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Madrid me mata – Madrid macht mich fertig!

Überwältigende Kulturmetropole und beeindruckendes Umland

Madrid - Palacio Real (Königspalast)

Madrid - Palacio Real (Königspalast). Fotos: Spanisches FVA

von Werner G. Stoss

 

Eigentlich gab es für die Bewohner der Iberischen Halbinsel keinen Grund, ausgerechnet in der Einöde Neukastiliens eine Hauptstadt zu gründen: Keine wichtige Straße, keinen großen Fluss, keine Bodenschätze und ein Klima, das den Einwohnern neun Monate Kälte und drei Monate Hitze im Jahr beschert.

Doch in den vierhundert Jahren seit seiner Gründung hat sich Madrid von dem einstigen maurischen Lehmdorf „Madshrit“ zur pulsierenden Großstadt entwickelt: Ein Symbol der Wandlung von einer uralten Kleinbürger-Idylle zur modernen Finanzmetropole, die sich mit dem ebenbürtigen Barcelona in allen Bereichen im Wettkampf sieht und als Sieger hervorgehen will.

Dabei wird mit alter, ehrwürdiger Bausubstanz nicht gerade zimperlich umgegangen: Was Madrids Weg in die Zukunft versperrt, wird kurzerhand abgerissen.

Alcalá de Henares

Alcalá de Henares

So versanken schon vor hundert Jahren zwei Dutzend herrlicher Renaissance- und Barockkirchen in Schutt und Staub. Denn man brauchte Platz für Straßen und Cafés – weil sich das Leben der „Madrilenos“ sich vornehmlich in den Straßencafés abspielt. Und in den letzten Jahrzehnten mussten sechzig wunderschöne Jahrhunderte alte Adelspaläste den Glaspalästen der Banken, Versicherungen und Hotels weichen.

 

Doch ist jeder Besucher heute immer noch von den verbliebenen prächtigen Bauten und den malerischen Stadtvierteln der Metropole begeistert und schließlich war Madrid 1992 ja die Kulturhauptstadt Europas. Und in früheren Zeiten begonnene Sakralbauten, wie z.B. die Catedral de la Almudena, wurden schließlich erst im letzten Jahrhundert fertig gestellt: So wurde diese Kathedrale erst vor 17 Jahren von Papst Johannes Paul II. eingeweiht. Wir machen uns also auf, um die Faszination Madrids zu ergründen.

Nach einem kurzen Flug mit Iberia am späten Vormittag kommen wir ganz entspannt im Flughafen Madrid Barrajas Terminal 4 an.

 

Typische Tapasbar

Typische Tapasbar. Foto: Werner Stoss

Auf dem Weg in die Innenstadt erwarten uns die spektakulären Bauten der Gegenwart: Der Picasso-Turm, einer der höchsten Türme Europas, ist das elegante Highlight in nördlichen Hochhausviertel Madrids. Dann das hypermoderne „Tor Europas“ – wie ein Tor neigen sich zwei Türme über einen Platz schräg zueinander hin. Und der bemerkenswerte Fernsehturm gehört mit seinen beachtlichen 220 Metern Höhe zu den höchsten seiner Art in Europa.

Das Kultur-„Pflichtprogramm“

Nach dem Einchecken im günstig gelegenen und geschmackvoll eingerichteten „Hotel de las Letras“ (Gran Via 11, T: +34-915 237 9 80) brechen wir auf, um unser Pflichtprogramm in Sachen Kultur anzugehen: die weltbekannten drei Museen „Prado“, „Thyssen-Bornemisza“ und das Nationalmuseum „Centro de Arte Reina Sofia“. Hier sind die umfangreichsten Bildersammlungen der Stadt ausgestellt. (Achtung: die Museen sind montags geschlossen)

Im Prado-Museum befinden sich unübersehbare Kunstschätze: mehr als 3.000 Bilder aus königlichen Sammlungen, über 2.000 Exemplare durch die Zusammenlegung mit dem Trinidad-Museum und mehr als 3.500 Neuerwerbungen. Eine kundige Führung erklärt uns hier die Werke der bedeutendsten Maler wie z.B. El Greco, Ribera, Zurbarán, Velásquez, Murillo, Goya, Rubens, Tizian und El Geco.

 

Das älteste Restaurant Madrids

Das älteste Restaurant Madrids

Das in der Nähe befindliche Museo de Arte Reina Sofia wurde als ständige Sammlung 1992 eröffnet. Es ist besonders bekannt für seine hervorragende zeitgenössische Bildersammlung spanischer Künstler. Hier finden wir auch das berühmte „Guernica“ von Picasso. Aber auch Kunstwerke von Max Ernst, Tanguy, Magritte und Newman sind ausgestellt.

Das Museum Thyssen-Bornemisza zeigt derzeit eine Privatsammlung von über 1.000 Bildern und bietet einen anschaulichen Rundgang durch die Geschichte der europäischen Malkunst vom 13. bis zum Ende des 20. Jhds. Die bedeutendsten Stilrichtungen können wir chronologisch in einem Rundgang verfolgen: von der italienischen Richtung über den Surrealismus bis hin zu der Pop-Art der 60er Jahre. Wer aber lieber die klassischen Maler mag, findet hier auch Werke von Dürer, Tintoretto, Degas, Goya und Cézanne.

Erschlagen von den vielen Eindrücken machen wir uns zu einer weiteren Pflichtübung auf, die sich aber weit entspannender gestaltet: eine Tapas-Tour. Tapas sind kleine Happen, die in Bars und Tavernen direkt an der Theke gegessen werden. Sie sind eine spanische Tradition, die sich von Andalusien über ganz Spanien ausgebreitet hat. Wir bestellen für uns eine Auswahl der leckersten kleinen Gerichte und alle langen zu: Madrider Kutteln, Patatas bravas, Pulpo, Meeresfrüchte, lecker gefüllte Teigtaschen, Oliven und nicht zu vergessen der berühmte Jamón, der spanische Schinken. Dazu ein oder zwei Glas Bier oder Wein und ein Bummel durch das nächtliche Madrid kann folgen. Und wo führt uns dieser hin? Zu einem Erlebnis der besonderen Art, einer typischen Flamenco-Vorstellung.

Flamenco

Der Flamenco, eng verbunden mit der Kultur des Stierkampfs, kam mit den Zigeunern Andalusiens nach Madrid. Bereits Mitte des 19. Jhds. kamen viele der besten Flamencosänger nach Madrid und heute wetteifern bekannte Künstler, die aus Andalusien stammen, mit engagierten Einheimischen aus der Region.

Profis wie auch engagierte Amateure treffen sich heute regelmäßig in den Kultkneipen der Flamenco-Szene. Wir steuern die berühmte Flamenco-Show des „Conservatorio Almenco Casapatas“ an. Gegründet im Jahr 2000, fördert die Einrichtung die Ausbildung und Weiterentwicklung des Flamenco in Tanz, Gesang und Gitarre. Abend für Abend reißen die Darbietungen der engagierten Künstler die Zuschauer zu Standing Ovations hin.

 

Auch wir sind von der Show in diesem „Tempel des Flamenco“, wie er von Insidern bezeichnet wird, total begeistert und unser Applaus erntet eine Zugabe nach der anderen.

 

2.Tag: Via Verde de Tajuna...


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