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Griechische Inseln - Kykladen: Im Urlaub mit Odysseus segeln

Die Yacht. Fotos: Stefan Raake

Griechenland bietet eine große Vielfalt von Urlaubmöglichkeiten, zum Beispiel Badeurlaub, Bildungsurlaub, Reiturlaub, Wanderurlaub...

Auch Wassersport ist ein wichtiges Thema.

Die Inselwelt der Kykladen mit einer Segelyacht zu erleben, eröffnet neue Perspektiven. Urlaub-im-web war zwei Wochen unterwegs von Lavrion nach Mykonos, von Ios nach Santorin: Ein Törnbericht.


Wir starten Mitte Juni unseren Törn von Lavrion aus, einem kleineren Ort an der Südostspitze Attikas, etwa 70 Kilometer von Athen entfernt. Der Ort selbst gibt nicht viel her, neben dem 50 Fuß (knapp 16 Meter) langen Schiff mit dem schönen Namen „Odysseus“, das hier auf uns wartet, interessiert uns in erster Linie der Supermarkt. Hier kaufen wir tüchtig Lebensmittel ein. Auf den Inseln sind vor allem frische Nahrungsmittel schwerer zu bekommen oder deutlich teurer. Sechs Einkaufswagen und 500 € später sind wir bereit, das Boot zu übernehmen: Eine Bavaria 50, ausgelegt für zehn Personen. Wir sind nur zu siebt an Bord, damit gestaltet sich der Aufenthalt natürlich umso angenehmer.

Nur wenige Kilometer von Lavrion entfernt findet sich der weltberühmte Poseidon-Tempel von Kap Sounion, eines der beliebtesten Ausflugziele Athens. Ein Besuch lohnt sich allein wegen der exponierten Lage des Tempels hoch über der Bucht, von dem nur noch 16 schlanke Säulen und zwei Pfeiler in den Himmel ragen.

Mit Windstärke 6 bis Siros

Seglerromantik auf den Kykladen

Seglerromantik: Sonnenuntergang

Das Boot zu beladen und zu übernehmen nimmt einige Stunden in Anspruch. Die an Bord vorhandene Ausrüstung muss überprüft, die Lebensmittel und persönliches Gepäck sicher verstaut werden. Am frühen Nachmittag ist es geschafft, wir legen ab. Erstes Ziel ist die gegenüberliegende Insel Kea, die wir nach einem kurzen Schlag von drei Stunden erreichen. In Koundouros, einer Bucht auf der Westseite der kargen, bergigen Insel verbringen wir unsere erste Nacht. Auf einen Landgang verzichten wir, statt dessen wird an Bord gekocht. Auberginen, Zuchini, Reis und ein Amstel-Bier, dann ab in die Koje.

Am nächsten Tag erwischt es dann die ersten. Bei Windstärke 6 stellt sich erst leichte, dann deutlich zunehmende Übelkeit ein. Mahlzeit, liebe Meeresbewohner. Aber wir kommen gut voran. Bei sieben bis acht Knoten erreichen wir bei Nordwind am Nachmittag Siros, deren Hauptort Ermoupolis seit 1820 Verwaltungszentrum der Kykladen ist. 15.000 Menschen leben hier. Touristen sind eher selten, obwohl das Städtchen mit seinen klassizistischen Hausfassaden, seinem großen Platz mit vielen Cafés und der Hauptpromenade durchaus einen Aufenthalt lohnenswert macht. Wir legen in Finikas, im Süden der Insel an. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Galissas, der Ort mit dem schönsten Strand auf Siros. Kaum haben wir wieder festen Boden unter den Füßen, ist das Unwohlsein vergessen.

Und am kommenden Tag, unterwegs nach Mykonos, haben wir uns an Wind und Wellen gewöhnt. Die Kykladen-Inseln liegen nah beieinander, meist sieht man morgens beim Auslaufen schon, wo man abends ankommen wird.

Mykonos - ankern am Paradise Beach

Mykonos - Party am Paradise Beach

Party am Paradise Beach / Mykonos

Zu den Besonderheiten des Segelns in Griechenland zählt das Ankern in Häfen. Während beispielsweise in Holland meist das Boot an einem Pfahl oder längs an einem Steg festgemacht wird, wird in der Ägäis überwiegend geankert, da die Häfen sehr selten ausgebaut sind. Wer nur Segeln auf der Nord- oder Ostsee kennt, ist hier gefordert. Bis das Ankern richtig sitzt, dauert es seine Zeit. Yachtsport war viele Jahre als Hobby der Reichen unter der sozialistischen Regierung verpönt. Deswegen wurde nur wenig in eine Infrastruktur, wie man sie zum Beispiel aus anderen europäischen Ländern kennt, investiert. Dafür ist alte Beschaulichkeit vieler Häfen, die oft im Zentrum des Ortes liegen, erhalten. Moderne Marinas sucht man meist vergebens.

 

In Mykonos ankern wir am Paradise Beach, gut fünf Kilometer vom Hauptort Mykonos entfernt. Der helle, schöne Sandstrand ist gut besucht, spät nachmittags startet die „After Beach Party“. Fetter Disco-Sound, kühle Getränke, Swimming-Pool und tanzende Go-Go-Girls, alles mit Blick auf “unsere“ Yacht in der Bucht. So könnte es eigentlich immer sein. Mykonos selbst ist nach wie vor eine faszinierende Stadt, wenn auch touristisch voll erschlossen. Die Euro-Umstellung wurde konsequent umgesetzt. In den angesagten Bars werden gerne auch mal 5 € für einen Ouzo genommen, oder 3.50 € für ein kleines Bier.

 

Die Abwechslung macht den Reiz des Segelns in den Kykladen aus. Heute Party, morgen eine ruhige Bucht oder ein verträumter Hafen, wie ihn unser nächstes Ziel Amorgos bietet. Amorgos liegt am Ostrand der Kykladen, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Inselgruppe Dodekanes. Die Küste dieser langgestreckten Insel ist im Südosten steil und felsig, während man im Nordwesten Strände und Sandbuchten findet. Hotels und Privatzimmer gibt es nur wenige. Und doch zieht die Insel immer mehr Urlauber an. Im dennoch verschlafenen Hafen finden wir die „Le Grand Bleu Bar“. Hier läuft seit fast zehn Jahren jeden Abend der Film „Im Rausch der Tiefe“. Ein Teil der Aufnahmen des Films sind auf Amorgos gedreht worden.

Santorin - steile Kraterwände und weiße Häuschen

Auf zur nächsten Kykladeninsel

Unser Skipper in Aktion

Bisher haben wir mit den Winden Glück, der „Meltemi“ weht beständig aus Norden mit Stärken von fünf bis sieben. Damit laufen wir im Schnitt zwischen sechs und acht Knoten die Stunde. Bei Entfernungen von 15 bis 30 Seemeilen, die wir pro Tag von Insel zu Insel zurücklegen, benötigen wir zwischen drei und fünf Stunden für eine Strecke. Hier macht sich die Länge des Bootes bemerkbar. „Länge läuft“, erläutert unser Skipper: Je länger das Boot, je schneller kommt man theoretisch voran.

 

Am nächsten Tag riskieren wir es und machen uns auf den Weg nach Santorin. Die Insel unterscheidet sich von allen anderen Kykladeninseln durch ihre spannende Form und geologische Struktur, die auf die Ausbrüche eines heute erloschenen Vulkans zurückzuführen sind. Überwältigend ist der Blick auf die steilen Kraterwände, deren Kämme von schneeweißen Häuschen gesäumt sind. Den 300 Meter höher gelegenen Hauptort Thíra erreicht man entweder auf dem berühmten Treppenweg mit seinen Hunderten von Stufen zu Fuß oder mit einer Kabinenbahn.

 

Ios ist neben Mykonos die Party-Insel schlechthin

In Santorin.

Ankern ist hier nicht möglich, das Meer ist im Vulkankrater über 300 Meter tief und bei 80 Meter Ankerkette ist Schluss. Ein Hafen für Yachten liegt nicht sehr geschützt außerhalb des Kraters, aber einen kleinen Anleger für vielleicht zehn Boote gibt es gegenüber des Hauptortes. Wir haben Glück und finden einen Platz für die Nacht. Am gleichen Tag weiter Richtung Ios wäre die Alternative gewesen.

Ios erreichen wir am darauffolgenden Tag um die Mittagszeit. Jetzt wird es anstrengend, wir müssen gegen den vorherrschenden Wind nach Norden hoch kreuzen. Schließlich haben wir genug, packen die Segel ein und schmeißen den Motor an.

Ein wenig wundern wir uns im Hafen von Ios über die zahlreichen Anfragen vorbeilaufender Skandinavierinnen, ob sie denn nicht mitfahren könnten. Ein mehrtägiger Fährenstreik ist der Grund. Wir wiederstehen allerdings der Versuchung und stürzen uns ins Nachtleben. Ios selbst ist neben Mykonos die Party-Insel schlechthin. Vor allem jüngere Leute tummeln sich in den diversen Pubs, Discotheken und Bars. Der ein oder andere ehemalige Tourist ist den ganzen Sommer hier und verdingt sich als Türsteher, Animateur oder Bedienung. Auch hier sind die Preise deutlich gestiegen, banale Dinge des tägliches Bedarfs kosten gerne das Doppelte. Fragt sich, wie lange das gut geht. Dafür sind die Getränke-Preise in Ordnung – und das dürfte hier für viele das wichtigste sein.

Von Naxos nach Serifos

Im Hafen von Serifos

Im Hafen von Serifos

Uns zieht es nach einem schönen Tag in einer einsamen, für Normalsterbliche unzugänglichen Bucht mit eigener Süßwassergrotte im Süden von Naxos weiter unter Motor und ohne Wind nach Serifos. Vom Hauptort, der Chora hat man einen phantastischen Blick über die Bucht bis zu den nächsten Inseln. Auf unseren letzten Schlägen zurück Richtung Lavrion packt uns dann wieder der Meltemi mit kräftigen Böen bis zu sieben Windstärken, doch kein Problem für die mittlerweile eingespielte Crew und die hervorragende Yacht.

In Loutra schreckt uns ein sehr kleiner sehr voller Hafen, doch Dank des Bugstrahlruders lässt sich das große Boot auch in engen Häfen problemlos manövrieren.

Am letzten Tag noch ein kleiner Abstecher in eine Badebucht und schließlich zurück nach Lavrion. Wir sind zufrieden: Braungebrannt, gut erholt und glücklich.

von Stefan Raake und Markus Wolff

 

Mehr Informationen
finden Sie auf der Website des Anbieters Olympic Yachting Ltd. unter www.olympicyachting.gr, die wirklich guten, kompetenten Service vor Ort in Lavrion bieten.


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