parque“ Sorge, der eine etwas außerhalb im Norden der Stadt, der andere zentral am Hafen.
Obgleich die Stadt an der Costa des Sol in ständiger Bewegung ist, verbreitet sie jedoch keineswegs die Hektik und den Lärm, welche man sonst in Großstädten am Mittelmeer oft vorfindet. Dazu trägt mit Sicherheit nicht zuletzt die erstaunlich weitläufige Fußgängerzone bei – ein Bereich für ausgedehnte Schaufensterbummel, wie man ihn in vielen ähnlichen Städten vergeblich sucht. Rund um die breite Calle Larios schlängeln sich weitere Gassen und Sträßchen, die für den Autoverkehr gesperrt sind.
Namenspatron der Haupt-Flaniermeile Málagas ist der Marquis de Larios, dessen Familie sie im 19. Jahrhundert als Verbindung zwischen Zentrum und neuem Hafen erbauen ließ. Noch heute sind etliche der imposanten Gebäude im Besitz der Familie.
Am dem Meer abgewandten Ende der Calle Larios öffnet sich der Blick in die Plaza de la Constitución – dem von seiner Geschichte her wichtigsten Platz der Stadt. Hier fanden Volksfeste, Stierkämpfe, Hinrichtungen und religiöse Feierlichkeiten statt. 2002 wurde er restauriert und wirkt trotz der historischen Häuser-Kulisse seltsam modern. Der Génova Brunnen versprüht jedoch weiterhin den Charme vergangener Epochen.
Einen sehr eigenen Charme hat die Kathedrale: Ihr imposanter Name „Santa Iglesia Catedral Basílica de la Encarnación“ wird von den Einheimischen liebevoll zu „La Manquita“ – „Die Einarmige“ verkürzt. Schließlich wurde ihr zweiter Turm aus Geldmangel nie vollendet. Beziehungsweise irgendwann hatten sich die Einwohner Málagas so an ihren asymmetrischen Anblick gewöhnt, dass man die Kathedrale knapp fünf Jahrhunderte nach ihrem Baubeginn auch nicht mehr fertig stellen wollte; trotz aller Nachteile eines nicht planmäßig überdachten Turms. Dabei scheint es im Laufe der Geschichte eine nicht unerhebliche Anzahl spanischer Architekten gereizt zu haben, an dem Bauwerk mitzuwirken.
Wo ursprünglich eine Moschee stand, wurde es 1528 von den damaligen Stararchitekten Diego de Siloe und Enrique Egás begonnen und in den darauf folgenden Jahrhunderten von verschiedensten Bauherren emsig weiter bearbeittet. Erstaunlich, wie einheitlich Äußeres wie Inneres dennoch anmuten, bis auf den fehlenden „Arm“ natürlich.
Oberhalb der Hafenstadt, die auf der Landseite komplett von Bergen – den Montes de Málaga – gerahmt ist, thronen die Alcazaba und das Castillo de Gibralfaro. Erstere, deren Name im Arabischen „Zitadelle“ bedeutet, wurde im 11. Jahrhundert von Mauren auf den Resten einer Phönizier-Festung gebaut und ist mit dem Castillo verbunden. Als wären das der wortwörtlichen Highlights nicht genug, gibt es etwas unterhalb auf dem Berg auch noch ein römisches Theater, das man besichtigen kann. Abends ist der ganze Komplex zur Untermalung hell angestrahlt.
Aber die Geburtstadt Picassos (das ihm gewidmete Museum lohnt einen längeren Besuch) hat neben altem Gemäuer auch zahlreiche vergängliche Genüsse zu bieten. So ist sie für ihren Muskateller, einen süßlichen Wein, berühmt, den man am besten in einem echten Weinkeller probiert.
In der Casa del Guardia sind seit 1847 die schweren dunklen Fässer an der Wand hinter der Theke aufgetürmt, aus denen vorwiegend einheimische Weine ausgeschenkt werden. In dem regen Treiben mischen sich die Gerüche von Wein, Olivenöl, Fisch und Meeresfrüchten. Die kleinen Tapas wie getrockneter Thunfisch oder Gambas schmecken ausgezeichnet und werden auch von den vielen einheimischen Gästen gegessen, die sich in dem schmalen Kellerraum drängen.
An Fisch kommt man selbstverständlich ohnehin nicht vorbei in dieser alten Seefahrer-Stadt, deren Name sich von „Malak“ – Salzen der Fische – ableitet. Eine besonders hübsche Art ihn zuzubereiten kann man direkt an der Promenade „Calle Paco Vega“ beobachten: Dort werden die kleinen fangfrischen „Sardinas“ vor den Augen der Restaurant-Gäste neben der Promenade geräuchert.
Hier an den kleinen Fischerhäusern, wo die frische Brise den rauchigen Geruch gegrillten Fischs heranweht, wird plötzlich klar, warum der Stadturlaub in Málaga trotz seiner halben Million Einwohner irgendwie kein klassischer Stadturlaub ist – so imposant sie auch wachsen mag und so beeindruckend die alten Gebäude sind, sie liegen doch nach wie vor am Meer.









