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Lust auf Lodz?
Die mit ca. 800.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Polens ist zugleich Hauptstadt einer der 16 Regionen Polens. Lodz, eigentlich „Wudsch“ ausgesprochen, gilt als das „Manchester“ Polens und blickt auf eine noch relativ junge Geschichte zurück. Zwar erhielt Lodz bereits im Jahr 1423 die Stadtrechte, blieb aber fast vier Jahrhunderte lang eine kleine Handwerks- und Agrarsiedlung. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann aufgrund der Industrialisierung eine große Migrationsbewegung. Das Bild der Stadt wurde geprägt durch das Zusammenleben vieler Nationen und Kulturen, hauptsächlich Polen, Russen, Juden und Deutsche.
Ein Markenzeichen der Lodzer Architektur sind die knapp 160 Residenzen und Prunkbauten, die wohlhabende Textil-Fabrikanten im 19. und 20. Jahrhundert hier errichteten. Gleichzeitig entstanden auch Arbeitersiedlungen, große urbane Komplexe mit Apotheken, Schulen und anderen Einrichtungen. Für Architekturliebhaber, die nach Lodz kommen, ist eine Besichtigung der öffentlich zugänglichen Bauten auf jeden Fall ein „Muss“. An vielen der Anlagen nagt seit langem der Zahn der Zeit, einige aber wurden renoviert und beherbergen nun Museen. Tourismusunternehmen bieten sehr interessante, mehrstündige Führungen mit diesem Themenschwerpunkt an.
Besonders sehenswert ist die Residenz von Izrael Poznanski. Der Palast des Textilbarons ist mit prächtigen Möbeln, Musikinstrumenten, Spiegeln und Bildern ausgestattet. Mehrere Räume des Museums wurden zu Ehren Artur Rubinsteins eingerichtet. Sie enthalten Fotos, Auszeichnungen, Kleidungsstücke und andere persönliche Gegenstände des 1887 in Lodz geborenen Pianisten. In einem der Zimmer können Besucher unter einer Glaspyramide den beeindruckenden Abguss seiner Hände bewundern. Zu besichtigen ist auch die Villa des Industriellen Karl Scheibler, in der heute das „Museum für Kinematographie“ untergebracht ist. Ganz in der Nähe befindet sich die Lodzer Filmhochschule, zu deren Absolventen der Regisseur und Schauspieler Roman Polanski zählt.
Als gute Übernachtungsmöglichkeit empfiehlt sich das traditionelle, seit 1888 existierende „Hotel Grand“. Das wohl bekannteste Hotel der Stadt ist sehr zentral gelegen und beherbergte schon viele polnische Schauspieler und Künstler. Einige der Suiten wurden sogar nach ihnen benannt. Besonders interessant: Direkt vor dem Eingang können Besucher die Lodzer Version des amerikanischen „Walk of Fame“ bewundern. Auf beiden Seiten des Bürgersteiges wurden sternförmige Bronzeplatten in den Boden eingelassen. Sie tragen die Namen bekannter polnischer Regisseure und Schauspieler, ein Stern für Roman Polanski ist natürlich auch vorhanden.
Die Piotrkowska-Straße, auf der sich das „Hotel Grand“ befindet, ist mit über 4 Kilometern Europas längste Handelsstraße und bekannt für ihre unzähligen Cafés, Bars und gemütlichen Restaurants. Sie ist zugleich auch die schönste Straße der Stadt.
Viele der Residenzen, Wohnhäuser, Hotels und Restaurants stammen aus dem 19. Jahrhundert und wurden in verschiedenen Architekturstilen erbaut. Italienische Renaissance, Eklektizismus, Neubarock oder Jugendstil bestimmen das Erscheinungsbild.
Im Sommer ist die Piotrkowska-Straße für Fahrzeuge gesperrt. Dann stellen Café- und Kneipenbesitzer Tische und Stühle ins Freie und die Straße wird zum beliebten Treffpunkt von Jung und Alt.












